Warum bekommen wir Hühnerhaut?

Ursprünglich diente die Hühnerhaut zum Warmhalten des Körpers. Heute tritt sie oft während eines Kinobesuchs auf – bei Frauen öfter als bei Männern.

Unseren pelzigen Vorfahren half die Hühnerhaut, um nicht auszukühlen. Richten sich die Haare auf, vergrössert sich die wärmedämmende Luftschicht, die den Körper umgibt. Das ist aber nicht die einzige Funktion der Hühnerhaut. Auch wenn wir ergriffen sind, zum Beispiel von einem Musikstück oder einem Film, können sich die kleinen Haaraufrichtemuskeln zusammenziehen. Frauen sind davon öfter betroffen als Männer.

Experiment mit Songs

In einem Experiment versuchten Psychologen mit Musikstücken und Filmsequenzen Hühnerhaut auszulösen. 20 von 50 Versuchsteilnehmern stellte es davon die Haare auf. Zu den Top-Hühnerhaut-Songs zählten «Last Unicorn», «Purple Rain» und «Time of My Life» sowie Filmsequenzen aus «Titanic», «Gladiator» und «Moulin Rouge».

Auch eine «GooseCam» entwickelten die Forscher, um die Hühnerhaut bei Menschen wissenschaftlich exakt zu messen. Sie wird an den Unterarm geschnallt und verfolgt hautnah, wie die Haaraufrichtemuskeln arbeiten. An jedem Haarfollikel setzt nämlich ein solcher winziger Muskel an, dessen Ende in der untersten Schicht der Oberhaut verankert ist. Zieht sich der «Musculus arrector pili» zusammen, passiert zweierlei: Das Haar stellt sich auf und die Haut beult sich.

Wie gerupfte Vögel

Weil das ähnlich aussieht wie die Haut gerupfter Vögel, heisst das Phänomen bei uns Hühnerhaut, in Deutschland Gänsehaut und auf Englisch goosebumps, also «Gänsebeulen».

Normalerweise kontrahieren sich diese kleinen Muskeln unwillkürlich, gesteuert vom autonomen Nervensystem. Es gibt aber Menschen, die willentlich eine Hühnerhaut erzeugen können. Angeblich lässt sich das sogar trainieren.

Hühnerhaut als Nebenwirkung

Weniger angenehm ist die Hühnerhaut als unerwünschte Nebenwirkung mancher Medikamente oder als Begleitsymptom, zum Beispiel bei einer Virusinfektion des Gehirns oder bei einem Hirntumor. Selten sind epileptische Anfälle, die sich in anfallsweiser Hühnerhaut äussern.

Bei Tieren können aufgestellte Haare ein Zeichen von Angst sein oder ein Warnzeichen, das einem Angriff vorausgeht. Bei männlichen Schimpansen wurde die Hühnerhaut auch schon beobachtet, wenn sie balzen.

von Martina Frei

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