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Gesünder leben?

Fieber macht den Viren Dampf

Fieber galt lange als störendes Begleitsymptom bei Infekten. Inzwischen wissen Forscher aber: Es kann sowohl dem Erkrankten nützen, als auch der Gesellschaft.

Soll man bei Fieber immer gleich zu einem fiebersenkenden Medikament greifen? Besser nicht.

Denn wenn der Körper «einheizt», funktioniert die Immunabwehr besser. Fieber sorgt zudem dafür, dass sich die Viren im Körper schlechter vermehren können. Auch manche Bakterien überleben bei erhöhten Temperaturen nicht.

Die «wahrscheinlich wichtigste Massnahme» bei Fieber sei darum der Verzicht auf unnötige Fiebersenker, welche die Immunreaktionen nachweislich unterdrücken können», heisst es in einem Fachartikel, den Schweizer Infektiologen zusammen mit Komplementärmedizinern verfasst haben.

Schnellere Genesung

Dank Fieber erhole sich der Körper rascher wieder von Virusinfektionen. «Fieber ist keine Krankheit, sondern ein normaler Vorgang mit nützlicher Wirkung», resümierten beispielsweise Fachärzte in einem Artikel im Fachblatt «Pediatrics».

Studien haben zum Beispiel gezeigt, dass Kinder nach einer Impfung mehr körpereigene Abwehrstoffe (Antikörper) bilden, wenn sie kein fiebersenkendes Medikament erhalten hatten. Die Menge an Antikörpern gilt allgemein als Mass dafür, wie gut (und wie lange) der Körper eine erneute Infektion mit dem betreffenden Erreger abwehren kann. 

Risiko für die Mitmenschen

Der Gesellschaft könnte das Fieber ebenfalls nützen. Denn es führt dazu, dass Erkrankte weniger lang Viren ausscheiden und deshalb auch weniger lang ansteckend sind für andere. Dazu gibt es Experimente mit Frettchen und mit Menschen. 

Sie zeigen: Kranke schieden bei Infektionen mit Grippe- oder Schnupfenviren mehr Viren aus, wenn sie fiebersenkende Medikamente erhalten hatten. Das galt auch für Kinder mit wilden Blattern. 

Medikament könnten zu mehr Infektionen führen

Die Virenausscheidung bei Grippe dauere sogar umso länger, je öfter das fiebersenkende Medikament genommen wurde, berichteten kanadische Wissenschaftler in einem Fachartikel. Längere Virenausscheidung bedeutet in der Regel, dass der Kranke auch länger ansteckend ist. 

Gerade bei einer Epidemie hat Fieber aber noch einen weiteren Vorteil für die Gesellschaft. Denn wer Fieber hat, bleibt mit grösserer Wahrscheinlichkeit zu Hause und steckt so weniger andere Personen an, als wenn er sich dank eines Fiebersenkers besser fühlt und wieder unter die Leute geht. (Lesen Sie unten weiter...)

Mehr zu Fieber und Erkältung

Todesfälle verhindern

Allein in den USA könnte der Verzicht auf Fiebersenker während der jährlichen Grippesaison vermutlich mehrere Hundert Todesfälle pro Jahr verhindern, vermuten die Wissenschaftler aufgrund von Modellrechnungen.

Bei Infektionen mit MERS-Viren, die zur Gruppe der Coronaviren zählen, zeigte sich: Bei Personen mit vielen Antikörpern gegen diese Viren eliminierte das Immunsystem die Erreger rascher als bei denjenigen mit tiefen Antikörperspiegeln.

Fieber nicht routinemässig senken

Wichtige Hinweise bei Fieber
  • Wie hoch das Fieber bei einem Infekt ist, sagt nichts darüber aus, wie schwer die Krankheit ist. Wichtiger sind der Allgemeinzustand des Kranken und etwaige bestehende Vorerkrankungen. 
  • Bei Fieber Bettruhe einhalten.
  • Fieber kann verschiedene Ursachen haben, Infektionen sind nur eine davon. Im Zweifelsfall sollte man einen Arzt oder Apotheker konsultieren. Dies gilt auch bei hohem oder lang anhaltendem Fieber.
  • Menschen mit Vorerkrankungen, schwangere Frauen, Babys und Kleinkinder sowie Senioren sind im Allgemeinen bei Infektionen gefährdeter. 
  • Fiebernde Kinder sollten weder übermässig warm eingepackt werden, noch zu leicht angezogen sein.
  • Ab 41 Grad Celsius wird Fieber gefährlich. Bei Säuglingen unter zwei Monaten zählen Werte von über 38 Grad als Fieber, bei ansonsten gesunden Erwachsenen gilt meist über 38,5 Grad.
  • Ein Hitzeschlag oder ein Sonnenstich sind nicht mit Fieber zu vergleichen. Beides schadet dem Körper.

Ob dies auch bei den jetzt zirkulierenden Coronaviren der Fall ist, müssen die Forscher noch prüfen. Der Medizinprofessor Philip Tarr rät aber ab vom routinemässigen Senken des Fiebers bei einer Coronavirus-Infektion. Laut dem Co-Chefarzt Infektiologie und Spitalhygiene am Kantonsspital Baselland sollten fiebersenkende Medikamente bei einer Infektion mit den neuen Coronaviren nur eingesetzt werden, wenn sie unbedingt nötig seien, zum Beispiel, weil der schlechte Allgemeinzustand des Kranken es erfordere.

Weit verbreitet ist die Annahme, dass fiebersenkende Wirkstoffe wie etwa Paracetamol oder Ibuprofen bei fieberhaften Infekten Komplikationen bei Infektionen verhindern können. Doch auch das trifft nach bisherigem Wissen nicht zu. 

So dauerte beispielsweise die Behandlung von Erwachsenen mit unterschiedlichen Infektionen auf einer Intensivstation mit oder ohne Fiebersenker gleich lang. Auch Fieberkrämpfe bei Kindern werden durch Fiebersenker nicht verhindert.

Fieber hat aber nicht nur Vor- sondern auch Nachteile: Es kann stark geschwächte Personen noch weiter schwächen und es führt dazu, dass der Körper mehr Wasser verdunstet. Der Flüssigkeitsbedarf steigt also. 

Quellen: Dachverband Komplementärmedizin, «NICE», «Pediatrics», «The Lancet», «Vaccine»,« Proceedings of Royal Society B»,«Clinical Infectious Diseases», «NJM», «Nature»

von Dr. med. Martina Frei,

veröffentlicht am 22.04.2020, überarbeitet am 28.04.2020


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