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Gesünder leben?

Plötzlich spielt die Haut verrückt

Vor sechs Jahren entdeckte Nicole S.* einen weissen Fleck an ihrem Daumen. Vier Monate später war die 47-Jährige aus der Nordwestschweiz übersät mit Flecken. Diagnose: Vitiligo. Inzwischen hat sie gelernt, mit der Krankheit zu leben.

Vitiligo ist weder ansteckend noch gefährlich oder schmerzhaft. Man geht davon aus, dass es sich um eine Autoimmunerkrankung handelt: Das Immunsystem blockiert oder zerstört Zellen, die den Hautfarbstoff erzeugen (Melanozyten). «In der Schweiz leiden etwa ein Prozent der Bevölkerung an Vitiligo», sagt Professor Lasse Roger Braathen aus Ittigen BE, Facharzt für Dermatologie. «Eine Heilung ist extrem selten.» Die Krankheit kann in jedem Alter auftreten, am häufigsten sind Teenager betroffen. Genetische Faktoren spielen eine Rolle: In manchen Familien kommt Vitiligo häufiger vor.

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Man geht davon aus, dass es sich bei Vitiligo um eine Autoimmunerkrankung handelt.

Plötzlich mit Flecken übersät

Als Nicole S. den ersten weissen Fleck entdeckte, dachte sie, er käme von der Sonne. Man verschrieb ihr eine Salbe. Ohne Erfolg. Vier Monate später kam der grosse Ausbruch: «Über Nacht war mein Körper übersät mit weissen Flecken: an den Händen, Ellenbogen, im Nacken, am Dekolleté, an den Füssen. Sogar um die Augen hatte ich hellere Haut und sah deshalb immer müde aus. Es war ein Riesenschock.» Nicole S. ging in eine Selbsthilfegruppe, denn bei Vitiligo leidet auch die Seele.

Auslöser der Krankheit können bei Risikopersonen Hormonumstellungen oder emotionaler Stress sein. Nicole S. bekam den ersten weissen Fleck nach einem Skiunfall mit Knochenbruch und Bänderriss, der schwere Folgen für die Kniegegend nach sich zog. Vitiligo tritt zudem häufig mit anderen Erkrankungen auf. «Damals fühlte ich mich schlapp, nahm zu und wurde mehrmals ohnmächtig.» Erst ein Jahr später wurde eine Unterfunktion der Schilddrüse festgestellt. (lesen Sie unten weiter...)

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Behandlung mit Lichttherapie

Nicole S. riet man zu einer Lichttherapie. «Das ist sehr zeitaufwendig», sagt sie. «Man geht mindestens dreimal in der Woche zum Arzt, stellt sich anfangs für zehn Sekunden in eine Lichtkabine. Das habe ich vier Monate durchgehalten.» Die Behandlung blieb ohne Erfolg. Heute unternimmt sie nichts mehr gegen die Krankheit. Keine Lichttherapie, keine Creme. Eine Tube dieser speziellen Creme kostet über 100 Franken, und die Krankenkasse übernimmt nur einen Teil der Kosten: «Wenn ich meine weissen Stellen zweimal am Tag eincreme, reicht sie eine Woche.»

Vorurteile und Diskriminierung

Im Januar 2015 ist die Krankheit zum Stillstand gekommen. «Im Sommer trage ich ärmellose Shirts. Ich hatte nie das Gefühl, wegen der Flecken weniger akzeptiert zu werden.» Das sei jedoch nicht selbstverständlich.

Trotz Vitiligo Topmodel

Popstar Michael Jackson litt an Vitiligo, ihn nahm die Krankheit auch psychisch sehr mit. Sein ältester Sohn ist ebenfalls davon betroffen. Es gibt aber auch Menschen, die offen damit umgehen können wie Winnie Harlow. Die 22-jährige dunkelhäutige Kanadierin nahm trotz ihrer weissen Flecken an «America’s Next Top Model» teil und wurde zur Markenbotschafterin der spanischen Modemarke Desigual.

Vitiligo – keine Schmerzen, trotzdem viel Leid

Sie können über Nacht auftreten und einen ziemlich ­erschrecken: weis­se ­Flecken auf der Haut, die einen an eine schlimme Hautkrankheit denken lassen. Auch wenn Vitiligo nicht schmerzhaft ist, müssen Betroffene lernen, mit der Krankheit umzugehen. Denn nicht selten werden sie gemieden, obwohl klar keine ­Ansteckungsgefahr droht. Der Austausch mit anderen Betroffenen kann deshalb sehr hilfreich sein.

Weitere Infos: www.spvg.ch, www.selbsthilfeschweiz.ch

*Name der Redaktion bekannt

von Inge Hess,

publiziert am 04.04.2018


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