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Gesünder leben?

Warum ein Sixpack die Knie schützt

Ein Viertel der Sportunfälle ereignen sich beim Fussball. Viele davon würden sich vermeiden lassen.

Jedes Jahr verlassen etwa 82’000 Menschen in der Schweiz den Fussballplatz lädiert. Meist humpelnd, denn die unteren Extremitäten sind am häufigsten betroffen.

Etwa 40 Prozent der Fussballverletzungen betreffen laut der Suva Unterschenkel, Knöchel oder Füsse, fast 20 Prozent die Knie. Vor allem die «unhappy triad» ist dort gefürchtet. Dabei reissen das Innenband, das vordere Kreuzband und der Meniskus.

Nur 15 Minuten Training

Verstauchungen, Muskel- und Sehnenverletzungen machen das Gros der Verletzungen aus. Ein erheblicher Teil davon liesse sich jedoch vermeiden.

Zum Beispiel mit einem 15-minütigen Trainingsprogramm, das am «FIFA Medical Center» an der bayrischen Universität Regensburg entwickelt wurde. Es trainiert genau die Fähigkeiten, die üblicherweise im Training zu kurz kommen.

Halb so viele Knieverletzungen

«In einer Studie mit 62 Mannschaften konnten wir zeigen, dass damit die Zahl der schweren Knieverletzungen halbiert wird», sagt der Studienleiter Werner Krutsch. «Das Kreuzband zum Beispiel reisst häufig, weil die Landung nach einem Sprung nicht richtig klappt. Oft wird im Training das Sprung- und Landetraining vernachlässigt.»

Auch das Stärken der Becken-Beinachse sei wichtig. «Knickt man im Knie um, ist man meist vorher schon in der Hüfte eingeknickt. Das kann man wegtrainieren, indem man die Becken-Bein-Muskulatur stärkt», sagt der Sporttraumatologe.

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Keine Langeweile aufkommen lassen

Tipps zur Unfallverhütung beim Fussball
  • In Kleingruppen mit 3 bis 5 Spielern (inklusive Torhüter) passieren weniger Unfälle
  • Immer Schienbeinschoner mit integriertem Knöchelschutz tragen
  • Fussballschuhe auf die Spielunterlage abstimmen (Nockenschuhe, Tausendfüssler, Hallenschuhe). Joggingschuhe sind nicht geeignet
  • Nicht nur die Beine, sondern den ganzen Körper regelmässig trainieren
  • Gut aufwärmen
  • Keinen Alkohol vor dem Training und dem Spiel
  • Bei Nässe – wenn möglich – nicht auf Rasen spielen
  • Spiel bei Gewitter unterbrechen
  • Brillenträger sollten Kontaktlinsen oder eine Sportbrille tragen
  • Tore gegen das Umfallen sichern
  • Alternative Futsal: Bei diesem südamerikanischen Spiel ist praktisch jeder Körperkontakt verboten und gilt als Foul

Wer sein Verletzungsrisiko bestimmen will, kann den Online-Test der Suva machen.

Auch wenn das Spiel mit den Füssen geschieht, darf der Rest des Körpers nicht vergessen gehen. Darauf wies auch die Suva schon hin: «Grümpi-Kicker mit Sixpack verletzen sich seltener.» Der Grund: Ein trainierter Rumpf verbessert die Koordination.

Ebenfalls vorbeugend wirkt das «11+»-Aufwärmprogramm der FIFA, das dem in Regensburg entwickelten Training als Basis diente. «Wichtig sind bei unserem Programm auch Variationen, damit die Spieler es regelmässig machen.

Anzeichen der Gehirnerschütterung

Die entscheidende Schnittstelle sind die Trainer», sagt Krutsch. Gelinge es dem Coach, das verletzungsreduzierende Trainingsprogramm «wie ein Kochrezept mit eigenen Varianten» konstant anzuwenden, sei das Training nachhaltig.

Auch was die Köpfe der Spieler betrifft, gibt es Verbesserungspotenzial. «Viele Gehirnerschütterungen im Fussball werden von den Spielern nicht berichtet», sagt Nina Feddermann-Demont vom Swiss Concussion Center in Zürich, das auf solche Verletzungen spezialisiert ist. «Oft sind die Anzeichen einer Gehirnerschütterung unspezifisch: Müdigkeit, Kopfweh, Schwindel, Sehstörungen.»

Mehrwöchige Trainingspause nötig

Wichtig sei, die Symptome adäquat zu diagnostizieren und zu behandeln. In manchen Fällen helfe eine anfängliche Ruhephase, in andern Fällen seien spezifische Behandlungen notwendig. Ob Kopfbälle dem Gehirn schaden – und langfristig zum Beispiel zu einer Demenz führen können –, ist stark umstritten. Bisher gibt es keine handfesten Beweise dafür.

von Dr. med. Martina Frei,

publiziert am 13.06.2018


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