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Eine Kreuzallergie – wie kommt es dazu?

Allergiker, die wegen Baumpollen niesen müssen und rote Augen bekommen, können auch auf Äpfel oder Nüsse allergisch reagieren. Warum es zu diesen und anderen Kreuzreaktionen kommen kann, erfahren Sie hier.

Was ist eine Allergie?

Das Streicheln einer Katze oder ein Spaziergang im Freien können für Allergiker zum Problem werden. Ihr Abwehrsystem reagiert überempfindlich auf Substanzen wie Pollen, Tierhaare oder bestimmte Nahrungsmittel. Die Allergie kann sich auf unterschiedliche Art zeigen, zum Beispiel durch tränende und juckende Augen, Niesen oder Magen-Darm-Beschwerden wie Durchfall. Es gibt Pollen-, Tierhaar- und Nahrungsmittelallergien und es kann zu Kreuzallergien kommen.

Was ist eine Kreuzallergie?

Von einer Kreuzallergie – oder einer Kreuzreaktion – spricht man, wenn jemand zum Beispiel wegen Pollen niesen muss und tränende Augen bekommt und parallel dazu auf ein bestimmtes Lebensmittel wie etwa Nüsse oder Äpfel empfindlich reagiert.

So kommt es zur Kreuzreaktion

Die allergieauslösenden Substanzen mancher Pollen und Lebensmittel ähneln sich zum Teil so stark, dass es über die ursprüngliche Allergie hinaus zu einer Kreuzreaktion kommen kann. Dabei kann das Immunsystem die Oberflächenstrukturen («Epitope») der Allergene nicht mehr unterscheiden, wie Oliver Das, Allergologe sowie Facharzt für Dermatologie und Venerologie FMH, erklärt. Meist handelt es sich dabei um Eiweissbestandteile. Der Kontakt mit dem Allergen kann über unterschiedliche Schleimhäute (Augen, Nase, Mund oder Lunge) stattfinden.

Die häufigsten Kreuzreaktionen

Rund 70 Prozent der Baumpollenallergiker haben Kreuzreaktionen auf Nahrungsmittel. Birkenpollen sind besonders stark allergen. Sie sind laut dem Allergiezentrum Schweiz (aha) eine häufige Ursache für Kreuzreaktionen auf Nahrungsmittel wie Äpfel, Nüsse, rohes Kern- und Steinobst oder Erdbeeren (siehe Tabelle). Bei Gräserpollen kann es ebenfalls zu Kreuzreaktionen kommen, sie sind jedoch weniger häufig.

Die typischen Symptome einer Kreuzallergie

Bei den meisten Kreuzreaktionen kommt es zu einem so genannten oralen Allergiesyndrom: Es beginnt im Mund- und Rachenraum zu jucken, die Zunge fühlt sich pelzig an und es können Schwellungen der Mundschleimhaut oder der Lippen auftreten. Daneben kann es auch zu Bindehautentzündungen oder asthmatischen Beschwerden kommen. Neurodermitiker reagieren oft mit einer Verschlechterung ihres Hautzustands. Seltener kommt es zu Magen-Darm-Beschwerden, die sich als Unwohlsein äussern können. Das orale Allergiesyndrom ist zwar unangenehm, aber nicht gefährlich. Vorausgesetzt es bleibt dabei und es treten keine weiteren Beschwerden auf.

Dann wirds gefährlich

Gefährlich werden allergische Reaktionen, wenn sie nicht lokal bleiben und die Symptome sich andernorts im Körper zeigen. Das Immunsystem reagiert dann nicht mehr lokal, sondern systemisch, also im ganzen Körper. Eine lebensgefährliche Schockreaktion (anaphylaktischer Schock), kann die Folge sein. Neben Nahrungsmitteln können Insektengift- und Medikamentenallergien zu einer solchen Schockreaktion führen. Dabei handelt es sich um Allergien vom sogenannten Soforttyp. (Lesen Sie unten weiter...)

Erfahren Sie mehr über Allergien

Die wichtigsten Kreuzreaktionen

gemäss Allergiezentrum Schweiz (aha) und Dipl. med. Oliver Das

  • Birken-, Erlen-, Haselpollen
    Kern- und Steinobst (Äpfel, Birnen, Pflaumen, Aprikosen, Kirschen usw.), Haselnüsse, Walnüsse, Mandeln, Tomaten (roh), Karotten, Sellerie, Mango, Avocado, Fenchel, Kiwi, Litschi
  • Beifusspollen
    Sellerie, Karotten, Fenchel, Artischocken, Kamille, Senf, Dill, Petersilie, Koriander, Kümmel, Anis, Sonnenblumenkerne
  • Gräserpollen
    Erdnüsse, Lupinen, rohe Kartoffeln, Soja, Kiwi, Tomaten
  • Hausstaubmilben
    Crevetten, Hummer, Langusten, Krebse, Schnecken
  • Latex
    Avocado, Banane, Edelkastanien (Vermicelles, Marroni), Kiwi, Papaya, Feige, Paprika
  • Vogelfedern
    Hühnerei (Dotter)

Was ist eine Allergie vom Sorforttyp?

Bei dieser Art der Allergie reagiert der Körper innerhalb von Minuten. Zwar kann auch eine Pollenallergie sehr schnell Symptome verursachen. Solange diese jedoch nicht wandern, ist das kein Problem. Oliver Das erklärt dies am Beispiel eines Insektenstichs: Schwillt nur die Einstichstelle an, handelt es sich nicht um eine Allergie, die gefährlich ist, auch wenn die Stelle stark anschwillt. Kommt es jedoch zu einem Juckreiz am ganzen Körper oder sogar zu Atemnot, handelt es sich um eine systemische Reaktion, die lebensgefährlich werden kann.

Das geschieht bei einem anaphylaktischen Schock

Bei der anaphylaktischen Reaktion werden durch das Immunsystem verschiedene Übertragungsstoffe ausgeschüttet, Histamin ist einer davon. Dadurch kommt es zu zu einer Schwellung der Schleimhäute und die Gefässe werden erweitert. Die Schwellungen im Rachenbereich können zum Erstickungstod führen und die Gefässerweiterungen zum «Versacken» des Blutes: Die lebenswichtigen Organe werden nicht mehr genügend durchblutet und es droht Herzversagen.

Die häufigsten Nahrungsmittelallergien

Zwei bis sechs Prozent der Schweizerinnen und Schweizer leiden unter einer Nahrungsmittelallergie, Kinder etwas häufiger als Erwachsene. Die Auslöser sind bei Kindern und Erwachsenen oft nicht dieselben. Häufige Allergieauslöser bei Kindern in der Schweiz sind: Kuhmilch, Hühnereier und Weizenmehl, Erdnüsse und Nüsse. Seltener Soja oder Fisch. Die häufigsten Allergene bei Erwachsenen sind: Äpfel, Hasel- und Walnüsse, Kiwi, Sellerie und Karotten. Manchmal kommt es nur zu allergischen Reaktionen, wenn andere Faktoren mitspielen. So kann zum Beispiel eine körperliche Anstrengung zu einem lebensgefährlichen, anaphylaktischen Schock führen, wenn diese zwei Stunden vor oder vier bis sechs Stunden nach Einnahme des Allergens stattgefunden hat.

Das Rätsel ist noch nicht gelöst

Kurzinterview mit Oliver Das:

Warum kommt es bei manchen Menschen zu Kreuzreaktionen und bei anderen nicht?

Oliver Das: Das Immunsystem ist sehr komplex und wir wissen noch nicht bis in alle Einzelheiten, wie es reagiert. Es ist seine Aufgabe, unseren Körper vor Krankheiten zu schützen, die durch Bakterien oder Viren verursacht werden. Bei einer Allergie reagiert es auf eigentlich harmlose Eiweisse, als wären diese gefährlich. Als mögliche Ursachen kommen die genetische Veranlagung sowie Umweltfaktoren in Frage, zum Beispiel wie und wo jemand aufgewachsen ist. Deshalb kann man auch nicht voraussagen, ob jemand eine Kreuzreaktion entwickeln wird.

Warum können Allergien ganz plötzlich, zum Beispiel auch erst im Erwachsenenalter, auftreten?

Als dynamisches System reagiert das Immunsystem auf Infektionen, Erkrankungen und andere Einwirkungen der Umwelt, die ja in jedem Alter auftreten können. Warum es aber ausgerechnet zu einem bestimmten Zeitpunkt zu Kreuzreaktionen kommen kann, ist letztendlich noch nicht geklärt.

Warum können Allergien auch einfach wieder verschwinden?

Eben aufgrund dieser Dynamik kann es ebenfalls passieren, dass sich eine Allergie «verwächst». Am ehesten, wenn man über einen längeren Zeitraum den Kontakt mit dem betreffenden Allergen meiden konnte.

Zurück zu den Kreuzreaktionen: Macht es Sinn, präventiv auf ein Lebensmittel zu verzichten, z. B. keine Äpfel mehr zu essen, wenn man allergisch auf Birkenpollen reagiert?

Es ist schon so, dass ein Verzicht auf Äpfel das Risiko verringert, eine solche Allergie zu entwickeln. Allerdings ist es ja nicht sicher, ob es zu einer Kreuzreaktion kommen würde. Hier gibt es auch Unterschiede zwischen den Apfelsorten. Ältere Sorten erscheinen sicherer. Oft kann das Erhitzen des Allergens eine bessere Verträglichkeit gewährleisten. Und bestimmt ist es besonders während der betreffenden Pollensaison sinnvoll, das jeweilige Allergen zu meiden. In der Pollensaison ist das Immunsystem sehr aktiv und sensibilisiert und es ist ratsam, vorsichtiger zu sein.

Nochmals: Würden Sie nun zum Verzicht auf den Apfel raten oder eher nicht?

Als Arzt würde ich eher empfehlen, zu verzichten. Oder die Äpfel zu kochen. Durch das Erhitzen verändern sich die Eiweissstrukturen. Schliesslich aber muss jeder individuell entscheiden und für sich das Risiko abwägen.

von Susanne Schmid Lopardo,

publiziert am 14.03.2019


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