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Gesünder leben?

Wenn die Beine keine Ruhe geben

Wer am Restless-Legs-Syndrom (RLS) leidet, kommt kaum zur Ruhe. Schlafmangel und Erschöpfung sind die Folge. Was Linderung bringt.

Sie wandern nachts durch die Wohnung, steigen Treppen auf und ab, stürzen sich auf Hausarbeiten – immer getrieben vom unangenehmen Bewegungsdrang ihrer Beine. Und selbst wenn die Patienten doch irgendwann Schlaf finden, zappeln und zucken die Beine bei vier von fünf von ihnen weiter.

RLS ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen. In den westlichen Industrienationen sind bis zu zehn Prozent der Bevölkerung betroffen, Frauen doppelt so oft wie Männer. Die Zahl der Patienten nimmt mit dem Alter ebenso zu wie die Häufigkeit der Unruhephasen. Auch in der Schwangerschaft tritt das Leiden vermehrt auf. Die Ursachen dafür sind bis heute unklar.

Bewegung bringt Linderung

Typischerweise kommt das Ziehen, Kribbeln und Stechen gegen Abend und plagt die Betroffenen nachts – ausgerechnet dann, wenn sie eigentlich zur Ruhe kommen möchten. Bei fortgeschrittener Erkrankung kann das quälende, mitunter schmerzhafte Unruhegefühl auch tagsüber in Ruhephasen auftreten. Zum Beispiel, wenn die Betroffenen es sich mit einem Buch auf dem Sofa bequem machen wollen. Aber auch, wenn sie etwa wegen einer längeren Behandlung auf dem Zahnarztstuhl sitzen müssen. Ebenfalls typisch: Das unangenehme Gefühl lässt erst nach, wenn die Patienten sich bewegen.

Linderung bringen – zumindest anfangs – eine kühle Schlafumgebung sowie kalte Kompressen oder Wickel. Seltener bevorzugen Betroffene Wärme, zum Beispiel in Form von Bädern oder Wärmflaschen.

Massagen, Wickel und Qigong bringen Linderung

Ausserdem hilft es, Sport und körperliche Aktivitäten wie Gartenarbeit auf den Vormittag zu beschränken. Auch Kaffee und Alkohol sollten zu vorgerückter Stunde lieber gemieden werden – generell tabu ist beides aber nicht.

Viele empfinden kräftige Beinmassagen als Erleichterung, manchen helfen abendliche Dehnübungen für die Beine. Besserung verspricht auch Qigong. Beweise in Form von wissenschaftlichen Studien gibt es dafür aber nicht.

Wenn der Schlafmangel und damit der Leidensdruck zu gross wird, kommen Medikamente zum Einsatz. Das ist häufig in einem Alter zwischen 50 und 60 Jahren der Fall. Allerdings führen die Mittel bei manchen zu Übelkeit oder Schwindel. Zudem können sich die Symptome während der Behandlung verschlechtern.

Frühzeitig auf Ursachenforschung gehen

Hoffnung aus der Kälte

Ein neuer Behandlungsansatz wird derzeit noch getestet: Kälte. Ein Forschungsteam aus Bremen setzte Patienten in einer Kältekammer kurzzeitig Temperaturen von minus 60 Grad aus. Bei Betroffenen, die sich zwei Wochen lang täglich für drei Minuten in die Kälte begaben, beruhigten sich die Beine nachhaltig.

Experten empfehlen, frühzeitig die Ursachen der Beschwerden durch einen Neurologen abklären zu lassen. Der Facharzt kann eine genaue Diagnose stellen und über eine geeignete Behandlung entscheiden. Analysen im Schlaflabor helfen ebenfalls, die Erkrankung besser einzuschätzen. So lässt sich beispielsweise herausfinden, wie stark die Schlafqualität und damit die Leistungsfähigkeit beeinträchtigt sind.

Zur korrekten Diagnose gehört es, die Eisenwerte zu bestimmen, insbesondere das Ferritin, den Messwert für den Eisenspeicher. Ist dieser leer, kann das RLS hervorrufen. In diesem Fall bringen Eisenpräparate oder – falls der Arzt dies für nötig hält – Eisen in Form von Infusionen die Beine wieder zur Ruhe. Auch kann ein Mangel an bestimmten Vitaminen, eine Nierenschwäche oder eine andere Erkrankung vorliegen. Oder der Betroffene nimmt Arzneimittel ein, welche die Symptome verstärken.

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von Dr. Stefanie Reinberger,

publiziert am 15.05.2019

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