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Gesünder leben?

Krankheiten, die wir uns von Tieren holen können

Tiere können Krankheiten auf den Menschen übertragen, so auch Katzen, Hunde oder Vögel. Verursacher sind meist Bakterien. Wie wir uns davor schützen können.

Haustiere tun uns gut und haben viele wohltuende Wirkungen. Das haben schon Dutzende von Studien gezeigt: Hunde wirken blutdrucksenkend, Katzen reduzieren Stress und wohl alle Tiere helfen gegen Einsamkeit.

Aber: Tierhalter stürzen beispielsweise häufiger als Menschen ohne Tiere, zum Beispiel wenn der Hund jäh an der Leine zerrt oder das Büsi zwischen die Füsse huscht. Auch fast zwei Drittel aller Erreger, die Menschen infizieren, stammen ursprünglich von Tieren. Meist genügt für die Ansteckung eine kleine Infektionsdosis. Hier sollten Sie Acht geben:

Hunde können Campylobacter-Bakterien übertragen

Mindestens 25 Krankheiten können Menschen bei Hunden «auflesen». Die Bakterien, Pilze, Viren oder Parasiten werden, je nach Erreger, durch Speichel übertragen, bei Kontakt mit Kot oder Urin, beim Streicheln, über die Atemluft oder aber durch Insekten. Über 600 Menschen beispielsweise stecken sich schätzungsweise jedes Jahr bei einem Vierbeiner mit Campylobacter an. Diese Bakterien können üblen Durchfall hervorrufen. Die allermeisten Infektionen damit passieren jedoch bei unsachgemässem Umgang mit Lebensmitteln wie zum Beispiel Geflügelfleisch. Aber auch Katzen sind Wirte für Campylobacter, wobei den Tieren nicht unbedingt etwas anzusehen ist.

Das gilt auch bei der Tollwut. «Manche illegal eingeführte Hundewelpen haben Tollwut. Sie kann für Menschen tödlich sein», warnt Katharina Stärk, Abteilungsleiterin Tiergesundheit beim Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV). «Das Tollwutrisiko wird bei importierten Hunden unterschätzt.»

Katzen: Infektionen wegen Katzenbiss und «Katzenkratzkrankheit»

Die spitzen Zähne von Katzen dringen beim Biss viel tiefer ein, als die kleinen Wunden es vermuten lassen. Deshalb werden Katzenbisse anfangs oft zu wenig ernst genommen. Die Bakterien aus ihrem Maul können schwere Infektionen verursachen.

Selbst blosse Kratzer können zu Fieber, Kopfweh oder Lymphknotenschwellung (meist in der Achsel) führen, falls dabei Bakterien der Gattung Bartonella übertragen werden. Die «Katzenkratzkrankheit» verläuft zum Glück nur selten schwer. Flöhe können diese Bakterien von einer Katze zur nächsten tragen, deshalb nützt guter Flohschutz indirekt auch dem Menschen.

Reptilien wie Schildkröten oder Echsen können Magen-Darm-Grippe auslösen

Vor allem kleine Kinder fangen sich bei diesen Tieren manchmal eine schwere Magen-Darm-Grippe ein. Denn viele Schildkröten, Schlangen, Echsen und andere Reptilien beherbergen Salmonellen. Diese Bakterien kommen auch in verseuchten Lebensmitteln vor, zum Beispiel in Fleisch oder Eiern. Die Reptilien erkranken kaum daran, denn diese Bakterien gehören zu ihrer normalen Besiedelung mit Mikroorganismen.

Wellensittiche und Papageien können Vogelkrankheit übertragen

Über 450 Vogelarten können die «Ornithose» (auf Deutsch Vogelkrankheit, auch Papageienkrankheit genannt) übertragen, darunter die beliebten Wellensittiche. Insbesondere Papageien und Tauben tragen die Erreger dieser Erkrankung (Chlamydia psittaci) oft mit sich herum. Anstecken kann man sich beim Streicheln oder durch Einatmen von Staub, etwa beim Putzen der Voliere. Typisch ist ein grippeähnlicher Infekt, schwere Verläufe sind selten und nicht alle Menschen erkranken.

(Fortsetzung weiter unten …)

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Zecken können Borreliose und FMSE übertragen

Gemessen an der Zahl der Arztbesuche ist die Zecke das wohl gefährlichste Tier bei uns: Bis Ende April gingen 8’500 Arztbesuche auf ihr Konto. Zecken können Borreliose sowie die Hirnhautentzündung FSME übertragen.

Zecken können aber auch andere Erkrankungen übertragen, so die immer häufiger auftretende Hasenpest (Tularämie). Das kommt zwar eher selten vor. 148 Personen steckten sich letztes Jahr in der Schweiz mit dem Bakterium Francisella tularensis an, ein neuer Höchststand. Die Symptome sind vielfältig: Hautgeschwüre, Lymphknotenschwellungen, Halsweh, Erbrechen, Durchfall, Husten und sogar Atemnot kommen vor – wobei manche der Betroffenen auch gar nichts bemerken.

«Zecken und Insekten können den Winter leichter überleben, wenn es wärmer wird. Ein Zusammenhang mit dem Klimawandel ist darum zu erwarten, aber schwer messbar», sagt Katharina Stärk.

Mücken: Zika oder Dengue-Fieber

In der Schweiz leben 34 Mückenspezies, plus zwei eingewanderte: Die Tigermücke, die seit 2003 im Tessin anzutreffen ist, und die Asiatische Buschmücke, 2007 erstmals im Aargau gesichtet. Sie sticht schmerzhafter zu als die heimische «Gemeine Stechmücke». Theoretisch könnte die Tigermücke Erkrankungen wie Zika, Chikungunya- oder Dengue-Fieber übertragen. Von diesen exotischen Krankheiten waren in der Schweiz bisher aber nur Reiserückkehrer aus anderen Ländern betroffen, Ansteckungen hier zu Lande gab es noch keine.

Simple Mückenstiche hingegen sind auch bei uns an der Tagesordnung. Ein Mückenweibchen fliegt bis zu zehn Kilometer, um an Blut zu kommen. Manche Menschen sind wegen ihrer Körperausdünstungen für Mücken besonders attraktiv. Auch dunkle Farben, ausgeatmetes Kohlendioxid, Bewegung und der Geruch von getragenen Socken ziehen manche Mückenarten an. Richtig gefährlich sind Insekten, wenn sie in den Mund oder Rachen stechen, und für Menschen mit starken Allergien.

Füchse: Achtung Fuchsbandwurm

40 bis 60 Prozent der Schweizer Füchse scheiden mit dem Kot Eier des Fuchsbandwurms aus. Dieser Parasit kann für den Menschen sehr gefährlich werden. Etwa einer von zehn Hunden infiziert sich irgendwann im Lauf seines Lebens mit dem Fuchsbandwurm. Bei Hunden, die auf dem Land leben, steckt sich mutmasslich sogar jeder zweite innerhalb seiner ersten drei Lebensjahre an. Das kann passieren, wenn der Hund rohe Innereien und Schlachtabfälle frisst, die sogenannte Zwischenstadien des Fuchsbandwurms enthalten. Der Mensch infiziert sich zum Beispiel über Fuchsbandwurmeier im Kot oder im Fell des Hundes.

Tipps

  • Nach einem Mückenstich zu kratzen ist verkehrt. Denn dabei wird der Mückenspeichel in der Haut verteilt und es juckt noch stärker. Eine aufgelegte, halbierte Zwiebel soll lindernd wirken.
  • Wer jemals auf einen Insektenstich (oder anderes) stark allergisch reagiert hat, sollte dies ärztlich abklären lassen und wenn nötig stets ein Notfallset mit sich führen. Bei Atemproblemen, Nesselfieber, geschwollener Zunge oder Kollapsneigung sofort einen Arzt verständigen.
  • Spülen Sie Bisswunden mehrere Minuten lang mit sauberem Wasser aus und desinfizieren Sie sie danach. Prüfen Sie, ob eine Auffrischimpfung gegen Tetanus (Wundstarrkrampf) nötig ist, und gehen Sie zum Arzt, wenn der Verdacht auf eine Infektion besteht (Rötung, Wärme, Anschwellen, Eiter aus der Wunde, Schmerzen, schmerzhafte Gelenkbewegung, Fieber oder Lymphknotenschwellung).
  • Falls machbar, das Tier und die Wunde fotografieren und die betroffene Stelle hochlagern und ruhigstellen.
  • Gute Hygiene im Umgang mit Lebensmitteln und Tieren beugt vielen Ansteckungen vor.
  • Nach jedem Kontakt mit Tieren oder ihren Ausscheidungen erst die Hände waschen, bevor man etwas isst oder sich ins Gesicht fasst.
  • Auch das gepflegteste Haustier kann zur Infektionsquelle werden. Im Allgemeinen geht von Tieren, die gut gehalten werden, aber ein kleineres Infektionsrisiko aus als von streunenden oder schlecht gehaltenen. Die Tiere, von denen die Infektion stammt, zeigen nicht immer Symptome.
  • Personen mit schweren chronischen Erkrankungen sollten nach Verletzungen durch Tiere immer zum Arzt gehen. Sie benötigen unter Umständen besondere Behandlung, zum Beispiel ein Antibiotikum.

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von Dr. med. Martina Frei,

veröffentlicht am 24.07.2020


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