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Zähneknirschen – Symptome und Behandlung

Manche verarbeiten Stress und Erlebnisse nachts im Schlaf, indem sie mit den Zähnen knirschen. Selbstbeobachtung, Muskelentspannung und eine Beissschiene helfen gegen das Zähneknirschen. Ein Experte erklärt, wie es geht.

Beiss die Zähne zusammen, heisst ein altes Sprichwort für stressige Situationen. Die meisten von uns tun das auch: Tagsüber pressen wir bei Stress den Ober- und Unterkiefer aufeinander, nachts verarbeiten wir Stress und Erlebtes durch Knirschen und Mahlen mit den Zähnen. «Beim Zähneknirschen handelt es sich um unbewusst gelernte Vorgänge, die bei hohem emotionalem Stress fast automatisch ablaufen», erklärt Jens Christoph Türp, Spezialist für Funktionsdiagnostik an den Universitätszahnkliniken in Basel. Auch wenn man es wollte, völlig abstellen wird man das Knirschen oder Pressen nicht können. «Ein bisschen presst und knirscht fast jeder.» Laut Studien knirschen aber Senioren weitaus seltener als Menschen im Schul- und Berufsalter. Bei insgesamt etwa 20 Prozent der Bevölkerung ist das Knirschen stärker ausgeprägt und es kann auf lange Sicht zu Schäden am Kauapparat führen.

Symptome: Verspannungen im Nacken und Kiefer

Bei ihnen kommt es zu den typischen Symptomen der im Fachjargon als Bruxismus bezeichneten Knirsch-Angewohnheit: Häufig sind Verspannungen im Nacken und Kiefer, bisweilen sogar Schmerzen der Kaumuskulatur am Morgen. Selten kommen unspezifische Zahnschmerzen hinzu. Der Zahnarzt stellt oftmals bei der Routineuntersuchung fest, dass er einen Knirscher vor sich hat. «Im Bereich der Frontzähne, vor allem aber bei den Eckzähnen, zeigen sich dann deutliche Schliffflächen», erklärt Jens Türp.

Der wichtige Schutz des Zahns, der Zahnschmelz, ist dann bereits verloren gegangen. Im Extremfall brechen Teile von Zähnen durch den Druck einfach ab. Kein Wunder, lasten doch beim Knirschen bis zu 50 Kilogramm Gewicht auf einem einzelnen Zahn. Hinzu kommen vergrösserte, steinharte Kaumuskeln, die beim gezielten Betasten schmerzen.

Drei Mittel helfen gegen das Zähneknirschen

«Die typische Bruxismustherapie kann man unter dem Kürzel SMS zusammenfassen», sagt Jens Christoph Türp, Spezialist für Funktionsdiagnostik an den Universitätszahnkliniken in Basel. SMS bedeutet: Selbstbeobachtung, Muskelentspannung und eine Schiene gegen das Knirschen.

(Fortsetzung weiter unten…)

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Mit farbigen Klebern Selbstbeobachtung unterstützen

Die Selbstbeobachtung kann tagsüber mit Hilfe kleiner farbiger Kleber erfolgen, die man an Stellen anbringt, auf die man während des Tagesablaufs ab und zu eher zufällig schaut. Also beispielsweise auf ein Telefon, einen Schrank, eine Spiegel oder eine Kiste «Beim zufälligen Blick auf eine solche Farbmarkierung soll man sich dann die Frage stellen: Haben meine Zähne jetzt im Moment Kontakt?» Wenn dies der Fall ist, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es nicht bei blossen Zahnkontakten bleibt, sondern dass zugleich auch gepresst oder gar geknirscht wird.

Muskeln entspannen mit Yoga und Co.

Für die Muskelentspannung gibt es verschiedene Möglichkeiten: Entspannungsübungen, Biofeedback oder Yoga. Dabei komme es auf die regelmässige, tägliche Ausübung an. Zähneknirschen wird hauptsächlich durch Stress ausgelöst. Deshalb gilt es darauf zu achten, dass Verhaltensweisen, die Stress fördern können, geändert werden. Weniger Alkohol, Rauchen und Koffein können helfen, Stress abzubauen. Mit regelmässig durchgeführten Entspannungsübungen kann es gelingen, die Häufigkeit und Stärke des Knirschens und Pressens zu verringern.

Symptome lindern mit einer Beisschiene

Beissschiene via Zahnarzt oder online?

Knirscherschienen aus der Drogerie oder dem Onlinehandel, die der Nutzer vor dem ersten Einsetzen im heissen Wasser selbst zurechtformen muss, gibt es für rund 90 Franken. Die Massanfertigung beim Zahnarzt kostet gut dreimal so viel. «Bei einer vom Zahnarzt fachmännisch angefertigten Schiene hat man allerdings die Gewähr, dass sie korrekt passt», sagt Jens Christoph Türp. Er empfiehlt eine Schiene, die in der Regel die obere komplette Zahnreihe erfasst und während des Schlafs getragen wird. «Korrekt hergestellt hält solch eine Schiene mindestens 10 Jahre.» Die Ursache beseitigt die Knirscherschiene indes nicht.

Der Nutzen von Knirscherschienen ist wissenschaftlich gut belegt. Studien in Schlaflabors zeigen eine Reduktion der nächtlichen Muskelaktivität um 50 Prozent. Die Schienen führen zu einer gleichmässigen Verteilung der hohen Kräfte, die beim Knirschen und Pressen auf die Zähne und Kieferknochen weitergeleitet werden. Und sie schützen beim Zähneknirschen die Zähne vor Abrieb. Auch Zahnersatz leidet unter dem hohen Kieferdruck, so dass Verblendungen abplatzen oder Keramik brechen kann.

von Andreas Grote,

veröffentlicht am 13.07.2017, angepasst am 03.06.2021


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