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Gesünder leben?

Anosmie – wenn man nicht mehr richtig riecht

Wer nicht mehr riechen kann, kann auch nicht mehr richtig schmecken. Was die Ursachen sind und was man dagegen tun kann.

Zum Beispiel die Erdbeere. Wenn Sie ein Stück davon in den Mund nehmen und zerkauen, wird sie chemisch verändert. Dabei entfaltet sich das Aroma, und dieser markante Erdbeergeruch steigt dann vom Mund aus hinter dem Gaumensegel nach oben in die Nase. Erst jetzt schmeckt man die feinen, aromatischen Details. Denn beim Essen und Trinken sind Gerüche für die Feinabstimmung zuständig.

Umgekehrt kann man sich auch die Nase zuhalten, wenn man den Zusammenhang zwischen den beiden Sinnesorganen selbst erfahren möchte. Dann kommen – wie beim Schnupfen – keine Gerüche mehr an, und das Essen schmeckt fade. Man nimmt nur noch wahr, was die Geschmacksknospen erkennen: süss, sauer, salzig, bitter und umami.

Rund fünf Prozent der Bevölkerung leben dauerhaft mit dieser Einschränkung – im Fachjargon Anosmie genannt. Einen schwächeren Geruchssinn – Ärzte sagen dazu Hyposmie – weisen rund 20 Prozent der Bevölkerung auf.

Im Alter nimmt das Riechvermögen ab

Eine der Hauptursachen für Riechminderungen ist das Alter. Wenn wir älter werden, dann lässt mit der Zeit unser Geruchsvermögen nach. Der Geruchsverlust kann aber auch ein Symptom einer schweren Erkrankung sein.

Ein Ärzteteam um Professorin Antje Hähner vom Carl-Gustav-Carus-Universitätsklinikum in Dresden untersuchte das Riechvermögen von 400 Parkinson-Patienten: Mehr als 95 Prozent der Probanden hatten Probleme damit. Wie die Experten in ihrer 2013 im Deutschen Ärzteblatt veröffentlichten Studie berichten, sei das überwiegend auf das Alter zurückzuführen. Aber nicht bei allen.

Frühes Symptom für Alzheimer?

Die Forscher weisen darauf hin, dass die Riechfunktion bei Nervenerkrankungen wie Parkinson, Multipler Sklerose oder Alzheimer schon nachlässt, bevor sich die eigentlichen Symptome zeigen. Deshalb sollte laut Hähner der Verlust des Riechvermögens auch in der Neurologie berücksichtigt und untersucht werden – um vielleicht schon viel früher mit gezielten Therapien beginnen zu können.

Ist der Geruchssinn nicht aufgrund des Alters oder neurologischer Erkrankungen beeinträchtigt, kann man den Verlust vergleichsweise gut in den Griff bekommen. Bei Erkältungen bessert sich eine Hyposmie in der Regel von alleine. Bei einer chronischen Nasennebenhöhlenentzündung dagegen verlieren rund zwei von drei Patienten nach einigen Jahren einen Teil des Riechvermögens. Darüber hinaus können manche Antibiotika vorübergehend den Geruchssinn lähmen. In seltenen Fällen wird eine Anosmie auch durch ein Schädel-Hirn-Trauma nach einem Unfall ausgelöst.

Wenn man die Nächsten nicht mehr riecht …

Auf das Körpergewicht wirkt es sich jedoch kaum aus, wenn man die Nahrung nicht mehr schmeckt. Nur etwa zehn Prozent verlieren an Gewicht. Da sind jedoch eher sogenannte Geschmacksverdrehungen die Ursache. Solche Geschmacksverdrehungen treten oft als Nebenwirkung auf – zum Beispiel bei Arzneien mit Lithium gegen Depressionen oder Bestrahlungstherapien. Das Essen schmeckt dann metallisch oder salzig.

Unterschätzt werden oft die psychischen Auswirkungen, die mit Geruchsverlust einhergehen. Betroffene riechen ihren Ehepartner, ihre Kinder oder sich selbst nicht mehr. Das schafft Unsicherheit. Bei vielen Leuten zeigt sich daher auch eine depressive Verstimmung.

Wer keinen Schnupfen hat und nicht mehr riechen oder schmecken kann, sollte in jedem Fall einen Arzt aufsuchen. Denn abgesehen vom Alter sind die häufigsten Ursachen die Nase und ihre Entzündungen.

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von Christian Andrae,

publiziert am 08.05.2019

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