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Gesünder leben?

Nach Venenthrombose auf Tumorsuche gehen?

Im Durchschnitt finden die Ärzte bei einem von 20 Patienten mit scheinbar grundloser Venenthrombose in den nächsten zwölf Monaten eine Krebserkrankung. Von intensiver Tumorsuche wird jedoch abgeraten.

Für eine Venenthrombose gibt es etliche Risikofaktoren. Dazu zählen beispielsweise Schwangerschaft, Operation, Blutgerinnungsstörung oder langes Sitzen auf Reisen. Auch unerkannte Krebserkrankungen können solche Thrombosen begünstigen. Soll man also bei jeder «unprovozierten» Venenthrombose (ohne ersichtlichen Grund) nach einem Tumor fahnden? Die Autoren eines aktuellen Fachartikels raten von routinemässiger, intensiver Suche ab. Es sei völlig offen, ob die Patienten dadurch länger oder besser leben würden, argumentieren sie.

Einfache Mittel meist ausreichend

Sie hatten die Daten von zehn Studien an über 2000 Patienten mit unprovozierter Venenthrombose ausgewertet. Im ersten Jahr danach fanden die Ärzte bei 101 Patienten bösartige Erkrankungen, oft am Dickdarm oder in der Lunge. 71 Mal wurde der Krebs aufgrund der Suche erkannt, 30 Mal zeigte er sich erst danach. Für die Diagnose genügten meist einfache Mittel: 32 der 71 Tumore konnten allein mit genauem Befragen und Untersuchen der Patienten entdeckt werden, 13 mit Labortests, 6 mit Röntgenbildern oder Ultraschalluntersuchungen.

Hightech heilt nicht besser

Die restlichen Krebserkrankungen diagnostizierten die Mediziner erst nach «Hightech-Suche», zum Beispiel mit Computertomografie – wobei die so entdeckten Tumore nicht in einem früheren Stadium und damit besser heilbar waren als solche, die mit einfachen Methoden gefunden wurden.

Bei unter 50-Jährigen steckt nur selten ein Tumor dahinter

Ein Argument für eine intensivere Suche könnte das Alter des Patienten sein: Bei unter 50-Jährigen wurde im Jahr nach der Venenthrombose nur bei einem Prozent der Betroffenen Krebs entdeckt – bei den über 50-Jährigen dagegen bei fast sieben Prozent und bei den über 80-Jährigen sogar bei neun Prozent.

Quelle: "Annals of Internal Medicine"

von Dr. med. Martina Frei,

publiziert am 01.12.2017


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