Duschen will gelernt sein

Häufiges Duschen und viel Seife schwächen den Schutzmantel der Haut. Auf Hygiene verzichten müssen wir trotzdem nicht, wenn wir die Spielregeln der Haut beachten.

Unsere Haut befindet sich noch in der Steinzeit. Damals gab es keine rasierten Beine, keine Crèmes, keine Pflege. Und das Wort «duschen» kannten die Feuersteins auch nicht. Ganz im Gegensatz zu heute, wo tägliches Duschen nicht nur für Sportler gang und gäbe ist.

«Wer zu viel seift, stinkt»

Was macht der Dauerregen aus der Brause mit der Haut? «Wer zu viel seift, stinkt!», schreibt die Dermatologin Yael Adler in ihrem Bestseller «Hautnah». Klingt paradox, ist es aber nicht. Denn die dünne Hornzellenschicht der Epidermis, die oberste Schicht der Haut, ist die Schutzbarriere gegen aussen. Sie wehrt Allergene, Chemikalien, Gifte, Erreger und Bakterien ab. Falsches Duschen schädigt diesen Schutzmantel und führt dazu, dass sich Bakterien breit machen, die uns stinken lassen. Wie kommt das? (Lesen Sie unten weiter.)

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Die Haut ist immer sauer

Der pH-Wert der Haut liegt bei rund 5,5, ist also leicht sauer. Die Säure stammt von Stoffwechselendprodukten, Abfällen der Hornzellen, Talg und Schweiss, die auf der Hornhaut liegen. Ein pH-Wert von 7 gilt als neutral; alles darüber ist alkalisch. Der saure Schutzmantel wehrt auch einen Grossteil der Bakterien ab, die den Schweiss zersetzen und uns stinken lassen. Duscht man mit alkalischer Seife, wird der Schutzmantel geschwächt oder gar zerstört, weil der Säuregehalt aus dem Gleichgewicht gerät. Deshalb lässt uns zu viel Seife stinken.

Wasser ist pH-neutral und schadet nicht

Tipps fürs Duschen
  • pH-neutrale oder leicht saure Waschsubstanzen verwenden
  • solche Duschgels nur für Problemzonen wie Füsse, Achseln und Poregion verwenden
  • klassische Seifen vermeiden, da diese stark alkalisch sind
  • lieber duschen als baden
  • möglichst kühl duschen

Da sich unsere Sitten seit der Steinzeit verfeinert haben, und eine markante Wolke körpereigener Duftstoffe heute einzig den Weg zum Aussenseiter markiert, schlägt Yael Adler einen pragmatischen Umgang mit dem Duschen vor: Gegen tägliches Duschen ist nichts einzuwenden, aber bitte hauptsächlich nur Wasser verwenden. Wasser beeinträchtigt die Haut weniger als Seife, weil es einen neutralen pH-Wert hat. Auch Duschgels lässt die Dermatologin gelten, solange sie folgende Bedingungen erfüllen: Sie sollten nicht duften oder schäumen und auch nicht farbig sein. Ausserdem sollten sie nicht alkalisch sein, sondern leicht sauer oder pH-neutral.

Seife – nein danke

Klassische Seifen sind stark alkalisch und ändern den leicht sauren pH-Wert der Haut. Bis diese den Urzustand wieder erreicht hat, dauert es zwischen zwei und sechs Stunden. In dieser Zeit fehlen die Türsteher gegen fremde Bakterien, die Haut ist verwundbar, juckt und trocknet aus. Die Dermatologin rät daher, Waschsubstanzen zu verwenden, die leicht sauer sind oder zumindest einen neutralen pH-Wert haben.

Nicht den ganzen Körper einseifen

Beim Duschen muss auch nicht immer der ganze Körper eingeseift werden, sondern es reicht, die Problemzonen Füsse, Achseln und die Poregion gut zu waschen und dabei eher kühles Wasser zu verwenden. Ein langes, heisses Schaumbad mag zwar herrlich entspannend wirken, wäscht aber die schützende Säurebarriere auf unserer Haut gründlich aus.

von Silvia Schütz

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