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Gesünder leben?

Trotz «laufender» Nase Sport treiben?

Wer erkältet oder sonstwie gesundheitlich angeschlagen ist und trotzdem Sport treibt, tut seinem Körper oft nichts Gutes.

Meistens werden bei einer Erkältung die oberen Atemwege von Viren befallen, was das Immunsystem in Alarmbereitschaft versetzt. Die Bekämpfung der Erreger geht einher mit einer Schwächung des Körpers. Kein Wunder, dass wir uns in solchen Situationen oft schlapp fühlen. Sportliche Tätigkeiten fordern den bereits angeschlagenen Körper zusätzlich heraus. Herz und Muskeln werden stärker beansprucht, der Puls steigt. Die Doppelbelastung durch Erkältung in Verbindung mit Sport sollte ernst genommen werden, was aber bei Weitem nicht immer der Fall ist.

Viele machen trotzdem weiter

Laut einer Umfrage der deutschen Techniker Krankenkasse aus dem Jahre 2012 trainiert rund jeder Dritte trotz einer Erkältung weiter. Bei den jüngeren Sportlern zwischen 18 und 25 Jahren gab sogar jeder Zweite an, dass er bei einer Erkältung keine Sportpause einlegt, einen Infekt also nicht vollständig auskuriert. Eine leichte Erkältung ist nicht das Gleiche wie ein hartnäckiger Husten.

Sport kann Kopfweh lindern

Bei einer Erkältung sollte die Belastungen nicht über einen Spaziergang hinausgehen.

«Bei leichtem Kopfweh könnte ein leichter bis moderater Ausdauersport sogar zu einer gesundheitlichen Besserung führen», sagt Prof. Dr. Arno Schmidt-Trucksäss vom Departement für Sport Bewegung und Gesundheit an der Universität Basel. Sein Tenor: Sport ja, aber nur solange sich die Kopfschmerzen nicht verstärken. «Bei einer Erkältung oder einem Schnupfen sollte die Belastungen nicht über die Intensität eines Spaziergangs hinausgehen», empfiehlt der Ordinarius für Sportmedizin sowie Leiter der Abteilung Rehabilitative und Regenerative Sportmedizin. Als empfehlenswerte Sportarten, die der Genesung dienen können, nennt  Schmidt-Trucksäss etwa Joggen, Schwimmen, Tennis und Fahrrad; sie können sehr gut dosiert und mit leichter Intensität betrieben werden.

Kein Sport bei Fieber

Auf keinen Fall Sport bei Fieber.

Vollkommen tabu müsse Sport dagegen für jemanden sein, der an Fieber leide. Selbst bei bloss leicht erhöhten Temperaturen ist eine strikte Pause angesagt. Vor allem fiebrige Virusinfektionen sind eine grosse Gefahr. Sportliche Tätigkeiten können dazu führen, dass Viren im Körper zur Wanderschaft angeregt werden. Im schlimmsten Fall ist das Herz betroffen. «Kein Sport bei Fieber, es droht eine Herzmuskelentzündung», bringt Schmidt-Trucksäss das Problem auf den Punkt. Erschwerend kommt hinzu, dass der Sportler meist gar nicht fühlt, welchen gesundheitlichen Gefahren er dabei ausgesetzt ist. Denn der Befall des Herzmuskels durch Viren oder Bakterien schreitet ohne Schmerzen voran.

Tipps aus dem Internet mit Vorsicht geniessen

Im Internet verbreitete Tipps, wonach bei Symptomen unterhalb des Nackens eine Trainingspause angesagt ist, während bei Symptomen oberhalb des Nackens trainiert werden darf, bezeichnet Schmidt-Trucksäss als «zu grobe Differenzierung». Grundsätzlich seien Bronchitis, Mandeln oder Gliederschmerzen schon schwerwiegender zu beurteilen als eine laufende Nase oder etwa ein Hustenreiz im oberen Halsbereich. Bei schlechtem Allgemeinbefinden und Fieber sollte seines Erachtens ein Arzt herbeigezogen werden.

Bei fiebersenkenden Medikamenten gilt es zu beachten, dass sie nur die Symptome bekämpfen. Es können sogar noch zusätzliche gesundheitliche Probleme durch die Medikamenteneinnahme entstehen. Ist das Fieber einmal überstanden, sollte man übrigens nicht sofort wieder mit Sport beginnen. Prof. Schmidt-Trucksäss: «Warten Sie nach dem Abklingen mindestens noch drei Tage und beginnen Sie erst dann wieder langsam.»

von Markus Sutter,

publiziert am 04.12.2017


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