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Gesünder leben?

Hoffnung bei Neurodermitis

Die Hauterkrankung gilt als unheilbar. Mit Geduld und Disziplin können Patienten aber viel erreichen. Besonders wichtig ist eine optimale Pflege der Haut.

Die Zahl der Betroffenen steigt stetig: In der Schweiz leiden etwa fünf Prozent der Erwachsenen und 15 Prozent der Kinder an Neurodermitis, 60 Prozent davon bereits im ersten Lebensjahr. Während bei Kindern eher Arme und Beine oder Kniekehlen, Ellbogen und Handgelenke betroffen sind, zeigt sich die Krankheit bei Erwachsenen meist auch an den Händen und im Gesicht deutlich. Typische Symptome sind gerötete, schuppig-nässende und stark juckende Stellen auf der Haut. Die Krankheit ist für viele Patienten eine grosse psychische Belastung.

Ursache unbekannt

Die genaue Ursache der Hautveränderungen ist unklar. Man kennt die Krankheit seit Ende des 19. Jahrhunderts, taufte sie «Neurodermitis» und schuf so den Zusammenhang zwischen Haut und Nervenkostüm. Stress gilt zwar als wichtiger Auslöser, doch heute bevorzugen Mediziner die Bezeichnung «atopische Dermatitis» – was die entzündliche Hauterkrankung, die anlagebedingt ist, besser benennt. Im Blut von Patienten finden sich vermehrt Entzündungsstoffe.

Familiär bedingt

Die Entzündung wird durch Trigger ausgelöst: Pollen, Tierhaare, Stress, Hormonschwankungen, bestimmte Textilien, Zigarettenrauch oder Nahrungsmittel oder ein bestimmtes Waschmittel. Patienten sollten daher in einem Tagebuch festhalten, was sie essen und was mit ihrer Haut in Kontakt kommt. (lesen Sie unten weiter...)

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Wenig duschen, viel cremen

In der Oberhaut von Neurodermitikern sind zu wenig schützende Fettstoffe vorhanden. Grundlage jeder Neurodermitis-Therapie ist daher die richtige Hautpflege. Damit kann man den Juckreiz effektiv lindern, beschwerdefreie Phasen verlängern und Schübe mildern.

Cremen mit hautverträglichen Produkten, Ölbäder und das Benutzen von seifenfreien, pH-hautneutralen und rückfettenden Substanzen ist Grundlage dieser Basispflege. In schubfreien Phasen eignen sich Mittel mit Harnstoff. Dieser hilft der Haut, Feuchtigkeit zu binden und verbessert ihre natürliche Schutzfunktion.

Lotionen mit Omega-3-Fettsäuren oder Nachtkerzenöl helfen ebenfalls, der Nutzen ist aber wissenschaftlich nicht eindeutig belegt. Je trockener der Teint, desto fettiger darf die Salbe sein. Nässt er hingegen, sind wässrige Öl-in-Wasser-Emulsionen empfehlenswert.

Manchmal hilft nur Kortison

Bei akuten Ausbrüchen nützen oft nur Kortison oder Antibiotika. Ein kleiner Teil der Patienten kriegt die Krankheit nur mit höher dosiertem Kortison oder immununterdrückenden Stoffen in den Griff. Die grosse Hoffnung bei Neurodermitis heisst Dupilumab. In den USA seit 2017 zugelassen, wird es nun auch in der Schweiz geprüft.

Das Medikament wirkt gezielter und hemmt nur jene Botenstoffe, die bei Neurodermitis aktiv sind. Die Nebenwirkungen sind geringer als bei Kortison, das die ganze Immunantwort dämpft. In der Schweiz muss man sich noch gedulden, die Swissmedic-Marktzulassung wird für das Jahr 2019 erwartet.

von Nina Himmer,

publiziert am 07.02.2018


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