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Gesünder leben?

Die wichtigsten Fragen zum Alkohol

Trägt der Bierbauch seinen Namen zu Recht? Woher kommt der Kater? 16 Fragen zu Alkohol, die Sie schon immer stellen wollten. Beantwortet vom Experten.

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Dr. med. David Fäh

Ernährungsexperte, Dozent FH Bern

Alkohol ist weniger dicht und damit bei gleichem Volumen leichter als Wasser. 1 Milliliter Wasser wiegt 1 Gramm, 1 Milliliter Alkohol hingegen ungefähr 0,8 Gramm. Hersteller geben den Alkoholgehalt ihrer Getränke in Volumenprozenten an. In 1 Deziliter Bier mit 5 Volumenprozenten stecken also nicht 5 Gramm Alkohol, sondern lediglich 4 (5 x 0,8); 1 Deziliter Wein mit 15 Volumenprozenten enthält 12 Gramm Alkohol und nicht 15.

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Dr. med. David Fäh

Ernährungsexperte, Dozent FH Bern

Auf den Verpackungen praktisch aller Lebensmittel steht, wie viel Fett, Zucker und Eiweiss im Produkt stecken. Auch der Gesamtkaloriengehalt wird angegeben. Die ist auch bei Süssgetränken und Fruchtsäften der Fall. Nicht so bei alkoholischen Getränken. Enthält Weizenbier mehr Kohlenhydrate als ein Pils? Ein süsser Sekt mehr als ein trockener? Wahrscheinlich. Und was steckt ausser Alkohol in einem Eierlikör, einem Fertigcocktail oder in einem Alkohol-Soda-Mischgetränk? Wir wissen es nicht, weil die Hersteller diese Angaben von Gesetzes wegen nicht machen müssen.

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Dr. med. David Fäh

Ernährungsexperte, Dozent FH Bern

Alkohol verteilt sich im wasserhaltigen Gewebe - sprich in den Muskeln - und nicht im Fettgewebe. Männer haben «von Natur aus» eine grössere Muskelmasse, bei Frauen ist in der Regel der Fettanteil höher. Damit verteilt sich bei Frauen der Alkohol in weniger Gewebe und sie erreichen bei gleichem Gewicht und gleicher konsumierter Alkoholmenge schneller höhere Pegel im Blut als Männer. Der Unterschied wird noch grösser, wenn man bedenkt, dass Männer meist auch noch schwerer sind als Frauen. Bei den Männern findet der Alkoholabbau auch bereits im Magen statt und auch der Abbau in der Leber ist durch einen «besseren Trainingseffekt» effizienter als bei den Frauen.

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Dr. med. David Fäh

Ernährungsexperte, Dozent FH Bern

Ethanol wird hauptsächlich von zwei Enzymen abgebaut. Eines davon ist immer gleich aktiv, das andere ist «trainierbar». Das MEOS genannte Enzym wird desto mehr produziert, je regelmässiger wir Alkoholhaltiges trinken. Dies ist aber nicht bei allen Völkern der Fall. Bei den meisten Asiaten fehlt das MEOS-Enzym oder es lässt sich nur schlecht «trainieren». Das erklärt, warum manche Chinesen oder Japaner nach einem Glas Wein so beschwipst sind, wie Mitteleuropäer nach einer Flasche.

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Dr. med. David Fäh

Ernährungsexperte, Dozent FH Bern

Manche starke Trinker fahren Lastwagen, obwohl sie eigentlich tot oder zumindest bewusstlos sein müssten. Schliesslich sind fünf Alkoholpromille und mehr im Blut lebensgefährlich, weil so viel Alkohol das Atemzentrum im Gehirn lähmt. Ein Mensch kann dies nur deshalb vertragen, weil sich der Körper an solche Alkoholmengen gewöhnt. Auch das Gehirn «lernt», mit den Alkoholeffekten umzugehen. Für einen weiteren Gewöhnungseffekt sorgt die sogenannte «Enzyminduktion»: Bei regelmässigem Alkoholkonsum produziert die Leber mehr vom Enzym, das Alkohol abbaut. Dadurch können Gewohnheitstrinker ihre Pegel schneller senken als Gelegenheitskonsumenten.

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Dr. med. David Fäh

Ernährungsexperte, Dozent FH Bern

Der Alkoholgehalt im Blut sinkt zwischen 0,1 und 0,2 Promille pro Stunde, je nach Alter, Geschlecht, genetischer Konstitution und Trinkgewohnheiten einer Person. Wer sich also einen Alkoholpegel von 1 Promille angetrunken hat, braucht zwischen 5 und 10 Stunden, um sein Blut komplett vom Alkohol zu befreien.

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Dr. med. David Fäh

Ernährungsexperte, Dozent FH Bern

Ja. Im Alter nimmt die Fähigkeit des Körpers, Alkohol abzubauen ab. Der Alkohol verteilt sich auch schlechter im Körper, weil im Alter der Körperfettanteil steigt. Damit kommen Senioren schneller auf höhere Blutalkoholwerte als junge Menschen, die eine gleiche Menge trinken. Ältere Menschen müssen häufig Medikamente einnehmen. Zusammen mit Alkohol kann ein gefährlicher Cocktail entstehen, der zu Stürzen führen kann, von denen sich Betroffene oft nur schwer wieder erholen.

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Dr. med. David Fäh

Ernährungsexperte, Dozent FH Bern

Es gibt keinen risikofreien Konsum. Statistisch gesehen steigt das Risiko für manche Krebsarten schon ab einem Glas Wein oder Bier am Tag. Auch der Gelegenheitskonsum erhöht das Risiko für Unfälle zu Hause, auf oder neben der Strasse.

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Dr. med. David Fäh

Ernährungsexperte, Dozent FH Bern

Es gibt mehr oder weniger ungesunde Trinkmuster. Typischerweise trinken Menschen in Mittelmeerländern ein oder zwei Gläschen zu einer Mahlzeit. Dabei geniessen sie traditionell lieber Rotwein als Bier oder Schnaps. Das mediterrane Muster ist für den Körper verträglicher. Dieser bildet durch den mässigen aber regelmässigen Konsum Enzyme, die den Alkohol schneller und effizienter unschädlich machen. Gleichzeitig finden Blutveränderungen statt, die das Risiko für manche Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken können. Wer die gleiche Menge Alkohol wie ein Mittelmeeranrainer anstatt über die Woche verteilt an einem Samstagabend trinkt, lebt gefährlicher. Die Belastung für den Körper ist deutlich grösser, das Unfall- und Suchtrisiko erhöht und mögliche positive Gesundheitseffekte fehlen. Dies macht die längere alkoholfreie Pause auch nicht wett.

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Dr. med. David Fäh

Ernährungsexperte, Dozent FH Bern

Indem ich meine sonstigen Gesundheitsrisiken möglichst gering halte, und versuche gesund zu leben. Eine Ernährung, die reich an Früchten, Nüssen und Gemüse sowie Vollkornprodukten ist, jedoch arm an rotem Fleisch, ist mit einem reduzierten Krebsrisiko verbunden. Eine solche Ernährung kann also einen Teil des vom Alkohol ausgehenden Risikos kompensieren. Neuere Studien zeigen, dass regelmässige Kaffeetrinker seltener Leberzirrhose und Leberkrebs haben als Kaffeemuffel. Diese Lebererkrankungen kommen gehäuft bei Alkoholtrinkern vor. Die Kombination von Alkohol mit Kaffeekonsum kann aus der Optik der Lebergesundheit also Sinn machen. Um die Risiken möglichst gering zu halten, sollten Wein- und Bierliebhaber auf ihr Gewicht achten und vor allem nicht rauchen. Wer raucht und zudem trinkt, erhöht sein Krebsrisiko überproportional.

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Dr. med. David Fäh

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Viele Männer neigen zum Biertrinken und auch dazu, überschüssige Pfunde am Bauch anzusetzen. Aber stimmt die Schlussfolgerung «Bier gleich Bauch»? Tatsächlich enthält Alkohol reichlich Kalorien. Das heisst aber nicht automatisch, dass er dick macht. Der Körper verbrennt diesen bevorzugt. Zudem erweitert Alkohol die Hautgefässe, womit dem Körper viel Energie in Form von Wärme verloren geht. Auch das Umwandeln von Alkohol in Fett ist ineffizient. Es gibt Studien in denen Frauen, die ein bis zwei Gläser Wein am Tag trinken, leichter sind als abstinente Frauen. Alkohol beeinflusst aber das Essverhalten, indem er den Blutzucker senkt und damit den Appetit fördert. Alkoholische Getränke verleiten dazu, mehr und anders zu essen. Bier und Wein fördern also wahrscheinlich dann die Apfelfigur, wenn sie mit einer kalorienreichen Mahlzeit kombiniert werden. Somit müsste der Bierbauch viel mehr Pommes-Wurst-Bier-Bauch heissen.

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Dr. med. David Fäh

Ernährungsexperte, Dozent FH Bern

Das ist nicht restlos geklärt. Wahrscheinlich ist es eine Kombination aus vielen Effekten, die der Alkohol auf den Körper ausübt. Dazu zählen Entzündungsreaktionen, Entwässerung und die Veränderung des Säure-Basen- und Elektrolythaushaltes. Auch entstehen Abbaustoffe von Alkohol, die einen alt aussehen lassen. Besonders problematisch sind Stoffe, die entstehen, wenn die Leber Fuselalkohole verstoffwechselt. Zu diesen gehört beispielsweise Methanol, das in grösseren Mengen blind macht oder einen sogar umbringt. Methanol entsteht besonders beim Destillieren, vor allem, wenn Früchte verwertet werden. Fuselalkohole entstehen aber auch beim Vergären. Weizenbier enthält mehr davon als ein Lager, Rotwein etwas mehr als Weisswein oder Prosecco.

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Dr. med. David Fäh

Ernährungsexperte, Dozent FH Bern

Manche trinken ein Bier gegen die Kopfschmerzen am Tag danach. So dumm ist das gar nicht. Ethanol «verdrängt» nämlich die Verstoffwechslung von Fuselalkoholen, weil es von der Leber bevorzugt verarbeitet wird. Damit entstehen weniger Stoffe aus dem Abbau von Fuselalkoholen, die Kopfschmerzen und andere Katersymptome verursachen. So viel zur Theorie. Ob das Bier danach tatsächlich zur Linderung von Katersymptomen beiträgt, ist nicht bekannt. Ebenso fehlt der Wirkungsnachweis für alle Mittelchen und Pülverchen, von denen Hersteller behaupten, dass sie Katersymptome lindern. Ausser natürlich Kopfschmerztabletten.

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Dr. med. David Fäh

Ernährungsexperte, Dozent FH Bern

Alkohol gelangt sehr leicht ins Gehirn. Dort beeinflusst er eine Hormondrüse. Sie produziert ein Hormon, das die Nieren dazu veranlasst, Wasser im Körper zurückzubehalten. Trinken wir Alkohol, hemmen wir im Gehirn die Produktion dieses «Antidiuretischen Hormons, ADH». Die Nieren nehmen weniger Wasser zurück ins Blut auf und scheiden mehr über den Urin aus. Wenn wir Bier, Wein oder Schnaps trinken, produzieren die Nieren also mehr Urin, als wenn wir die gleiche Menge eines nicht alkoholischen Getränks trinken. Je hochprozentiger das Getränk, desto stärker fällt die Entwässerung aus. Dies ist mit ein Grund für Katersymptome und auch für den Nachbrand nach einer durchzechten Nacht. Clevere Zecher trinken zu Alkoholischem also mindestens die gleiche Menge Wasser.

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Dr. med. David Fäh

Ernährungsexperte, Dozent FH Bern

Wer Bier, Wein oder Härteres konsumiert, kann die Aufnahme von Alkohol ins Blut mit gleichzeitigem oder etwas vorgelagertem Essen beeinflussen. Vor allem fettreiche Speisen verzögern die Absorption von Alkohol. Fettes bleibt besonders lange im Magen und bewirkt, dass sich sein Inhalt langsamer in den Dünndarm entleert. Erst dort findet der Grossteil der Aufnahme von Alkohol und anderer Nährstoffe in den Körper statt. Den Abbau von Alkohol können wir aber durch Essen oder Trinken nicht beeinflussen, selbst wenn dies Hersteller von «Abbaubeschleuniger» immer wieder behaupten.

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Dr. med. David Fäh

Ernährungsexperte, Dozent FH Bern

Dazu gibt es widersprüchliche Resultate. Manche Studien zeigen, dass Weintrinker ein geringeres Risiko haben an Krebs oder Bluthochdruck zu erkranken als Menschen, welche die gleiche Alkoholmenge in Form von Bier oder Schnaps konsumieren. Zugeschrieben wird dies den sekundären Pflanzenstoffen im Wein, allen voran dem sogenannten "Resveratol". Unterschiede zwischen den Alkoholquellen könnten aber auch daran liegen, dass sich Weinliebhaber bezüglich Gesundheit vorteilhafter verhalten als Bier- oder Schnapstrinker und die Studie das nicht genügend berücksichtigen konnten. Betrachtet man die aktuelle Studienlage, so kommt man am ehesten zum Schluss, dass der Alkohol alleine oder zumindest überwiegend für die positiven und negativen gesundheitlichen Konsequenzen verantwortlich ist. Das bedeutet: Wein ist wahrscheinlich nicht "gesünder" als Bier.

von Dr. med. David Fäh,

publiziert am 10.11.2017