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Gesünder leben?

Die 10 grössten Grippe-Irrtümer

Welche Mittel helfen? Gibt es die stumme Grippe? Kann man in den Tropen Grippeviren auflesen? Zehn Antworten auf die häufigsten Fragen.

Wer sich mit Grippeviren ansteckt, wird krank.

Etwa 20 Prozent der (nicht geimpften) Menschen infizieren sich normalerweise im Winter mit Grippeviren. Aber nur ein Viertel davon erkrankt auch. Die anderen spüren nichts oder kaum etwas von der Infektion – verbreiten die Viren jedoch weiter. Bei schweren Grippeepidemien können deutlich mehr Personen krank werden.

Man muss die Immunabwehr stärken, um gesund zu bleiben.

Das Immunsystem braucht nicht gestärkt zu werden, es ist bei gesunden Menschen sowieso stark. Eliminieren sollte man aber die Faktoren, die es schwächen wie Schlafmangel, Stress, Mangelzustände oder zu viel Alkohol.

Die grösste Ansteckungsgefahr besteht an öffentlichen Orten.

Trockene Luft und viele Menschen auf engem Raum begünstigen die Virenübertragung. Das Risiko, sich im nahen Umfeld anzustecken, ist aber grösser als im Tram. Besonders an Schulen kommt es zu vielen Ansteckungen.

Häufiges Händewaschen verhindert die Infektion.

Händehygiene ist gut, aber: Grippeinfizierte sind meist ein bis zwei Tage vor Ausbruch der Symptome schon recht ansteckend. Beginnt eine Familie also erst sich die Hände konsequent zu waschen, sobald ein Mitglied erkrankt ist, kommt dies oft zu spät. Wichtig ist auch, dass man die Hände richtig wäscht, also immer mit Seife, wenn möglich mit Flüssigseife. Dabei sollte die ganze Hand inklusive Fingernägel gereinigt werden. 

Gegen Grippe helfen Antibiotika.

Antibiotika richten gegen Viren nichts aus. Sie nützen nur gegen Bakterien. Sinnvoll sind sie darum nur, falls sich zur Grippe noch eine bakterielle Infektion gesellt. Grippeviren erleichtern manchen Bakterien das Eindringen, deshalb steigt das Risiko für eine bakterielle Infektion drei Tage nach Beginn der Grippesymptome. Es kann noch Wochen später erhöht sein. (lesen Sie unten weiter...)

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Fiebersenkende Mittel beschleunigen die Heilung.

Einzig sogenannte Virostatika können den Verlauf etwas abkürzen, wenn sie frühzeitig genommen werden. Alle anderen Mittel lindern bestenfalls die Symptome.

Hühnersuppe hilft.

Möglicherweise wirken bestimmte Substanzen in der Suppe entzündungshemmend. Eine Wirkung ist wissenschaftlich nicht belegt, aber es ist auch nichts dagegen einzuwenden. Etwas Gutes hat die Suppe mindestens: Der Kranke nimmt damit Flüssigkeit auf. Ausreichende Flüssigkeitszufuhr zeigt sich daran, dass der Kranke etwa alle drei bis fünf Stunden Wasser löst und der Urin hell ist.

Ist die Grippe überstanden, besteht keine Gefahr mehr, andere anzustecken.

Die meisten Grippekranken sind etwa drei bis fünf Tage lang ansteckend. Insbesondere Kinder können die Viren jedoch bis zu zehn Tage lang ausscheiden, im Extremfall sogar bis zu drei Wochen.

Die Grippeimpfung schützt vor Grippe.

Die Impfung verhindert bei 30 bis 90 Prozent der Geimpften, dass sie krank werden. Bei Senioren wirkt sie nur bei etwa 20 bis 50 Prozent. Dennoch empfiehlt das Bundesamt für Gesundheit (BAG) die Impfung allen Personen mit erhöhtem Risiko für Komplikationen sowie ihren Nächsten. Dazu zählen über 65-Jährige, Schwangere oder Menschen mit chronischen Krankheiten. Die Impfung reduziert auch das Risiko, dass man – ohne es zu merken – Grippeviren verbreitet. Deshalb rät das BAG auch den Personen, die Kinder oder Senioren betreuen oder behandeln, sich impfen zu lassen.

Grippe gibt es in südlichen Ländern nicht.

Während in unseren Breitengraden die Grippe besondern im Winterhalbjahr auftritt, beobachtet man in tropischen Ländern ihr sporadisches Auftreten über das ganze Jahr hinweg. Das Grippevirus ist weltweit unterwegs. 

von Dr. med. Martina Frei,

publiziert am 23.11.2017


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