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Corona: Fünf Minuten und mehrere Meter Abstand genügen für eine Infektion

In Korea funktioniert das Tracing anders als in der Schweiz. Dort wird mit Hilfe von Kameras, Handy- und Kreditkartendaten Erstaunliches gefunden. Die Ermittlungen lesen sich wie ein Krimi.

Es war der 16. Juni 2020, als eine Schülerin in der südkoreanischen Stadt Jeonju Symptome verspürte. Einen Tag später war das Resultat des Tests da: Corona. 

Seit zwei Monaten hatte es in der ganzen Stadt keine Coronavirus-Ansteckung mehr gegeben, seit einem Monat war sogar in der ganzen Region keine mehr registriert worden.

Kreditkarten- und Handydaten benützt

Wo und wie hatte sich die junge Frau infiziert? Das wollten die Epidemiologen wissen – und nahmen die Ermittlungen auf. Nebst genauen Interviews mit den Betroffenen dürfen Epidemie-Ermittlungsteams in Südkorea auch Daten zu medizinischen Konsultationen, Handys, Kreditkarten und die Aufnahmen von Überwachungskameras abrufen.

So fanden sie heraus, wo sich die Schülerin in den 14 Tagen vor der Erkrankung aufgehalten hatte. Die Spur führte zu einem Take away. Dort war am 12. Juni auch eine Haustürverkäuferin aus einer rund eine Stunde Fahrzeit entfernten Stadt anwesend.

Überwachungskameras geben Einblick

Diese Frau bekam am 13. Juni Symptome der Coronavirus-Infektion. Sie hatte den Contact Tracern, die sie befragten, jedoch ihre kleine Reise am Vortag verschwiegen.

Nun kam alles ans Licht, und noch viel mehr. Das epidemiologische Ermittlungsteam zog nämlich auch die Aufnahmen verschiedenster Video-Überwachungskameras zu Rate. 

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Nur fünf Minuten genügten

Demnach betrat die – bereits ansteckende, aber noch symptomfreie – Frau zusammen mit einer Begleitperson am 12. Juni um 17:15 Uhr den Take away, in dem die Schülerin bereits seit 16 Uhr sass. Sowohl die ansteckende Frau als auch die Schülerin hatten sich (ohne Masken zu tragen) mit ihren jeweiligen Begleitpersonen unterhalten. Die Sitzplätze der Haustürverkäuferin und der Schülerin lagen 6,5 Meter auseinander, und um 17:20 Uhr verliess die Schülerin den Take away. 

Beide Frauen hatten also nur fünf Minuten gemeinsam in dem fast 100 Quadratmeter grossen Raum verbracht, sie hatten verschiedene Ein-und Ausgänge benützt, sich weder berührt noch dieselben Gegenstände angefasst – und trotzdem war es zur Ansteckung gekommen?

Detektivarbeit mit dem Windmesser

Das Ermittlungsteam schritt zur Tat. Die Überwachungskameras hatten nämlich gezeigt, dass an jenem Nachmittag eine Lampe an der Decke leicht schwang. Daraus schlossen sie, dass die Klimaanlage eingeschaltet gewesen war. 

Sie stellten die Szene nach und schalteten ein Anemometer ein. Dieses kleine Gerät misst Luftströmungen. 

Mehr als sechs Meter entfernt

Des Rätsels Lösung war die Klimaanlage. Sie hatte die Luft zunächst in Richtung der ansteckenden Frau geblasen. Von dort strömte die Luft weiter in Richtung der 6,5 Meter entfernt sitzenden Schülerin. 

Fünf Minuten hatten genügt, damit genügend winzige, ansteckende Tröpfchen – so vermuteten es die Ermittler – zu ihr hinüberwehten. Sie war nicht die Einzige, die in dem Take away angesteckt wurde. 

Weitere Ansteckungen

Zwei Minuten, nachdem die Schülerin den Raum verlassen hatte, betrat ein weiterer Gast das Lokal. Er wählte einen Platz 4,8 Meter entfernt von der Haustürverkäuferin. 

Wie die Kameras zeigten, sass er insgesamt 21 Minuten lang im direkten «Abwind» der ansteckenden Person. Am 20. Juni wurde er positiv auf das neue Coronavirus getestet, nachdem die Contact Tracer ihn und zwölf weitere Personen in die Quarantäne und zum Testen geschickt hatten.

Zwei Meter Abstandsregel hinterfragt

Innerhalb von zwei Tagen hatten sie mit den erwähnten, in Südkorea erlaubten Methoden die Infektionskette rekonstruiert und die ansteckende Frau ausfindig gemacht. Die epidemiologischen Ermittler sind sich aufgrund dieses Hergangs sicher, dass zwei Meter Mindestabstand in Innenräumen nicht genügen, um sich wirksam vor einer Ansteckung zu schützen. 

Quellen: Journal of Korean Medical Science (Website auf Englisch)Los Angeles Times (Website auf Englisch)

von Dr. med. Martina Frei,

veröffentlicht am 15.01.2021, angepasst am 09.03.2021


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