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Gesünder leben?

Die wichtigsten Fragen zu Corona

Wie man das Risiko bei Flugreisen reduzieren kann, warum man in Zeiten von Corona nicht mit Dampf inhalieren sollte und was eine Maske nur über dem Mund bringt.

Wo haben sich bisher die meisten Menschen infiziert?

Da liefert Österreich gute Hinweise. Dort verfolgten die Behörden bisher knapp 5’000 Erkrankungsfälle zurück. Zu den meisten Ansteckungsketten kam es innerhalb von Familie und Freundeskreis sowie in Senioren- und Pflegeheimen. An dritter Stelle standen Freizeitaktivitäten wie etwa Gruppensport, Musikverein, Après-Ski, Besuch von Fitness-Studios oder – wie in einem Fall in Südkorea – Nachtclubs. Gegenwärtig ereignen sich die allermeisten Infektionen örtlich gehäuft. Fachleute sprechen von «Clustern», also zusammenhängenden Infektionen. Ein typisches Beispiel für solche Verläufe (Link auf Englisch) ist eine Kirche in den USA. Dort steckten sich mindestens 35 Personen beim Pastor und seiner Frau an, als die beiden noch keine Krankheitsanzeichen hatten. Von diesen 35 Personen sprang die Infektion auf mindestens 26 weitere über. Wie viele Menschen jemand ansteckt, hängt unter anderem davon ab, wie viele enge Kontakte er pflegt, wie gut seine Immunabwehr ist, ob äussere Umstände wie zum Beispiel ein Ventilator die Übertragung begünstigen und welche Eigenschaften die Viren haben. Diese können sich in kleinen Details unterscheiden.

Wie sicher ist es, den öffentlichen Verkehr zu benützen?

Die österreichischen Forscher fanden bisher keine Fallhäufungen infolge Benützung des ÖV. In der Metropole New York dagegen soll die U-Bahn (Link auf Englisch) massgeblich zur Ausbreitung von Sars-CoV-2 beigetragen haben. Und auch aus China gibt es Berichte. Dort steckten sich zum Beispiel in einem Bus (Link auf Englisch) während der 100-minütigen Reisezeit mutmasslich 23 von 66 Mitreisenden bei einer Frau an, die noch keine Symptome aufwies. Die «Viren-sichersten» Plätze waren in diesem Bus jene am Fenster und nahe der Tür (die Frau sass etwa in der Mitte des Fahrzeugs). Nachteilig war vermutlich, dass die Lüftung des Busses auf «Innenzirkulation» gestellt war, es kam also kaum frische Luft herein. Festzustellen, wo genau sich eine Person angesteckt hat, kann sehr schwierig sein und leicht zu falschen Schlüssen führen. Denn ungefähr die Hälfte der Ansteckungen mit den neuen Coronaviren passiert vermutlich, wenn ein Mensch noch gesund wirkt, aber schon ansteckend ist.

Wie reduziert man das Ansteckungsrisiko im Flugzeug?

Abgesehen von den üblichen Massnahmen (plus Masken) kann es sinnvoll sein, einen kleinen Behälter mit Händedesinfektionsmittel (Link auf Englisch) mitzuführen und alle Knöpfe, Armlehnen, glatte Oberflächen etc. nach dem Einsteigen mit Desinfektionstüchlein abzuwischen (wobei Fluggesellschaften wie die Swiss die Reinigungsmassnahmen sowieso bereits intensiviert haben). Weil der Luftaustausch während des Flugs besser ist als am Boden, ist es ratsam, so spät wie möglich ins Flugzeug ein- und so rasch wie möglich wieder auszusteigen. Um den Kontakt mit anderen Reisenden zu reduzieren, ist ein Platz am Fenster besser als einer am Gang. Und wer auch den Kontakt mit dem Flugpersonal reduzieren möchte, bringt seinen Snack mit.

Am besten lässt man die Luftdüse oberhalb des Sitzes offen, weil sie frisch gefilterte Luft herausbläst. Die Luft in den meisten grossen Flugzeugen wird permanent gefiltert, mit Filtern (Link auf Englisch), die besser sind als eine Atemschutzmaske. Rund ein Dutzend Mal pro Stunde wird die Luft im Flugzeug umgewälzt und dabei mit frischer Luft von draussen angereichert. Grosse Flugzeuge haben in Abständen von vier bis sieben Sitzreihen Lüftungssysteme. Diese sind ähnlich gut wie in einem Operationssaal. Die Luft wird so nicht längs durchs ganze Flugzeug geblasen, sondern zirkuliert innerhalb der Zone, wie diese Animation veranschaulicht. Laufen die Passagiere aber viel herum (Link auf Englisch), funktioniert das nicht mehr so gut. Gemeinhin wird davon ausgegangen, dass Passagiere in den zwei Reihen vor und hinter einem Kranken am stärksten gefährdet sind, sich anzustecken. Wer es sich leisten kann, Business oder 1. Klasse zu fliegen, hat den Vorteil, dass dort weniger Passagiere auf engem Raum sitzen.

Wie riskant sind Strandferien?

Die neuen Coronaviren vertragen UV-Licht schlecht und die Meeresbrise verdünnt etwaige Viren in der Luft rasch. Solange der Abstand zu anderen gewahrt wird, besteht also kaum ein Risiko am Strand. Wer ganz sichergehen will, legt sich nicht in den «Abwind» seiner Nachbarn. Denn gemäss Berechnungen von Ingenieuren (Link auf Englisch) fliegen Speicheltröpfchen beim Husten bei Wind von 15 km/h ungefähr sechs Meter in einer Sekunde. Je weniger Wind, desto kürzer ist ihre Flugstrecke.

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Spielt es eine Rolle, wie viele Viren man abbekommt?

Ja. Bei Noroviren, die Durchfall verursachen, können für eine Ansteckung weniger als 20 genügen, bei Grippeviren dagegen braucht es mehrere Hundert. Welche Anzahl Coronaviren zur Infektion führt, ist aber noch immer ungewiss. Es könnte zudem sein, dass eine Covid-19-Erkrankung leichter verläuft, wenn jemand weniger Viren eingeatmet hat, verglichen mit einer grossen Menge.

Wie wahrscheinlich ist eine Ansteckung über die Luft?

Darüber diskutieren Wissenschaftler seit Monaten. Inzwischen mehren sich die Stimmen, die eine Virus-Übertragung durch sogenannte Aerosole für wahrscheinlich halten. Aerosole sind winzigste, unsichtbare Tröpfchen (kleiner als fünf Mikrometer), die so leicht sind, dass sie in einem geschlossenen Raum lange in der Luft schweben können. Weil sie so klein sind, können sie aber auch nur wenige Viren transportieren. Man müsste sie also wohl eine gewisse Zeit einatmen, um auf die nötige «Infektionsdosis» zu kommen.

Viel zitiert wird ein Bericht aus China. Dort sass eine noch nicht erkrankte, aber schon ansteckende Person in einem Restaurant an einem Tisch. Wenige Tage später erkrankten auch Personen, die an den beiden Tischen links und rechts gegessen hatten. Solche Anekdoten beweisen die Übertragung durch Aerosole zwar nicht, dennoch gibt es mittlerweile mehrere ähnliche Berichte und auch diverse Fachartikel, die davon ausgehen, dass Aerosole ansteckend sind – wenn auch viel weniger als ein direkter Hustenstoss.

Wie hoch ist das Ansteckungsrisiko in geschlossenen Räumen?

Sicher ist: Es ist viel grösser als draussen. Von über 1'200 Erkrankten in China, bei denen Forscher den Ansteckungsweg (Link auf Englisch) ermittelten, hatten sich vermutlich nur zwei im Freien angesteckt. Die entscheidenden Punkte sind: Wie viele ansteckende Personen halten sich wie lange im Raum auf, wie oft wird gelüftet, wie nahe kommen sich die Menschen und wie gut achten sie auf die Hygiene? US-Wissenschaftler haben versucht, das Risiko abzuschätzen (Link auf Englisch), das von den Tröpfchen ausgeht, die beim Sprechen und noch mehr beim Singen entstehen. Bei einem ansteckenden Menschen können sie Viren enthalten.

Die Hypothese der Forscher: Von drei (50 Mikrometer winzigen) Tröpfchen transportiere etwa eines mindestens einen Coronavirus. Diese Tröpfchen verschwinden aber rasch aus der Luft, weil sie fast sieben Zentimeter pro Sekunde schnell zu Boden sinken. Ausserdem trocknen sie sehr rasch aus und schrumpfen dabei – sofern die Luft trocken ist. (Deshalb raten Ärzte bei Covid-19 übrigens von Dampfinhalationen ab.) Bei einer Grösse von 10 Mikrometer enthält mutmasslich nur noch etwa jedes dritte Tröpfchen Viren. Allerdings verlangsamt sich mit dem Schrumpfprozess auch die Fallgeschwindigkeit auf nur noch 35 Millimeter pro Sekunde. Daher verweilen kleinere Tröpfchen länger in der Luft. Ein Mensch atmet täglich etwa 14 Kubikmeter Luft ein und aus, der Gasaustausch ist also erheblich. Und beim Husten entstehen nicht nur weit mehr Tröpfchen als beim Sprechen, diese sind teilweise auch viel grösser (ein bis 1000 Mikrometer) und damit infektiöser.

Welches Stoffmasken-Modell ist am besten?

Vorweg: Das Bundesamt für Gesundheit rät bislang von Stoffmasken ab, mit gutem Grund. Die jüngste Studie zu Stoffmasken (Link auf Englisch) stammt von US-Wissenschaftlern. Sie testeten 15 Stoffe in verschiedenen Kombinationen auf ihre Filterleistung. Diese betrug je nach Gewebe zwischen 9 und 99 Prozent. Dünner Baumwollstoff filtert demnach kaum. Der Tipp der Forscher: Eine Schicht dichten Baumwollstoff plus zwei Schichten Naturseide, Flanell oder Polyester-Spandex Chiffon (Abendhandschuhe bestehen oft aus diesem Material). Bei solchen mehrlagigen Stoffmasken entstehen durch die Reibung vielleicht sogar erwünschte elektrostatische Kräfte, die Viren «anziehen» könnten. Sobald die Maske durch die Atemluft feucht wird, sind diese Kräfte aber dahin. Das Problem mit solchen Studien ist, dass sie den Effekt nur im Labor testen. In der Praxis spielen noch ganz andere Faktoren eine Rolle, zum Beispiel die falsche Handhabung von Masken.

Nützt eine Maske auch, wenn sie nur locker vor dem Gesicht getragen wird?

Kaum. Ihre (sowieso schon kleine) Schutzwirkung (Link auf Englisch) sinkt drastisch,  wenn am Rand nur ein kleiner Durchschlupf besteht. Im oben erwähnten Laborversuch testeten die Forscher Atemschutz-, chirurgische und Stoffmasken, die sich am Rand dicht anschmiegten oder aber eine winzige Lücke liessen (in einer Grösse von nur einem Hundertstel der Maskenfläche). Das Resultat: Die Wirkung sank mit Lücke drastisch um mehr als die Hälfte. Auch bloss vor dem Mund getragene Masken bringen wohl weder dem Träger viel noch seiner Umgebung. Denn erstens kann eine kranke Person selbst in Ruhe Erkältungsviren über die Nase ausatmen (Link auf Englisch). Andere sind also weniger geschützt, wenn die Maske nur über dem Mund liegt. Und zweitens wird der Träger selbst etwaige herumschwirrende Viren ebenfalls via Nase einatmen.

von Dr. med. Martina Frei,

veröffentlicht am 05.06.2020


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