So wird man den Dauerschnupfen los

Ist die Nase chronisch verstopft, ist das mehr als nur lästig. Die Folgen reichen von Kopfweh bis zu Herz-Kreislauf-Krankheiten.

Haben Kinder eine dauerverstopfte Nase, ist dafür wahrscheinlich eine vergrösserte Rachenmandel verantwortlich.

Die Nase läuft oder ist ständig verstopft? Na und? Das ist nicht schlimm und tut nicht weh. Doch Betroffene leiden mehr, als Familie und Freunde glauben. Eine verstopfte Nase ist extrem unangenehm: Die Stimme klingt, als sässe eine Klammer auf der Nase. Später wird sie zudem kratzig und rau, weil die Luft direkt durch den offenen Mund in den trockenen Rachen strömt. Das Riechvermögen lässt nach, und ohne Aromawahrnehmung versagen auch die Geschmacksnerven. Normalerweise vergehen die lästigen Begleiterscheinungen eines Schnupfens nach ein paar Tagen. Wenn nicht, sprechen Mediziner von einem chronischen Schnupfen (Rhinitis) mit dauernd verstopfter Nase.

«Haben jüngere Kinder eine dauerverstopfte Nase, ist dafür am wahrscheinlichsten eine vergrösserte Rachenmandel verantwortlich», sagt Marco-Domenico Caversaccio, Klinikdirektor und Chefarzt der Universitätsklinik für HNO, Kopf- und Halschirurgie am Inselspital Bern. Bei Erwachsenen sind etwa 30 bis 50 Prozent aller chronischen Schnupfen auf eine Allergie zurückzuführen, so der Klinikleiter. Oftmals seien die Ursachen aber unklar. Sowohl eine chronische Nasennebenhöhlenentzündung, Nasenpolypen oder eine Verkrümmung der Nasenscheidewand kann zu den Beschwerden führen als auch Stoffwechselstörungen oder Störungen der Nerven in der Nasenschleimhaut sowie hormonelle Veränderungen in der Schwangerschaft und die Einnahme von Hormonpräparaten. 

Erkrankung, Polypen oder Allergie – der Spezialist findet die Ursache

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Werden wichtige Behandlungsschritte versäumt, sind die Folgen vielfältig und reichen von Kopfschmerzen über Schlafprobleme bis hin zu Atmungs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Mediziner wie Marco-Domenico Caversaccio raten deshalb, zum Hausarzt zu gehen, wenn ein akuter Schnupfen nach 10 bis 14 Tagen nicht abgeheilt ist. Je nach weiteren Beschwerden überweist der Hausarzt den Patienten zum Hals-Nasen-Ohren-Arzt.

Dieser wird seinen Patienten zunächst gezielt befragen, um der Ursache für den chronischen Schnupfen auf den Grund zu gehen, den Nasenrachenraum untersuchen und die Lunge abhören, um Krankheiten wie eine Entzündung der Rachenmandeln oder der Bronchien auszuschliessen. Haben die Beschwerden einen Nasenpolypen, Tumor oder eine schiefe Nasenscheidewand als Ursache, lässt sich das mit Hilfe des Nasenendoskops, einer starren oder flexiblen Röhre samt eingebauter Lichtquelle und Kamera, erkennen.

Salzwasser kann Wunder wirken

Steckt eine Allergie hinter der verstopften Nase, kann man den allergieauslösenden Stoff weglassen, vorsichtig desensibilisieren oder mit Hilfe von Medikamenten die allergische Reaktion des Körpers bremsen. Grundsätzlich raten Mediziner, die Nasenschleimhaut feucht zu halten, und das möglichst ohne Chemie: dafür nach Belieben eine Salzlösung – fertige Kochsalzlösung oder selbst gemacht mit einer Messerspitze (Meer-)Salz auf ein Glas Wasser – per Pipette, Zerstäuber oder mit einer Nasendusche durch die Nase spülen.

Abschwellende Medikamente nicht dauerhaft anwenden

Helfen andere Mittel nicht weiter, kann man es mit einem Antihistaminikum versuchen.

Warme, nicht zu heisse Dampfbäder mit Kamillenblüten wirken schleimlösend und entzündungshemmend. Tipp: Falls die Nasenatmung kaum mehr möglich ist, vor dem Dampfbad einen abschwellenden Nasenspray benützen, so kann der heilsame Dampf überall wirken. Für unterwegs und bei der Arbeit sind frei verkäufliche Sprays und Tropfen ebenso praktisch wie wirksam, da sie die Schleimhäute abschwellen, den Schleim abfliessen lassen und die Nasennebenhöhlen belüften. Das Atmen wird dadurch erheblich erleichtert.

Geschieht das nicht, sammelt sich der Schleim in den Nebenhöhlen. Darin können sich Bakterien vermehren und zu einer Entzündung der Nasennebenhöhlen führen. Aber Achtung: Die abschwellenden Medikamente sollten nicht zu lange angewendet werden, da ihre Wirkstoffe auf Dauer die Nasenschleimhaut austrocknen. Als Gegenreaktion schwillt die Schleimhaut wieder an, und von Mal zu Mal muss schneller zum Spray gegriffen werden.

«Helfen salz- und cortisonhaltige Mittel nicht weiter, kann man es auch mit einem Antihistaminikum versuchen», rät Marco-Domenico Caversaccio. Ein Antibiotikum wiederum wird eingesetzt, wenn den Beschwerden eine bakterielle Infektion zugrunde liegt. In einigen Fällen kann nur eine Operation die Nase wieder frei machen: wenn eine schiefe Nasenscheidewand oder chronische Polypen das Ein- und Ausatmen behindern.

Publiziert am 29.05.2017,

von Eveline Hartmann


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