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Gesünder leben?

Warum die Angst beim Fliegen oft mitreist

Schweissattacken, Unruhe, Herzflattern, ja manchmal sogar ein Kreislaufkollaps: Das Fliegen löst bei vielen Leuten körperliche Beschwerden aus. Aber es gibt Rezepte dagegen.

Kein Verkehrsmittel ist so sicher wie das Flugzeug. Doch auch mit den überzeugendsten Statistiken sind Menschen, für die das Fliegen jedes Mal eine Qual bedeutet, nicht zu beruhigen. Je nach Erhebung leiden rund zehn bis 20 Prozent der Passagiere unter dem Phänomen Flugangst. Aber warum wird diese Angst gerade beim Fliegen zum Problem und nicht zum Beispiel beim Autofahren, das nachweislich viel mehr Opfer fordert? Oder bei anderen Verkehrsmitteln wie Zügen oder Bussen?

Wussten Sie schon, dass ...
  • ein Flugzeug selbst beim Ausfallen aller Triebwerke noch 200 km gleitet?
  • die Wahrscheinlichkeit, bei einem Flugzeugunglück ums Leben zu kommen, in den 70er Jahren im Durchschnitt etwa 27-mal so hoch war wie heute?
  • die Wahrscheinlichkeit, als Passagier in eine Flugzeugkatastrophe verwickelt zu werden, inzwischen bei weniger als einem Hunderttausendstel-Prozent liegt?
  • es noch nie vorgekommen ist, dass ein modernes Verkehrsflugzeug aufgrund von Turbulenzen abstürzte?

Was hinter der Flugangst steckt

Psychologen weisen darauf hin, dass Flugangst (Aviophobie) etwas Spezielles ist, oft eine Überlagerung von mehreren unterschiedlichen Ängsten. Demnach haben einige Leute z. B. Mühe mit der Höhe, auch Akrophobie genannt. Tiefenpsychologisch ist mit Höhenangst die Angst vor dem «Sich-Fallenlassen» gemeint.

In der Regel tritt diese Angst im Freien auf, nicht aber, wenn jemand hinter einer Glasscheibe sitzt. Wer unter Höhenangst leidet, muss also nicht auch vor dem Fliegen hinter den sicheren Scheiben eines Flugzeugs Angst haben. Aber es kommt vor.

Wenn es eng wird

Mitschwingen kann beim Fliegen auch die Klaustrophobie, die Platzangst. Schon beim Gedanken an die engen Gänge und schmalen Sitze im Flugzeug kommen ungute Gefühle auf. Solche Ängste machen auch Leuten in geschlossenen Räumen, im Lift oder in überfüllten Kaufhäusern manchmal zu schaffen.

Enger Begleiter der Klaustrophobie ist die Soziophobie, konkret die Scham, der Fremde nebenan könne die Flugangst bemerken. Und zu guter Letzt ist in diesem Zusammenhang noch die Xenophobie zu nennen: Man wird im Flugzeug mit fremden Menschen konfrontiert, denen man während einer gewissen Zeit nicht ausweichen kann. (lesen Sie unten weiter...)

Tipps für entspannteres Reisen

Tipps gegen die Flugangst

Wer unter Flugangst leidet, sollte ein paar Regeln beherzigen.

  • Treten Sie einen Flug nie unvorbereitet an. Treffen Sie Vorkehrungen, um sich möglichst zu entspannen und unnötigen Stress zu vermeiden. Dazu gehören rechtzeitiges Eintreffen am Flughafen, bequeme Kleidung sowie etwa Lieblingsmusik im Handgepäck.
  • Mit der richtigen Sitzwahl lässt sich das Problem entschärfen. Gewisse Plätze bieten mehr Beinfreiheit und geben einem zumindest das Gefühl, nicht so eingeengt zu sein. Auf den Sitzplätzen über den Tragflächen spürt man die Bewegungen des Flugzeugs weniger.
  • Schokoriegel, Chips oder andere nicht zu fettige Snacks halten den Blutzuckerspiegel hoch und sorgen für Glückshormone.
  • Eine allgemein empfohlene Entspannungsübung auf Flügen ist die Folgende: Drücken Sie für ein paar Sekunden die Hände im Schoss fest zusammen und pressen Sie die Füsse gegen den Boden. Lösen Sie so nach fünf bis zehn Sekunden plötzlich die Anspannung, atmen Sie ruhig und lenken Sie die Gedanken auf das Reiseziel.
  • Als gute Mittel gegen Flugangst werden pflanzliche Beruhigungsmittel wie Baldriantropfen oder Johanniskraut empfohlen. Um ihre volle Wirkung zu entfalten, sollten sie bereits einige Stunden vor dem Flug eingenommen werden.
  • Bei starken Angstsymptomen empfiehlt sich vorgängig ein Besuch beim Hausarzt. Nehmen Sie nicht einfach vorhandene Psychopharmaka von zu Hause ein. Die Wirkung der Medikamente ist aufgrund der Höhe und der Druckunterschiede eine ganz andere als am Boden.

Gefühl von Ausgeliefertsein

Auch das sogenannte Entmündigungssyndrom löst bei gewissen Menschen Panik aus, vor allem bei solchen, die selber eher Befehle austeilen als ausführen müssen. Sie fühlen sich dem Piloten hilflos ausgeliefert, misstrauen ihm.

Vorzeitig Stress auslösen kann ferner das Bewusstsein, bei einem Notfall auf 10 000 m nicht sofort auf medizinische Hilfe zählen zu können. Und schliesslich sind unter den von Flugängsten Betroffenen auch immer wieder Leute zu finden, die die Zuverlässigkeit der komplexen Technik in einem Flugzeug in Frage stellen.

Typische Verhaltensmuster

Aber egal, welche Form von Flugangst jemanden quält: Zwei typische Verhaltensmuster von Betroffenen stehen im Vordergrund: Da gibt es einerseits den «Mumie»-Typ. Er sitzt möglichst reglos sowie aufrecht da und versucht den Anschein zu erwecken, ganz ruhig und besonnen zu sein. Der andere, nervöse Typ verwickelt die Flight Attendants immer wieder in Gespräche und macht das Thema Flugangst gerne zum Gespräch. Gleichzeitig zappelt er in seinem Sitz herum.

Training gegen die Panik

Die Fluggesellschaften haben durchaus Kenntnis von den Sorgen und Nöten eines Teils ihrer Passagiere. Zahlreiche Gesellschaften, auch die Swiss, bieten deshalb Interessierten Informationskurse an, um die Flugangst abzubauen.

Bei allen «Angsttypen» soll das dreiphasige Panikmanagement-Training eine hohe Erfolgsquote haben. Als erstes wird dem Patienten geraten, seine Flugangst zuzulassen und sie nicht zu verdrängen. Zweitens soll das Problem weder beschönigt noch dramatisiert werden. Und drittens schliesslich lernen Betroffene, die Entwicklung ihrer Angst genau zu verfolgen und damit umzugehen. Psychologen weisen darauf hin: Flugangst ist nicht angeboren, sondern angelernt und kann deshalb auch wieder verlernt werden.

von Markus Sutter,

publiziert am 14.06.2018


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