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Gesünder leben?

Das hilft bei Reisedurchfall

Nicht immer ist eine Infektion schuld am häufigen «Download». Mit einfachen Mitteln genesen die allermeisten Reisenden rasch wieder.

Bis zu 50 Prozent der Reisenden in ferne Länder ereilt «Montezumas Rache». Schuld daran sind nicht immer Viren, Bakterien, Parasiten oder Giftstoffe. Andere Länder, andere Speisen und Gewürze – und schon verändert sich die Darmflora. Diese Umstellung kann Durchfall hervorrufen.

Flüssigkeit ersetzen

Glücklicherweise verschwindet Reisedurchfall aber bei etwa neun von zehn Betroffenen innert einer Woche. Am wichtigsten ist der Flüssigkeitsersatz, zum Beispiel mit Bouillon, fertiger oder selbst hergestellter Elektrolytlösung.

Das Rezept:

  • 1/3 abgekochtes Wasser
  • 1/3 schwarzer Tee
  • 1/3 Orangensaft
  • pro Liter davon 1 bis 2 EL Zucker zugeben und
  • 1 Messerspitze Salz

Vorsicht bei Säuglingen, Kleinkindern, Senioren oder chronisch kranken Menschen: Sie können durch den Flüssigkeitsverlust rasch lebensgefährlich erkranken!

So erholt sich der Darm

Mit Schonkost erholt sich der Darm am besten. Salzstangen, Zwieback, gekochter Reis, geriebene Äpfel, Aprikosen, zerdrückte Banane, Karottensuppe – erlaubt ist alles, was die Verdauung nicht belastet. Nach und nach weitere Nahrungsmittel hinzufügen wie Kartoffeln oder gedünstetes Poulet.

Alarmsignale richtig deuten

Einen Arzt sollte man konsultieren bei Fieber, blutigem oder schleimigem Durchfall, starkem Krankheitsgefühl, starken Bauchschmerzen oder einer Dauer von über einer Woche. Durchfall – auch nach der Ferienrückkehr – kann auch ein Symptom für eine Malaria-Infektion oder andere Erkrankungen sein.

Welche Medikamente?

Antibiotika sind beim «normalen» Reisedurchfall meist unnötig und können sogar schaden. Eine gute Hilfe dagegen ist oft Loperamid. Dieser Wirkstoff hemmt die Darmbewegung. Der Nachteil: Giftstoffe oder Erreger, die der Darm mit dem Durchfall rasch los wird, verbleiben so länger im Körper. Bessert der Durchfall trotz zwei- bis dreitägiger Behandlung mit Loperamid nicht, sollte man zum Arzt gehen.

Medizinische Kohle oder pektinhaltige Wirkstoffe können Giftstoffe binden. Aber sie behindern auch die Aufnahme von anderen Medikamenten, deshalb zwei bis drei Stunden Abstand halten. Kleine Kinder sollten beides ebenfalls nur auf ärztliche Verordnung hin erhalten.

Gegen Brechanfälle können bei Kindern zehn Milligramm Ingwertropfen helfen. Erwachsene mit Gallensteinen sollten damit vorsichtig sein.

Medikamente wie Motilium oder Paspertin gegen Übelkeit und Erbrechen können als Nebenwirkung den Durchfall verstärken.

Wer mit der Anti-Baby-Pille verhütet oder auf Medikamente angewiesen ist, muss aufpassen: Durchfall kann dazu führen, dass Medikamente geradewegs «durchmarschieren» und nicht aufgenommen werde. (Lesen Sie unten weiter...)

Tipps für die Reisevorbereitung

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So beugen Sie vor

Egal, ob Sie als Rucksacktourist unterwegs sind oder im luxuriösen Hotel logieren:

  • Leitungswasser weder zum Zähne putzen benützen, noch in Form von Eiswürfeln oder zum Waschen von Nahrungsmitteln verwenden, die roh verzehrt werden sollen. Selbst chloriertes Wasser kann noch Erreger enthalten.
  • Trinkwasser drei Minuten lang abkochen oder mit chemischem Entkeimungsmittel behandeln. In trübem Wasser wirkt das Mittel nicht sicher, dann sind Filterpumpen nützlich.
  • Getränke nur aus verschlossenen Originalflaschen konsumieren. Wichtig: Die Flasche öffnen nur Sie, nicht der Kellner!
  • Nahrungsmittel vor dem Verzehr schälen, kochen oder braten. Verzichten Sie insbesondere auf Fleisch, Fisch oder Eier in rohem oder halbgarem Zustand.
  • Ein hohes Risiko bergen Speisen von Strassenverkäufern, ungenügend Gekochtes oder Gebratenes, Mayonnaise, unpasteurisierte Milch, Rahmdesserts und Glace.
  • Keine Speisen essen, die länger an der Wärme gestanden haben, zum Beispiel Dip-Saucen oder Salate jeder Art.
  • Auf gute Händehygiene achten. Keine benützten Handtücher zum Abtrocknen verwenden.

von Dr. med. Martin Denz,

publiziert am 03.07.2019


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