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Gesünder leben?

Auch Tiere haben Allergien

Seit den 1990er-Jahren ist nicht nur die Zahl der Allergiefälle bei Menschen plötzlich stark gestiegen – dasselbe gilt auch für Heimtiere.

Etwa jeder vierte Hund hat heute eine Allergie, etwa jede zehnte Katze ist betroffen. Einer der wahrscheinlichen Gründe: Unsere Tiere leben zu sauber. Anstatt sich auf Krankheitserreger, Darmwürmer oder Mikroben im Schmutz stürzen zu können, beginnt ihr Immunsystem harmlose Substanzen zu bekämpfen.

Hausmilben, Pollen und Bestandteile von Futter sind die häufigsten Stoffe, gegen die Hunde allergisch reagieren. Bei den Katzen steht Flohspeichel an erster Stelle.

Anzeichen: Juckreiz

Während Menschen mit einer Pollenallergie meist Heuschnupfen oder Asthma bekommen, reagiert beim Tier vor allem die Haut mit Juckreiz. Auch wenn sich beim Hund der Gehörgang rötet und anschwillt steckt oft eine Allergie dahinter.

Durch das ständige Kratzen, Scheuern und Lecken juckender Hautstellen kommt es oft zusätzlich zu Wundinfektionen, was die Behandlung erschwert.

Rasch reagieren

Deshalb raten Tierärzte, beim Verdacht auf eine Allergie rasch zu handeln. «Die Behandlung ist dann meist einfacher, man braucht weniger Medikamente und spart auch Kosten», sagt die auf Allergien und Hautkrankheiten spezialisierte Tierärztin Silvia Rüfenacht von der Tierklinik Aarau-West.

«Manche Katzen sieht man gar nicht kratzen oder lecken. Sie machen das sehr diskret», sagt Rüfenacht. Erst abgebrochene Haare oder wunde Stellen verraten bei diesen «closet lickers» das Problem. Reine Stubentiger haben übrigens häufiger Allergien als Freigänger – eine Beobachtung, die zur «Hygiene-Hypothese» passt.

Das können Tierhalter tun

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Flohbefall vermeiden. Dies gilt für alle Tiere im Haushalt, nicht nur für diejenigen, die allergisch sind. Flöhe sind eine Allergiequelle, überdies kann Flohbefall die Allergie verschlimmern.

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Impfungen möglichst zu einem Zeitpunkt vornehmen lassen, an dem die Allergiesymptome nur schwach oder gar nicht ausgeprägt sind.

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Tiere mit Allergie gegen Hausstaubmilben nicht ins Bett, auf Teppiche und in staubige Räume lassen, weil dort viele Milben sind. Tiere mit Schimmelpilzallergie von feuchten Räumen wie Badezimmer und Waschküche fernhalten.

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Bei Hunden mit Pollenallergie Spazierrouten so wählen, dass die Pollen möglichst gemieden werden und nach dem Spaziergang mit einem feuchtem Tuch abreiben.

Die Rolle von Erbfaktoren

Nebst den Umwelt- spielen auch Erbfaktoren eine ursächliche Rolle. Bei manchen Hunderassen wie den weissen West Highland Terriern oder den französischen Bulldoggen sind deutlich mehr Tiere von Allergien betroffen als bei Mischlingshunden. Bei den Katzen scheinen Siamkatzen anfälliger.

Bei der Abklärung müssen zuerst andere Ursachen ausgeschlossen werden. Ein Hauttest, bei dem der Tierarzt stark verdünnte Testsubstanzen in die Haut spritzt, kann helfen, die allergieauslösenden Stoffe zu finden, wie etwa bestimmte Pollen- oder Milbenarten.

Allergisch auf Futtermittel

Leiden die Tiere nebst Juckreiz auch an «heikler Verdauung», kann dies ein Hinweis auf eine Futterallergie sein. «Verglichen mit früher reagieren Hunde und Katzen heute auf immer mehr Futterbestandteile. Futter mit teils exotischen Fleischarten können bewirken, dass die Tiere auch dagegen allergisch werden. Für uns wird es so schwieriger, ein Futter zu finden, das der Patient noch verträgt», sagt Rüfenacht.

Zur Diagnose einer Futterallergie braucht es eine mindestens achtwöchige Diät, während der das Tier ausschliesslich Futter bekommt, das es zuvor nie gefressen hat – keine Snacks, keine Leckerli. «Diese Diät ist für alle Beteiligten hart», sagt Rüfenacht. «Aber bei anderen diagnostischen Mitteln wie Bluttest, Haaranalyse oder alternativen Methoden haben wir zu viele falsche Resultate beobachtet.»

Medikamente oder Desensibilisierung

Und wie behandelt man eine Allergie beim Tier? Ähnlich wie beim Menschen: Am einfachsten, indem man die allergieauslösenden Substanzen meidet. Ist das nicht machbar, kommen Wirkstoffe zum Einsatz, die das Immunsystem bremsen, wie etwa Kortison.

Oder die Desensibilisierung, einem «Training» des Immunsystems, bei dem es lernt, die allergieauslösenden Stoffe zu tolerieren. Dabei erhält das Tier diese Substanzen stark verdünnt entweder ins Maul oder als Spritze unter die Haut. Je nach Vorgehen muss der Tierhalter diese Therapie jahrelang (einmal monatlich) verabreichen.


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