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Die wichtigsten Antworten zur Corona-Impfung

Erste Impfdosen für den Kampf gegen Corona stehen bereit. Wer zuerst an die Reihe kommt, was die Impfung bezweckt, und welche Nebenwirkungen es gibt, erfahren Sie hier.

Die nationale Impfkampagne gegen Corona hat begonnen. Wir klären die wichtigsten Fragen rund um die ersten Impfstoffe.

Wer wird zuerst geimpft?

Solange der Impfstoff noch sehr knapp ist, erhalten die über 75-Jährigen den Vorrang. Gleich danach folgen Erwachsene jeden Alters, die an Krankheiten mit höchstem Risiko für einen schweren Covid-Verlauf leiden – das sind Personen mit starkem Übergewicht, schwerem Asthma, Diabetes, mit einer starken Nierenschwäche oder mit Diabetes, der bereits Organe geschädigt hat. Wer unsicher ist, ob er zu dieser Risikogruppe gehören könnte, sollte seinen Hausarzt kontaktieren.

Wer kommt als Nächstes an die Reihe?

Die 65- bis 74-Jährigen, wobei bei Engpässen jene mit bestimmten Vorerkrankungen den Vorzug erhalten. Danach folgen andere Erwachsene mit chronischen Krankheiten, das Gesundheitspersonal und schliesslich Personen, die «besonders gefährdete Personen» betreuen. Dazu zählen auch pflegende Familienmitglieder. Gemäss dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) wird die breite Bevölkerung je nach Verfügbarkeit von Impfstoffen ab Mai/Juni geimpft werden können.

Spätestens bis im Herbst sollen möglichst alle über 16-Jährigen geimpft sein, mit Ausnahme schwangerer Frauen, weil der Impfstoff bei ihnen nicht getestet wurde. Insgesamt hat die Schweiz Impfdosen für 7,5 Millionen Menschen bei mehreren Herstellern bestellt.

Was sind die Ziele der Impfung?

Sie soll schwere Covid-Erkrankungen bei den Geimpften verhindern, dadurch das Gesundheitssystem entlasten und die psychischen, wirtschaftlichen und anderen negativen Folgen der Pandemie reduzieren.

Wo werde ich mich impfen lassen können?

Die Bewohner von Alters- und Pflegeheimen werden vermutlich in allen Kantonen von mobilen Impfequipen versorgt. Wer selbst mobil ist, kann das für seine Region zuständige Impfzentrum aufsuchen. Informationen findet man hier. Die Anmeldung erfolgt je nach Kanton über den Hausarzt oder direkt per Telefon oder E-Mail. Wer kein Internet hat, kann Angehörige oder Bekannte bitten. Gegenwärtig sind die Termine immer sehr rasch vergeben. Zu einem späteren Zeitpunkt werden vermutlich auch die Hausärzte impfen.

Wie läuft die Impfung ab?

Wie jede andere, aber das Vorgespräch ist umfassender als sonst üblich. Die zu impfende Person muss schriftlich oder mündlich einwilligen und sie muss unter anderem zu den Vor- und Nachteilen und zur Verträglichkeit der Impfung informiert werden. Die Spritze erfolgt in den Oberarmmuskel.

Ein schwacher Impfschutz setzt möglicherweise bereits 10 bis 14 Tage nach der ersten Spritze ein, doch damit die Impfung wirklich nützt, braucht es zwei Pikse im Abstand von drei oder vier Wochen (je nach Impfstoff). Der Impfschutz besteht bei den allermeisten Geimpften eine Woche nach der zweiten Spritze. Wie lange er andauert, ist noch unbekannt.

Werde ich den Impfstoff wählen können?

Nein. Jeder Impfstoff wird durch die Eidgenössische Kommission für Impffragen (EKIF) sowie durch das BAG für eine bestimmte Zielgruppe empfohlen. Die Schweizer Arzneimittelbehörde Swissmedic hat bis Mitte Januar zwei Impfstoffe gegen Corona zugelassen, einen des Herstellers Pfizer/Biontech und einen von Moderna. Auch wenn noch weitere Impfstoffe zugelassen werden, wird es  vorerst keine freie Wahl geben. Dies liegt auch an der mangelnden Verfügbarkeit. Wer bereits geimpft wurde, muss die zweite Spritze mit demselben Impfstoff bekommen wie die erste.

Gibt es genügend Impfstoff?

Aktuell gibt es europaweit Lieferengpässe bei den in der Schweiz zugelassenen Impfstoffen von Moderna und Pfizer/Biontech. Es besteht aber Hoffnung auf Besserung. Der Bund hat zusätzlich Verträge mit den Impfstoffherstellern Curevac und Novavax abgeschlossen. Sofern diese durch Swissmedic zugelassen werden, ist mit Lieferungen ab dem 2. Quartal in die Schweiz zu rechnen.  Im Sommer sollten die Impfstoffmengen also stark ansteigen.

Welcher Impfstoff bietet am meisten Schutz vor einer schweren Corona-Erkrankung?

Bisher überzeugen die neuartigen mRNA-Impfstoffe wie jene von Pfizer/Biontech und Moderna mit einer sehr hohen Wirksamkeit. Der Impfstoff von Moderna wird von Lonza in der Schweiz hergestellt.

Der Bund setzt in seiner Strategie aber auch auf weitere Impfstofftechnologien wie Vektorimpfstoffe (etwa derjenige von Astra Zeneca, der noch nicht zugelassen ist in der Schweiz) oder proteinbasierte Impfstoffe (wie derjenige von Novavax, der ebenfalls noch nicht zugelassen ist). 

Nützt der Impfstoff auch gegen die neuen Covid-Varianten?

Gemäss aktuellem Wissen wirkt die Covid-19-Impfung auch gegen die Variante aus Grossbritannien. Für die Varianten aus Südafrika und Brasilien weiss man es noch nicht genau. Sobald mehr Erkenntnisse vorliegen, werden diese aber veröffentlicht. Es gibt Impfstoffhersteller, die bereits an einem angepassten Vakzin gegen zukünftige Mutationen des Coronavirus forschen. 

Wie funktionieren die Impfstoffe?

Tipps

Die zugelassenen Impfstoffe von Pfizer/Biontech und von Moderna funktionieren nach der mRNA-Methode. Durch die Impfung soll sich das Immunsystem charakteristische Merkmale der neuen Coronaviren einprägen und sich dagegen wappnen. Ein solches Merkmal sind winzige Eiweissstoffe auf der Hülle der Viren. Sie ähneln kleinen Stacheln. Die mRNA-Impfstoffe enthalten den «Bauplan» für diese Stacheln. Beim Impfen wird er mit Hilfe winziger Nanopartikel in Zellen eingeschleust.

Daraufhin beginnen diese, gemäss Bauplan «Stachel-Eiweissstoffe» zu produzieren. Das Immunsystem erkennt diese Stoffe als fremd und bildet Abwehrstoffe und Abwehrzellen dagegen. Die mit der Impfung verabreichten «Baupläne» werden im Körper rasch zerstört und abgebaut. Die Immunabwehr gegen die «Stachel-Eiweissstoffe» dagegen bleibt erhalten. Sie tritt in Aktion, sobald Coronaviren in den Körper gelangen, die solche «Stacheln» tragen.

Andere Impfstoffe, zum Beispiel der von Oxford/AstraZeneca, lassen den Bauplan für die «Stacheln» von einem veränderten Schimpansen-Virus in die Zellen transportieren. Dieser Virus kann Menschen nichts anhaben. Der chinesische Impfstoff von Sinopharm benützt inaktivierte Sars-CoV-2-Viren als Impfstoff. Andere Vakzine enthalten Teile der Coronaviren.

(Fortsetzung weiter unten…)

Coronavirus: So schützen wir uns

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Mit welchen Risiken & Nebenwirkungen ist zu rechnen?

Die in der Schweiz eingesetzten Impfstoffe sind gemäss Swissmedic sicher und wirksam. Wie bei allen Medikamenten können Impfstoffe Nebenwirkungen verursachen. Sie sind meistens mild und von kurzer Dauer. In einer englischen Studie verspürten etwa drei Viertel der mit «Comirnaty»-Geimpften für ein bis zwei Tage Schmerzen an der Einstichstelle (Link auf Englisch). Beim Moderna-Impfstoff hatten viele Geimpfte vorübergehende Lokalreaktionen. Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören Reaktionen an der Einstichstelle wie Schmerzen, Rötungen und Schwellungen, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Muskel- und Gelenkschmerzen, Schüttelfrost, Fiebergefühl oder leichtes Fieber.

Doch muss man wissen: Auch nach einer «normalen» Grippeimpfung spüren bis zu 25 von 100 der geimpften Personen an der Einstichstelle leichte Beschwerden wie Schmerzen oder eine Rötung. Einige haben auch vorübergehend erhöhte Temperatur, Muskelschmerzen oder ein leichtes Krankheitsgefühl.

Gibt es seltene schwere Nebenwirkungen?

Diese Frage ist noch offen. Beim Impfstoff «Comirnaty» von Pfizer/Biontech gab es in einer Studie vier Fälle von Gesichtslähmung, es ist aber noch ungewiss, ob sie wirklich der Impfung anzulasten sind.

Seltene Nebenwirkungen kristallisieren sich – auch bei neuen Medikamenten – meist erst bei breiter Anwendung heraus. Um beispielsweise beurteilen zu können, ob eine Impfung eine Autoimmunerkrankung auslöst, braucht es besser sechs Monate Beobachtungszeit als zwei. Deshalb überwachen die Behörden das Ganze. So müssen die Hersteller der europäischen Arzneimittelbehörde ein Jahr lang monatlich berichten. Deutschland und die USA planen eine App, die geimpfte Personen regelmässig nach ihrem Gesundheitszustand fragt. Um etwaige Nebenwirkungen rasch zu erkennen, ist es wichtig, dass sie gemeldet werden.

Was soll man tun beim Verdacht auf eine Impfkomplikation?

Am besten wendet man sich zuerst an den Hausarzt. Wer selbst eine mögliche unerwünschte Wirkung melden will, kann dies hier tun und findet hier Informationen zum Vorgehen beim Verdacht auf einen Impfschaden.

Wer sich informieren will, was andere Personen gemeldet haben, findet zum Beispiel auf diesen Datenbanken Informationen für Europa (Link auf Englisch) und für die USA (Link auf Englisch). Dort werden Verdachtsfälle zu Impfungen gesammelt. Das heisst aber nicht, dass sie wirklich einer Impfung anzulasten sind.

Gibt es schwere, allergische Reaktionen?

Impfungen verursachen selten schwere allergische Reaktionen. Sie betreffen normalerweise höchstens eine von etwa 100’000 geimpften Personen oder sogar nur eine unter mehr als einer Million. Diese «Anaphylaxie» tritt meist innerhalb von 30 Minuten auf und muss mit Notfallmedikamenten behandelt werden. 

Möglicherweise ist der Zusatzstoff Polyethylenglykol im Impfstoff dafür verantwortlich. Allergologen weisen darauf hin, dass «Comirnaty» weniger allergieauslösende Substanzen enthält als herkömmliche Impfstoffe und dass Personen mit Heuschnupfen oder anderen leichten Allergien sich jetzt nicht verunsichern lassen sollten.

Enthalten die Impfungen Zusatzstoffe?

Ja, aber in den mRNA-Vakzinen befindet sich kein Quecksilber oder Aluminium wie in früheren Impfstoffen. Der Pfizer/Biontech-Impfstoff (Link auf Englisch) enthält zum Beispiel winzige Mengen Zucker, Salz, Cholesterin und unter anderem Polyethylenglykol. Der Moderna-Impfstoff (Link auf Englisch) ist ähnlich zusammengesetzt, er enthält ebenfalls Polyethylenglykol. Viele Kosmetika, Hygieneprodukte, aber auch manche Medikamente (zum Beispiel gegen Verstopfung) enthalten auch Polyethylenglykol.

Wie lange hält der Impfschutz an?

Das weiss man noch nicht. Es wird gegenwärtig untersucht. In einer Studie mit dem Impfstoff von Moderna jedenfalls war die Menge an Antikörpern, also Abwehrstoffen, drei Monate nach der zweiten Impfung noch hoch.

Muss ich als Geimpfter in Quarantäne?

Ja, weil noch unklar ist, ob die Impfung auch eine Übertragung des Virus auf andere verhindert.

Wie ist es zu erklären, dass sich Menschen nach der ersten Impfung anstecken?

Dafür kann es mehrere Gründe geben. Der Schutz der ersten Dosis beginnt erst zwei bis drei Wochen nach der ersten Impfung. Zudem ist der Schutz der Impfungen von Pfizer und Moderna zwar hoch, aber nicht 100 Prozent. Weiter können Krankheitssymptome in den Tagen vor der Impfung oder 14-20 Tage nach der Impfung auftreten. 

Ich hatte Corona, soll ich mich trotzdem impfen lassen?

Ja, Erkrankte haben zwar einen Selbstschutz, es ist aber noch nicht klar, wie lange dieser anhält. Weil der Impfstoff zurzeit noch knapp ist, werden zuerst Menschen geimpft, die noch nicht an Covid-19 erkrankten. Je nach Kanton ist zudem die Handhabung unterschiedlich.

Personen, die im Moment der Impfung unwissentlich mit Sars-CoV-2 infiziert sind und keine Symptome haben, wird die Impfung nach bisherigem Wissen nicht schaden. 

Was kostet die Impfung?

Für den Einzelnen ist sie gratis. Wie viel der Bund dafür bezahlt, ist nicht bekannt. Verschiedenen Quellen zufolge kostet eine Spritze von Pfizer/Biontech umgerechnet etwa 13 bis 18 Franken, von Moderna rund 15 bis 29 Franken und von AstraZeneca einen bis vier Franken.

Kann ich zum Impfen gezwungen werden?

Nein, die Impfung ist freiwillig.

Muss die Impfung wiederholt werden?

Das ist aus heutiger Sicht schwierig zu sagen. Über die Wirkungsdauer der Covid-19-Impfungen ist noch wenig bekannt. Zudem ist die Entwicklung der Pandemie, zum Beispiel hinsichtlich Mutationen, schwierig abzuschätzen. Die Schweiz hat sich deshalb auch mit Verträgen für Impfstofflieferungen im nächsten Jahr abgesichert.

Welche logistischen Herausforderungen gibt es?

Der mRNA-Impfstoff von Pfizer/Biontech muss bei etwa minus 70 Grad Celsius (Biontech) transportiert werden. Einmal aufgetaut, ist er sehr empfindlich auf Erschütterungen und muss behutsam behandelt werden. Eine Packung enthält 950 Dosen, die aufgetaut im Kühlschrank fünf Tage lang haltbar sind. Der Impfstoff von Moderna wird tiefgefroren bei circa minus 20 Grad transportiert. Für den Impfstoff von AstraZeneca genügt die normale Kühlung.

Quellen: «Advanced Drug Delivery Reviews», «arznei-telegramm», Bundesamt für Gesundheit, Bundesamt für Gesundheit, Bundesamt für Gesundheit, BBC, «Deutsches Ärzteblatt», «NEJM», «NEJM», «NEJM», «NEJM», infekt.ch, infosperber.ch, IQWIG, «NZZ», «Pediatric and Neonatal Infections», «RKI», «Schweizerische Ärztezeitung», «Science», WHO (Stand 1.1.2021)

Bild: BASILE BORNAND FOTOPRAXIS

von Dr. med. Martina Frei und Benita Vogel,

veröffentlicht am 07.01.2021, angepasst am 25.02.2021


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