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Gesünder leben?

Wenn Schwitzen zur Qual wird

Manche Menschen schwitzen mehr als normal und leiden darunter. Den meisten kann aber gut geholfen werden.

Schwitzen ist im Sommer normal. Der Körper reguliert auf diese Weise die Temperatur und scheidet über den Schweiss Schadstoffe aus. Doch etwa jeder Hundertste schwitzt übermässig stark an Händen, Füssen oder unter den Achseln. Auch dann, wenn es nicht besonders heiss ist. Nur Abkühlen hilft in diesem Fall nichts, denn die Betroffenen leiden unter Hyperhidrose. Das Schwitzen ist bei ihnen eine Reaktion auf emotionalen Stress oder eine Fehlfunktion der Schweissdrüsen. Betroffene haben im Extremfall ständig feuchte Hände und Füsse oder müssen gar ihre durchnässte Kleidung mehrmals täglich wechseln.

Den meisten Betroffenen kann aber gut geholfen werden, wenn sie sich in ärztliche Hände begeben. Der Arzt klärt ab, ob nicht Medikamente, Hormonstörungen oder andere Erkrankungen für das Schwitzen verantwortlich sind. Oft bleibt die Suche aber erfolglos, dann kann nur noch versucht werden, das Schwitzen selbst in den Griff zu bekommen. «Wir gehen dabei nach einem Stufenschema vor und fangen mit den einfachen Massnahmen an, bis wir einen Erfolg beim Patienten feststellen», sagt Severin Läuchli, der am Unispital Zürich die Hyperhidrose-Sprechstunde leitet.

Spezialdeos helfen den meisten

Bei nur leichten Schwitzbeschwerden kann man es zunächst mit Hausmittelchen wie Salbeitropfen versuchen. Sie sollen die Neigung zum Schwitzen mindern. «Der Effekt ist leider nur sehr gering, zuverlässige Studien gibt es nicht», sagt Läuchli. Ausprobieren schade jedoch nicht, da die Kosten gering sind und es keine Nebenwirkungen gibt. Auch der Verzicht auf eiskalte Getränke, Kaffee, Alkohol, Nikotin und scharfes Essen reduziert die Schweissproduktion.

Helfen Hausmittelchen nicht, dann kann auf spezielle Deodorants aus der Drogerie zurückgegriffen werden, sie verschliessen die Schweissporen. Besonders wirksam sind Produkte, die 15 bis 20 Prozent Aluminiumchlorid enthalten und auf Rezept in der Apotheke angemischt und von der Grundversicherung bezahlt werden. «Etwa die Hälfte unserer Patienten mit vermehrtem Schwitzen profitieren allein schon von der konsequenten Anwendung von diesen aluminiumhaltigen Produkten», berichtet Läuchli aus seiner Praxis. Sie eignen sich für die Hände, Füsse und Achseln. Für einen anhaltenden Effekt trägt man sie zur Nacht auf, wenn die Schweissdrüsen ruhig sind. Bei zu häufiger Anwendung kann es jedoch zu Hautreizungen kommen. (lesen Sie unten weiter...)

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Botox hilft gut bei schwierigeren Fällen

Gegen übermässig schwitzende Hände und Füsse sollen laut einiger Studien auch Gleichstrombäder helfen. Dabei werden mehrmals die Woche Hände und Füsse in Wasser getaucht, durch das ein schwacher Strom fliesst. Das soll die Nervenfasern blockieren, die die Schweissabsonderung anregen. Mit einem entsprechenden Gerät, das von der Grundversicherung bezuschusst wird, lässt sich das auch zu Hause durchführen. Abgesehen von leichtem Kribbeln gibt es keine Nebenwirkungen.

Bringen die sanften Methoden nicht den gewünschten Erfolg und der Betroffene schwitzt vor allem unter den Achseln, «dann helfen Botox-Injektionen in der Regel am besten», sagt Läuchli. Das Nervengift wird seit über 15 Jahren in der Therapie der Hyperhidrose eingesetzt und gilt wissenschaftlich als gut untersucht. Es blockiert vorübergehend die Signalübertragung der Nervenzellen, die zu den Schweissdrüsen führen. Nebenwirkungen sind bei richtiger Anwendung nicht beobachtet worden. Nachteil: die Wirkung hält maximal 6 bis 9 Monate an, danach muss nachgespritzt werden. Die Grundversicherung bezahlt die Therapie nicht, gelegentlich jedoch die Zusatzversicherung.

Nervendurchtrennung als letzter Weg

«Daneben gibt es einige neuartige Therapieverfahren wie beispielsweise mit Mikrowellen, die vielversprechend sind, aber zu denen erst wenig Daten zur Wirksamkeit vorliegen, um diese wirklich abschliessend empfehlen zu können», so Läuchli.

Von der Einnahme bestimmter Medikamente, die jene Nerven blockieren sollen, die für die Schweissproduktion zuständig sind, rät Läuchli eher ab. «Deren Nebenwirkungen sind meist unangenehmer als die positiven Effekte.» Auch chirurgische Verfahren, bei denen als Ultima Ratio die Schweissdrüsen in den Achseln entfernt oder die für die Schweissproduktion zuständigen Nervenstränge durchtrennt werden, «wenden wir aufgrund der Gefahr von Nebenwirkungen eher selten an».

von Andreas Grote,

publiziert am 20.10.2017

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