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11 typische Sportverletzungen – und wie Sie sich schützen

Sport treiben macht Spass und hält uns in Form. Worauf Sie achten müssen, damit Sie sich nicht verletzen, welche Stellen besonders gefährdet sind – und was hilft, wenn doch etwas passiert.

Herr und Frau Schweizer sind äusserst sportlich. Als anno 2000 die erste «Sport Schweiz»-Erhebung durchgeführt wurde, trieben 36 Prozent der Bevölkerung mehrmals pro Woche drei oder mehr Stunden Sport. Letztes Jahr, also 20 Jahre später, erreichte die Marke 51 Prozent. Ein Spitzenwert, gerade auch im europäischen Vergleich: Die Schweiz zählt mit Schweden, Dänemark und Finnland zu den sportlichsten Ländern Europas.

Doch, wo Menschen sich körperlich aktiv betätigen, kann das schon mal ins Auge – oder auf andere Körperteile – gehen. So haben sich 2020 – ebenfalls gemäss den Erkenntnissen von «Sport Schweiz» – 9 Prozent der Bevölkerung beim Sporttreiben verletzt. Zwei Drittel zum Glück nur leicht, ein Drittel allerdings so, dass eine Arbeitsunfähigkeit von mehr als drei Tagen die Folge war.

«Unterschieden werden muss zwischen akuten Verletzungen und Überlastungen», sagt Dr. med. Sibylle Matter, Leiterin Sportmedizin bei Medbase Bern Zentrum. In ihrer Praxis sieht die einstige Profi-Triathletin im ersteren Fall am häufigsten Leute mit Knöchel- oder Knieverletzungen. «Ein Resultat von Misstritten oder Verdrehern, oft beim Joggen oder bei Spielsportarten», so Matter. Bei Überlastungen seien Sehnenansatz-Entzündungen im Beinbereich häufig. Achillessehne, Kniescheibensehne, die Hamstrings am hinteren Oberschenkel – alles kann betroffen sein. Meist ist das eine Folge von ungenügender Stabilität beim Laufsport oder eben auch bei Spielsportarten.

In welchen Sportarten man sonst noch Gefahr läuft, etwas abzubekommen, welche Körperteile gefährdet sind und wie man sich schützt? Im Folgenden finden Sie Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um Sportverletzungen.

Was sind die häufigsten Sportverletzungen?

Durch einen Stoss, einen Schlag, einen Zusammenprall oder bei einem Sturz können am Körper Prellungen, im medizinischen Sprachgebrauch Kontusionen, entstehen. Das heisst, das Gewebe wird an der betroffenen Stelle gequetscht. Die Haut selber bleibt aber intakt, und es ist auch nichts gebrochen. Von Knochen über Muskeln bis hin zu Sehnen – alles kann eine Prellung erleiden. Zu den Klassikern gehören Ellenbogen-, Knie-, Schulter- sowie Rippenprellungen. Auch Organe wie Leber, Lunge, Hirn oder die Augen (Treffer durch einen Ball) können solche Verletzungen erleiden. Unterschieden wird zwischen leichten und schweren Prellungen. Bei Letzteren schwillt das Gewebe an, und es kommt zu einem Bluterguss, auch Hämatom genannt. Dieses entsteht, weil durch die Gewalt von aussen kleine Blutgefässe zerplatzen und deshalb Blut ins Gewebe gelangt. Prellungen sind schmerzhaft, wenn der betroffene Körperteil bewegt oder belastet wird. In der Regel heilen sie – je nach Ausmass – nach zwei bis drei Wochen wieder ab. Gerade Rippenprellungen können aber oftmals sogar monatelang schmerzhaft sein.

Vorkommen

Häufig bei Kontaktsportarten wie Fussball, Basketball, Eishockey, Kampfsportarten wie (Kick-)Boxen, Karate oder Kung Fu und bei Sportarten, die Sturzgefahr bergen wie Velofahren, Inlineskaten, Skifahren oder Wandern.

Wichtig

Prellungen im Schädelbereich sollten immer ärztlich untersucht werden! Auch wenn besonders empfindliche Stellen betroffen sind wie beispielsweise die Augen, empfiehlt sich der Gang zum Arzt. Sind Sie unsicher, was zu tun ist, lassen Sie sich in einer Apotheke beraten.

Zu einer Verstauchung, medizinisch Distorsion genannt, kommt es meist dann, wenn ein Gelenk verdreht wird. Dabei wird die Gelenkkapsel, eine straffe Umhüllung des Gelenks, in Mitleidenschaft gezogen. Die damit verflochtenen Bänder, die die Knochen verbinden, die vor und nach dem Gelenk liegen, werden ebenfalls überdehnt. Weil auch kleine Blutgefässe verletzt werden, kommt es zu einem Bluterguss und einer starken Schwellung. Die Beweglichkeit des betroffenen Gelenks ist eingeschränkt. Verstauchungen sind sehr schmerzhaft. Sie heilen in der Regel nach vier bis sechs Wochen aus.

Vorkommen

Bei Stop-and-go-Sportarten wie Fussball, Tennis, Badminton oder Basketball häufig am Sprung- oder Kniegelenk, bei Volleyball oft an den Fingern. Weil Stürze, zum Beispiel beim Snowboarden oder Inlineskaten, meist mit den Händen aufgefangen werden, kommt es auch zu Verstauchungen am Handgelenk. Verstauchte Zehen finden sich oft bei Kampfsportarten.

Wichtig

Wiederholte Verstauchungen können die Bänder langfristig ausleiern, dadurch werden Gelenke instabil und neue Verstauchungen drohen. Kräftigt man die Muskulatur im betroffenen Bereich, zum Beispiel durch Krafttraining, lässt sich das Problem in vielen Fällen kompensieren. Lassen Sie sich sportmedizinisch oder physiotherapeutisch beraten, falls wiederholt Beschwerden auftreten.

Ein Bänderriss ist sozusagen die schlimmste Stufe einer Verstauchung, bei der die Bänder nicht nur überdehnt werden, sondern teilweise oder ganz reissen. Ursache ist eine mit Wucht passierende Verdrehung eines Gelenks. Betroffen sein können die Aussenbänder, die Innenbänder, die Kreuzbänder oder in schweren Fällen sämtliche Bänder, die ein Gelenk stabilisieren. Das Reissen eines Bands ist unter Umständen sogar hörbar. Ein Bänderriss tritt plötzlich auf und verursacht Schmerzen. Das betroffene Gelenk lässt sich nicht mehr belasten und schwillt an. Eine Blaufärbung durch einen Bluterguss kann, muss aber nicht sein.

Vorkommen

Häufig anzutreffen bei Stop-and-go-Sportarten wie Fussball, Tennis, Basketball, aber auch beim Skifahren oder im Laufsport. Betroffen sind vor allem Sprunggelenke, Knie, Handgelenke und die Schultern. Im Handball oder beim Volleyball können auch die Finger in Mitleidenschaft gezogen werden.

Wichtig

Bänderrisse sollten medizinisch abgeklärt werden. Je nach Schweregrad kann eine Operation nötig sein. In leichten Fällen reicht es, das Gelenk eine Weile zu bandagieren und das Gelenk allenfalls durch gezielte Übungen unter physiotherapeutischer Anleitung zusätzlich zu stabilisieren. Bereits erlittene Verletzungen gelten als Risikofaktor – genau wie zu wenig oder übermässiges Training und Übergewicht.

Während Bänder Knochen mit Knochen verbinden, verbinden Sehnen die Muskeln mit den Knochen. Am Sehnenansatz kann es durch Überlastung zu Reizungen und Entzündungen kommen. Häufig kommt das am Ellenbogen vor, und zwar aufgrund einer Überlastung. Je nachdem, welche Sehnen betroffen sind, spricht man vom Tennisarm oder vom Golfer-Ellenbogen. Auch die Achillessehne kann sich entzünden.

Vorkommen

Wie die Bezeichnungen schon verraten, häufig bei Tennisspielern oder Golfern. Bei Läufern ist oft die Achillessehne betroffen.

Wichtig

Pausieren! Im Akutfall kühlen, bei chronischen Zuständen wärmen. Das Training erst dann wieder aufnehmen, wenn man keine Schmerzen mehr hat. Und den Trainingsplan nach unten anpassen, um eine weitere Überlastung zu vermeiden. Begleitend unterstützende Übungen ausführen, die die Beschwerden nicht verschlimmern.

Wie Bänder können auch Sehnen teilweise oder ganz reissen, meist durch Überbelastung oder Abnützung. Solche sogenannten Rupturen treten plötzlich und oft mit einem hörbaren Knall auf. Im Anschluss kommt es zu Schmerzen, Schwellungen und einem Bluterguss. Der Muskel, dessen Sehne gerissen ist, kann verformt erscheinen und hat keine Kraft mehr. Häufig sind Bizeps oder die Achillessehne betroffen.

Vorkommen

Wurfsportarten, Kraftsport und Golfen können eine Bizepssehnenruptur begünstigen. Eine Achillessehnenruptur trifft man häufig bei Läufern und bei Stop-and-go-Sportarten wie zum Beispiel Tennis oder Badminton an. Auf die individuellen Bedürfnisse und den eigenen Laufstil angepasstes Schuhwerk kann helfen, Problemen vorzubeugen. Ist die Sehne gereizt, empfiehlt es sich, sich medizinisch oder physiotherapeutisch beraten zu lassen.

Im Bereich des Knies kann es durch Sport zu anhaltenden und stechenden Schmerzen kommen, die sich dann auch beim regulären Gehen bemerkbar machen. Auch am Schienbein können Beschwerden auftreten. In diesem Fall spricht man vom Schienbeinkanten-Syndrom oder von Shin Splints. In beiden Fällen liegt eine Überlastung des Bewegungsapparats durch zu häufiges, zu intensives oder falsches Training vor.

Vorkommen

Am Knie oft bei Langstreckenläufern, deshalb wird es auch Läuferknie genannt. Velofahrer können auch betroffen sein. Auch die Shin Splints sind eine typische Läuferkrankheit.

Wichtig

Passen Sie Ihren Trainingsplan an. Weniger ist manchmal mehr. Hören Sie auf frühzeitige Signale des Körpers. Holen Sie sich allenfalls Experten-Tipps, wie Sie Ihren Laufstil verbessern können. Und tragen Sie Schuhe, die Ihre individuellen Bedürfnisse abdecken. Mit einer kostenlosen 3D-Fuss- und Laufanalyse finden Sie Ihren persönlichen perfekten Laufschuh. Nutzen Sie auch die kostenlose Live-Videoberatung.

Muskeln bestehen aus vielen einzelnen Fasern. Diese können genauso reissen wie Bänder oder Sehnen. Schuld sind oft Überbelastung, Untrainiertheit oder mangelhaftes Aufwärmen vor dem Sport. Muskelfaserrisse treten plötzlich auf und fühlen sich an wie ein Messerstich. Im Anschluss verweigert der betroffene Muskel seinen Dienst und schmerzt, wenn man ihn anspannt. Es kann auch eine Delle sicht- oder tastbar sein. Auch ein Bluterguss ist möglich. Es kann sogar so weit kommen, dass ein Muskel als Ganzes reisst.

Vorkommen

Häufig bei Stop-and-go-Sportarten wie Fussball, Handball, Tennis, Squash und bei Kurzstreckensprints. Muskelfaserrisse zählen zu den häufigsten Sportverletzungen.

Wichtig

Ist ein Muskelfaserriss oder Muskelriss abgeklungen, ist es wichtig, dass man nicht sofort auf dem gleichen Level wie vorher weitertrainiert, sondern sich langsam herantastet, da man nicht gleich fit ist wie zuvor. Eine gute Bewegungskoordination und eine gute Fitness beugen dieser Art von Verletzungen vor – genauso wie eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und Aufwärmen vor dem Sport. Halten Sie sich zwischen zwei Sporteinsätzen mit entsprechender Überziehkleidung warm.

Bei einem Muskelfaserriss reissen die Muskelfasern, bei einer Zerrung werden sie durch eine leichte Überlastung lediglich zu fest gedehnt. Eine Zerrung äussert sich mit ziehenden, krampfartigen Schmerzen. Diese machen sich langsam bemerkbar und werden nach und nach stärker. Der Muskel fühlt sich angespannt an, ausschütteln oder massieren bringen jedoch keine Linderung. Leichte Formen von Muskelzerrungen können innerhalb einer Woche wieder verschwinden. Oftmals spürt man die Schmerzen aber für drei bis vier Wochen, vor allem bei starken Belastungen.

Vorkommen

Muskelzerrungen zählen zu den häufigsten Sportverletzungen und können sich bei allen Sportarten ereignen. Oft betroffen sind Oberschenkel, Waden oder – gerade beim Fussball – die Leisten. Im letzten Fall spricht man von einer Adduktorenzerrung. Ursache sind meist ein schlechter Trainingszustand, zu wenig Flüssigkeitsaufnahme, ruckartige Bewegungen oder mangelhaftes Aufwärmen vor dem Sport.

Wichtig

Wer eine Zerrung erleidet, sollte nicht weiter Sport ausüben! Vielmehr sind zwei bis drei Tage Pause angesagt, bis sich der gezerrte Muskel erholt hat. Danach sind leichte schmerzfreie Belastungen wichtig! Massagen, Elektrotherapie, Lymphdrainage und Tape-Verbände können helfen.

Wirkt von aussen unvermittelt eine grosse Kraft auf ein Gelenk ein, kann es sein, dass einer der Knochen, die zu diesem Gelenk gehört, «aus der Schiene springt». Oder anders ausgedrückt: Man hat sich plötzlich die Schulter ausgekugelt. Oder den Ellenbogen, einen Finger oder die Kniescheibe ausgerenkt. Schuld an einer solchen Verletzung ist häufig ein Sturz oder eine Überkopf-Bewegung. Die betroffenen Körperteile lassen sich im Anschluss nicht mehr korrekt bewegen, und es treten teils grosse Schmerzen auf. Luxationen sind ein medizinischer Notfall.

Vorkommen

Luxationen können sich bei allen Sportarten ereignen. Häufig kommen sie bei Wurfsportarten vor, bei denen der Arm über den Kopf gehoben werden muss. Im Winter trifft man sie schon mal bei Snowboardern an. Weil beide Füsse auf dem Brett fixiert sind, landen diese bei Stürzen häufig auf der Schulter. Ausgerenkte Finger finden sich vor allem bei Sportarten wie Volleyball, Handball und Basketball.

Wichtig

Stellen Sie das betroffene Gelenk ruhig, bis professionelle Hilfe kommt. Überlassen Sie das Wiedereinrenken dem Arzt oder der Ärztin! Bei unsachgemässem Vorgehen kann es zu Nervenschädigungen kommen. Wie bei Verstauchungen werden auch bei Luxationen die Bänder überdehnt. In der Folge springen die betroffenen Knochen leichter aus dem Gelenk. Mit gezieltem Krafttraining und Physiotherapie kann die Muskulatur rund um das betroffene Gelenk so aufgebaut werden, dass sie dieses stabilisiert. In schweren Fällen und bei wiederholtem Auskugeln ist eine Operation nötig, um das Gelenk zu stabilisieren.

Unsere Knochen halten sehr viel aus. Bei zu grosser Krafteinwirkung von aussen kann es aber vorkommen, dass sie brechen. Häufig passiert das bei Stürzen, aber auch, wenn man mit jemandem zusammenprallt. Brüche können auch die Folge von zu starker Belastung sein. In diesem Fall spricht man von Ermüdungsbrüchen. Brüche verursachen meist grosse Schmerzen, der betroffene Körperteil lässt sich nicht mehr bewegen. Es kommt zu Schwellungen und Fehlstellungen. Tritt der Knochen durch die Haut aus, spricht man von einem offenen Bruch. Eine Fraktur ist immer ein medizinischer Notfall!

Vorkommen

Zum Beispiel bei Kontaktsportarten wie Fussball. Bei einem Tritt kann es das Schien- oder Wadenbein treffen. Handgelenksbrüche finden sich oft bei Inlineskatern oder Snowboardern, die ohne Handgelenkschützer unterwegs sind. Ermüdungsbrüche im Mittelfussknochen sind eine typische Läuferkrankheit. Aber auch beim Wandern in steinigem Gelände können bei Fehltritten Brüche auftreten

Wichtig

Stellen Sie den verletzten Körperteil ruhig, indem Sie ihn beispielsweise mit einer Binde fixieren. Kühlen Sie ihn vorsichtig. Offene Brüche sollten möglichst steril abgedeckt werden, bis Hilfe eintrifft. Offene und komplizierte geschlossene Brüche müssen operiert werden. In den anderen Fällen hilft eine Ruhigstellung mit Gips- oder anderen fixen Verbänden. Bis Knochen zusammengewachsen sind, dauert es bis zu acht Wochen. Ist der Knochen wieder heil, sollte mit Hilfe von physiotherapeutischer Unterstützung die Muskelkraft rund um die Bruchstelle herum wieder aufgebaut werden.

Unser Gehirn ist sehr empfindlich. Um es zu schützen, hat es die Natur gut eingepackt: Der Schädel bildet eine «Panzerung» nach aussen, innen schwimmt es in der Gehirnflüssigkeit. So können Stösse gut abgefedert werden. Sind die Stösse allerdings zu stark, kann das Gehirn innen gegen die Schädeldecke prallen. In der Folge kann es zu Schwindel, Übelkeit, Sehstörungen und Erbrechen sowie Erinnerungslücken und kurzer Bewusstlosigkeit kommen. Dies stellt ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma dar. Die Symptome können wenige Stunden bis mehrere Tage andauern. Wichtig ist, auf wiederkehrende Symptome wie zum Beispiel Kopfweh oder Schwindel zu achten und die Rückkehr zum Sport stückweise zu gestalten. Folgeschäden sind keine zu erwarten. Hält die Bewusstlosigkeit länger als 15 Minuten an, liegt ein schwereres Schädel-Hirn-Trauma vor. Kopfverletzungen sollten in jedem Fall ärztlich untersucht werden. 

Vorkommen

Überall dort, wo sich Stürze ereignen können, zum Beispiel beim Velofahren, InlineskatenSnowboarden oder Skifahren. Aber auch bei Kontaktsportarten wie American Football, Rugby oder Fussball, wenn zum Beispiel bei Zweikämpfen in der Luft die Köpfe zusammenstossen.

Wichtig

Weil sich Beschwerden auch erst einige Zeit nach dem Ereignis zeigen können, sollte man Patienten mit Verdacht auf Gehirnerschütterung unter Beobachtung halten.

Welche Körperteile trifft es am meisten?

Bei welchen Sportarten ist die Verletzungsgefahr am grössten?

Am meisten Sportunfälle passieren gemäss der «Sport Schweiz»-Erhebung beim Fussball, Jogging, Laufen, Velofahren, Skifahren und Wandern. Das ist wenig überraschend, denn die vier letztgenannten Disziplinen werden hierzulande – zusammen mit Schwimmen – auch am häufigsten betrieben.

Berücksichtigt man neben der Häufigkeit die Anzahl Personen, die eine Sportart ausüben, ist das Verletzungsrisiko bei Fussballern, Handballern, Basketballern und Eishockeyspielern am höchsten.

Als beachtlich gilt das Verletzungsrisiko bei Leichtathletik, Volleyball, Kampfsport und Reiten sowie bei Tennis, Squash und Badminton.

Am meisten schwere Verletzungen, die eine Arbeitsunfähigkeit von mehr als drei Tagen nach sich ziehen, ereignen sich bei Ski- und Snowboardtouren, beim Inlineskating, Reiten, Radfahren, Klettern und Skifahren.

Was versteht man unter der PECH-Regel?

«Jede Minute, die in den ersten zehn Minuten nach der Verletzung verstreicht, ohne dass etwas unternommen wird, bedeutet einen Tag länger Reha», liess sich Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, langjähriger Mannschaftsarzt des FC Bayern München und der deutschen Fussball-Nationalmannschaft, dereinst im Lifestylemagazin «Fit For Fun» zitieren.

Teilt Hannah Bröcker, dipl. Sportphysiotherapeutin im Medbase Sports Medical Center Zürich, diese Ansicht? «Wenn man unmittelbar nach einer Verletzung etwas dagegen unternehmen kann, fällt die Schwellung geringer aus, und der Heilprozess dauert weniger lang. Das ist so», sagt sie.

Etabliert hat sich als Erste-Hilfe-Massnahme bei Weichteilverletzungen wie Prellungen, Zerrungen, Muskelschmerzen, Bänderrissen und ausgekugelten Gelenken die PECH-Regel:

P wie Pause

Erleiden Sie bei der Ausübung Ihres Sports eine Verletzung oder treten plötzlich Schmerzen auf, unterbrechen Sie sofort die Aktivität! Auf die Zähne beissen und allenfalls mit Schmerzmitteln weiterzumachen, ist eine schlechte Idee! Denn das kann eine Verschlimmerung zur Folge haben und die Heilung erschweren beziehungsweise verzögern.

E wie Eis

Kühlen Sie die Verletzung so schnell wie möglich. Mit Eis, Kühlpads, die im Eisfach gelagert werden, oder mit Sofort-Kühlbeuteln, die durch eine chemische Reaktion kühlen und mit einem Handgriff aktiviert werden können. Letztere kann man – genau wie ein Eisspray – immer in der Sporttasche dabeihaben. «Ich ziehe aber richtiges Eis oder Coldpacks vor, weil sie am längsten kühlen», sagt Hannah Bröcker.

Die Faustregel beim Kühlen: Kühlpackungen nie direkt auf die Haut auflegen, um die Haut nicht zu schädigen. Jeweils 10 Minuten kühlen, 15 Minuten Pause machen, wieder 10 Minuten kühlen. Die ersten zwei Tage ständig wiederholen, danach NICHT MEHR KÜHLEN. «Ab dem dritten Tag strebt man eine gute Durchblutung des verletzten Bereichs an, denn mit dem Blut kommen die Aufräumzellen.» Also Finger weg vom Eis.

C wie Compression

Durch Compression, also Druck, auf das verletzte Gewebe können Bluterguss und Schwellung gemindert werden. Deshalb sollte mit einer elastischen Binde umgehend ein Druckverband angelegt werden. «Dabei gilt: Immer von der verletzten Stelle in Richtung hin zum Herzen bandagieren, damit das Blut zurückgedrängt wird und die Schwellung klein gehalten werden kann. Bei grossen Schwellungen steigen Druck und Schmerzen im verletzten Bereich. Und der Heilungsprozess dauert länger.» 

Ein Druckverband sollte fest sein, aber nichts abschnüren. «Der bandagierte Körperteil darf nicht kribbeln oder taub werden. Er darf durch das Bandagieren auch nicht viel dünner werden als der Teil davor oder dahinter», so Hannah Bröcker. 

Lassen sich auch selbsthaftende Bandagen verwenden? «Die sind weniger geeignet als elastische Binden, weil sie nicht nachgeben, wenn die Schwellung grösser wird, und man sie nicht laufend anpassen kann, weil sie dann nicht mehr halten.» 

H wie Hochlagern

Der verletzte Körperteil sollte hochgelagert werden. «Er muss dabei zwingend über der Herzhöhe liegen. Oder anders gesagt: Das Herz muss tiefer liegen als der Körperteil», erklärt Hannah Bröcker. In den meisten Fällen bedeutet das, dass man sich hinlegen muss. Die Fachfrau betont: «Hochlagern ist fast noch wichtiger als die Compression, um Schwellung und Einblutungen zu mindern.»

Was betont werden muss: Die PECH-Regel gilt im Akutfall und maximal in den ersten beiden Tagen nach einer Verletzung. Danach wird das P zum Problem. «Viele Menschen belasten den verletzten Körperteil wochenlang nicht. Das ist kontraproduktiv! Nach ein, zwei Tagen Schonung darf man seine Muskeln wieder benutzen, denn das fördert den Abtransport der Schwellung und verhindert, dass die Muskeln schwächer werden», sagt Hannah Bröcker. Auch kühlen sollte man nicht länger als zwei Tage (siehe E wie Eis).

In Fachkreisen empfiehlt man deswegen schon länger die POLICE-Regel:

  • P wie Protection
    Schutz des betroffenen Körperteils.
  • OL wie Optimal Load
    Eine dem Zustand angepasste Belastung. «Alles, was nicht wehtut, ist erlaubt. Und mit fortschreitender Heilung kann man die Belastung steigern», so Hannah Bröcker.
  • I wie Ice
    Eis auflegen.
  • C wie Compression
    Druckverband anlegen.
  • E wie Elevation
    Verletzten Körperteil hochlagern.

Die Notfallapotheke für Hobbysportler

Wann muss man zum Arzt?

Bei manchen Verletzungen ist auf Anhieb klar, dass ärztliche Hilfe nötig ist. Zum Beispiel bei offensichtlichen Brüchen oder ausgekugelten Körperteilen. Bei manchen Blessuren tappt man als Laie aber im Dunkeln. «Nehmen Sie den Schmerz und das eigene Empfinden als Grenze!», rät Sibylle Matter, Leiterin Sportmedizin bei Medbase Bern Zentrum. Hat man derart Schmerzen, dass man sie nur mit Schmerzmitteln aushält, sollte man hellhörig werden. «Und wenn man nach zwei Tagen des Zuwartens noch immer nicht laufen kann, ist es ratsam, zum Arzt oder zur Ärztin zu gehen.» Klingen Beschwerden nach einem Tag ab, stehen die Chancen gut, dass man auf dem Weg der Besserung ist und keine zusätzlichen Massnahmen nötig sind.

Zu welchem Arzt soll man gehen?

Wenn es sich nicht gerade um einen Notfall handelt, der einen ins Spital führt, ist bei  Sportverletzungen der Hausarzt oder die Hausärztin die richtige Anlaufstelle. «Für sportlich Aktive ist es sinnvoll, einen Hausarzt zu haben, der gleichzeitig auch Sportarzt ist. Viele Sportärzte sind auch hausärztlich tätig», sagt Sibylle Matter. Von Vorteil ist, wenn man sich bereits vor einer Verletzung einen Hausarzt zulegt. Denn nicht alle können neue Patienten aufnehmen. Und mit Schmerzen möchte man nicht herumtelefonieren müssen. Sportärzte können einen auch im Bezug auf das Training beraten und helfen, Fehler zu vermeiden. Für Einsteiger kann es eventuell sinnvoll sein, ihre Leistungsfähigkeit abzuklären, bevor sie mit dem Training für eine Sportart einsteigen. Besteht Aufbaubedarf, können Kurse für Kondition und Fitness, angeleitetes Krafttraining oder eventuell auch ein Personal Training helfen.

Wie behandelt der Arzt Sportverletzungen?

Landet man mit einer Sportverletzung beim Arzt, versucht dieser zunächst, mit Fragen herauszufinden, was genau passiert ist und ob schon vorgängig Beschwerden bestanden. «Eine gute Anamnese ist wichtig, um die Situation einschätzen zu können», betont Sibylle Matter. Danach folgt eine manuelle Untersuchung, um etwa Schwellungen und Blutungen zu ertasten. Aufgrund des Befunds wird entschieden, ob ein Ultraschallbild nötig ist oder geröntgt werden muss. Ein Alarmzeichen ist, wenn im verletzten Teil die Durchblutung gestört ist oder nur noch wenig Gefühl vorhanden ist. «Das deutet auf einen Nervenschaden hin.» Auch wenn der Patient einen Muskel nicht mehr anspannen kann, liegt ein Notfall vor. Dann muss schnell gehandelt und allenfalls operiert werden. Je nach Verletzung wird der betroffene Körperteil mit einem Gips oder einer Schiene ruhiggestellt. Schmerzmittel können helfen, wenn die Schmerzen sehr stark sind oder eine Entzündung gemildert werden muss. «Am häufigsten verschreibe ich nach Sportverletzungen aber nicht Mittel, sondern eine gezielte Physiotherapie», sagt Sibylle Matter. In leichten Fällen, zum Beispiel bei Zerrungen und Verstauchungen, können Salben und Gels mithelfen, Beschwerden zu lindern.

Mehr zur Therapie von Sportverletzungen lesen Sie hier

Wie oft und wer darf tapen?

Grundsätzlich unterscheidet man zwei Arten des Tapens: Tapen als funktioneller Verband und Tapen mit Kinesiotape. Im ersten Fall werden besonders Gelenke nach Verletzungen oder als Vorbeugung dagegen mit unelastischem Pflasterband fixiert. «Zum Beispiel wird so verhindert, dass instabile Fussgelenke umknicken. Bei Ballsportarten sieht man Tape häufig an Fingern, denn auf diese Weise werden sie vor weiteren Verletzungen bewahrt», sagt Medbase Sportphysiotherapeutin Hannah Bröcker. 

Tapen dürfe grundsätzlich jeder, meint sie weiter. «Es muss einem einfach jemand zeigen, wie es geht, damit man die Grundlagen versteht. Und manchmal gibt es Stellen, die man allein nur schwer erreicht.» Physiotherapeuten beraten und helfen in beiden Fällen gerne weiter. Wichtig: Das Sporttape darf nicht einschnüren, sollte also fest, aber nicht zu fest sitzen. Und es darf niemals unangenehm oder schmerzhaft sein.

Beim Tapen mit Kinesiotape soll die Muskelfunktion unterstützt werden. Auch Schmerzen sollen gelindert werden. «Die Wirksamkeit ist aber wissenschaftlich nicht belegt, deshalb scheiden sich beim Kinesiotaping die Geister», sagt Hannah Bröcker. Auch hier darf grundsätzlich jeder Tapen.

Korrektes Taping lässt sich in Kursen erlernen.

Auf die Frage, wie oft man tapen darf, sagt die Expertin: «Limitierender Faktor ist die Haut. Sie leidet bei Dauergebrauch, und es kann in seltenen Fällen offene Stellen geben. Dies kann durch viel schwitzen oder starke mechanische Reize begünstigt werden.» Ihre Empfehlung: zwischen zwei Tapings immer einen Tag Pause machen.

Wie kann man Sportverletzungen vorbeugen?

Vor dem Sport aufzuwärmen, ist ein Muss. «Aktivieren Sie die Gelenke und die Muskulatur so, dass der Körper in einen Zustand versetzt wird, in dem er für Sport bereit ist», erklärt Medbase Sportärztin Sibylle Matter. Fundamental wichtig sei zudem, genügend Stabilität für die Sportart zu haben, die man ausüben will. «Trainieren Sie deshalb Kraft und Koordination, auch wenn es nicht das ist, was am meisten Spass macht.» Sie empfiehlt beispielsweise einbeinige Übungen, Gleichgewichtsübungen auf dem Balance-Trainer oder Planks für die Rumpfstabilität. «Wenn man zu Hause zweimal pro Woche 20 Minuten Rumpf, Becken und Schultern trainiert, hat man schon sehr viel gemacht. Allein schon mit Körpereigengewicht kann man einiges erreichen.» Wer sein Training intensivieren möchte, kann sich im Fitnesscenter ein Programm zusammenstellen lassen oder allenfalls ein Personal Training buchen. Die letzten Tipps von Sibylle Matter: «Planen Sie einen guten Einstieg, wenn Sie neu mit einer Sportart beginnen. Fragen Sie eine Fachperson um Rat, um eine Überforderung zu vermeiden.» Und: «Geben Sie nicht nach zwei Wochen wieder auf, sondern ziehen Sie das Training mal zwei oder drei Monate durch. Meist stellt sich erst dann ein gutes Gefühl ein.»

Mehr über die Prävention lesen Sie hier

Was tun bei Blasen an Füssen und Händen?

Sie gelten zwar nicht als Sportverletzungen. Aber Blasen treten vor allem dann auf, wenn man aktiv ist – und können einem Joggen, Wandern oder Tennisspielen zünftig vergällen. «Blasen entstehen durch eine Überbeanspruchung der Haut in Folge von Reibung und Schweiss – eine tödliche Mischung. Es kommt zu einer Entzündung, durch die sich Wasser unter der Haut sammelt», erklärt Barbara Hugelshofer, Apothekerin und Geschäftsführerin der Medbase Apotheke Winterthur Altstadt.

Sie rät davon ab, Blasen aufzustechen. «Blasen entsprechen eigentlich einer feuchten Wundversorgung. Solange sie zu sind, bleibt die Wunde feucht und steril und kann optimal heilen.» Muss man sie dennoch mal aufstechen, zum Beispiel weil sie im Schuh schlicht zu viel Raum einnehmen, sollte man ein Compeed-Pflaster zur Hand haben. «So ein Pflaster ist wie eine Blase: Es schützt die Wunde vor Druck und Reibung und ermöglicht, dass sie in Ruhe heilen kann.» 

Die weiteren Tipps von Barbara Hugelshofer:

  • Für sportliche Aktivitäten Socken verwenden, die das Blasen-Risiko minimieren. «Viele schwören auf Wollsocken. Ich bevorzuge synthetische Spezialsocken», sagt Barbara Hugelshofer. Falls Sie unsicher sind, wofür Sie sich entscheiden sollen, nutzen Sie die kostenlose Live-Videoberatung von SportXX. Die Experten helfen gerne weiter.
  • Wenn man weiss, dass man von einem Schuh immer an der gleichen Stelle am Fuss eine Blase bekommt, bereits präventiv ein Compeed-Pflaster anbringen. «Vor dem Aufkleben aber die Stelle gut mit Wundbenzin reinigen, damit Fett und Schweiss entfernt werden und das Pflaster gut haftet.» 
  • Auch Anti-Blasen-Sticks lassen sich vorbeugend einsetzen. «Sie sorgen für einen Silikonfilm auf der Haut, der vor Reibung schützt.»
  • Compeed-Pflaster kann man auch für die Hände verwenden – präventiv oder um geschlossene oder offene Blasen zu verarzten.

Mehr über Blasen erfahren Sie hier

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von Ringier Brand Studio / Cilgia Grass,

veröffentlicht am 20.07.2021, angepasst am 27.07.2021


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