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11 typische Sportverletzungen – und wie Sie sich schützen

Sport treiben macht Spass und hält uns in Form. Worauf Sie achten müssen, damit Sie sich nicht verletzen, welche Stellen besonders gefährdet sind – und was hilft, wenn doch etwas passiert.

Herr und Frau Schweizer sind äusserst sportlich. Als anno 2000 die erste «Sport Schweiz»-Erhebung durchgeführt wurde, trieben 36 Prozent der Bevölkerung mehrmals pro Woche drei oder mehr Stunden Sport. Letztes Jahr, also 20 Jahre später, erreichte die Marke 51 Prozent. Ein Spitzenwert, gerade auch im europäischen Vergleich: Die Schweiz zählt mit Schweden, Dänemark und Finnland zu den sportlichsten Ländern Europas.

Doch, wo Menschen sich körperlich aktiv betätigen, kann das schon mal ins Auge – oder auf andere Körperteile – gehen. So haben sich 2020 – ebenfalls gemäss den Erkenntnissen von «Sport Schweiz» – 9 Prozent der Bevölkerung beim Sporttreiben verletzt. Zwei Drittel zum Glück nur leicht, ein Drittel allerdings so, dass eine Arbeitsunfähigkeit von mehr als drei Tagen die Folge war.

«Unterschieden werden muss zwischen akuten Verletzungen und Überlastungen», sagt Dr. med. Sibylle Matter, Leiterin Sportmedizin bei Medbase Bern Zentrum. In ihrer Praxis sieht die einstige Profi-Triathletin im ersteren Fall am häufigsten Leute mit Knöchel- oder Knieverletzungen. «Ein Resultat von Misstritten oder Verdrehern, oft beim Joggen oder bei Spielsportarten», so Matter. Bei Überlastungen seien Sehnenansatz-Entzündungen im Beinbereich häufig. Achillessehne, Kniescheibensehne, die Hamstrings am hinteren Oberschenkel – alles kann betroffen sein. Meist ist das eine Folge von ungenügender Stabilität beim Laufsport oder eben auch bei Spielsportarten.

In welchen Sportarten man sonst noch Gefahr läuft, etwas abzubekommen, welche Körperteile gefährdet sind und wie man sich schützt? Im Folgenden finden Sie Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um Sportverletzungen.

Was sind die häufigsten Sportverletzungen?

Welche Körperteile trifft es am meisten?

Bei welchen Sportarten ist die Verletzungsgefahr am grössten?

Am meisten Sportunfälle passieren gemäss der «Sport Schweiz»-Erhebung beim Fussball, Jogging, Laufen, Velofahren, Skifahren und Wandern. Das ist wenig überraschend, denn die vier letztgenannten Disziplinen werden hierzulande – zusammen mit Schwimmen – auch am häufigsten betrieben.

Berücksichtigt man neben der Häufigkeit die Anzahl Personen, die eine Sportart ausüben, ist das Verletzungsrisiko bei Fussballern, Handballern, Basketballern und Eishockeyspielern am höchsten.

Als beachtlich gilt das Verletzungsrisiko bei Leichtathletik, Volleyball, Kampfsport und Reiten sowie bei Tennis, Squash und Badminton.

Am meisten schwere Verletzungen, die eine Arbeitsunfähigkeit von mehr als drei Tagen nach sich ziehen, ereignen sich bei Ski- und Snowboardtouren, beim Inlineskating, Reiten, Radfahren, Klettern und Skifahren.

Was versteht man unter der PECH-Regel?

«Jede Minute, die in den ersten zehn Minuten nach der Verletzung verstreicht, ohne dass etwas unternommen wird, bedeutet einen Tag länger Reha», liess sich Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, langjähriger Mannschaftsarzt des FC Bayern München und der deutschen Fussball-Nationalmannschaft, dereinst im Lifestylemagazin «Fit For Fun» zitieren.

Teilt Hannah Bröcker, dipl. Sportphysiotherapeutin im Medbase Sports Medical Center Zürich, diese Ansicht? «Wenn man unmittelbar nach einer Verletzung etwas dagegen unternehmen kann, fällt die Schwellung geringer aus, und der Heilprozess dauert weniger lang. Das ist so», sagt sie.

Etabliert hat sich als Erste-Hilfe-Massnahme bei Weichteilverletzungen wie Prellungen, Zerrungen, Muskelschmerzen, Bänderrissen und ausgekugelten Gelenken die PECH-Regel:

P wie Pause

Erleiden Sie bei der Ausübung Ihres Sports eine Verletzung oder treten plötzlich Schmerzen auf, unterbrechen Sie sofort die Aktivität! Auf die Zähne beissen und allenfalls mit Schmerzmitteln weiterzumachen, ist eine schlechte Idee! Denn das kann eine Verschlimmerung zur Folge haben und die Heilung erschweren beziehungsweise verzögern.

E wie Eis

Kühlen Sie die Verletzung so schnell wie möglich. Mit Eis, Kühlpads, die im Eisfach gelagert werden, oder mit Sofort-Kühlbeuteln, die durch eine chemische Reaktion kühlen und mit einem Handgriff aktiviert werden können. Letztere kann man – genau wie ein Eisspray – immer in der Sporttasche dabeihaben. «Ich ziehe aber richtiges Eis oder Coldpacks vor, weil sie am längsten kühlen», sagt Hannah Bröcker.

Die Faustregel beim Kühlen: Kühlpackungen nie direkt auf die Haut auflegen, um die Haut nicht zu schädigen. Jeweils 10 Minuten kühlen, 15 Minuten Pause machen, wieder 10 Minuten kühlen. Die ersten zwei Tage ständig wiederholen, danach NICHT MEHR KÜHLEN. «Ab dem dritten Tag strebt man eine gute Durchblutung des verletzten Bereichs an, denn mit dem Blut kommen die Aufräumzellen.» Also Finger weg vom Eis.

C wie Compression

Durch Compression, also Druck, auf das verletzte Gewebe können Bluterguss und Schwellung gemindert werden. Deshalb sollte mit einer elastischen Binde umgehend ein Druckverband angelegt werden. «Dabei gilt: Immer von der verletzten Stelle in Richtung hin zum Herzen bandagieren, damit das Blut zurückgedrängt wird und die Schwellung klein gehalten werden kann. Bei grossen Schwellungen steigen Druck und Schmerzen im verletzten Bereich. Und der Heilungsprozess dauert länger.» 

Ein Druckverband sollte fest sein, aber nichts abschnüren. «Der bandagierte Körperteil darf nicht kribbeln oder taub werden. Er darf durch das Bandagieren auch nicht viel dünner werden als der Teil davor oder dahinter», so Hannah Bröcker. 

Lassen sich auch selbsthaftende Bandagen verwenden? «Die sind weniger geeignet als elastische Binden, weil sie nicht nachgeben, wenn die Schwellung grösser wird, und man sie nicht laufend anpassen kann, weil sie dann nicht mehr halten.» 

H wie Hochlagern

Der verletzte Körperteil sollte hochgelagert werden. «Er muss dabei zwingend über der Herzhöhe liegen. Oder anders gesagt: Das Herz muss tiefer liegen als der Körperteil», erklärt Hannah Bröcker. In den meisten Fällen bedeutet das, dass man sich hinlegen muss. Die Fachfrau betont: «Hochlagern ist fast noch wichtiger als die Compression, um Schwellung und Einblutungen zu mindern.»

Was betont werden muss: Die PECH-Regel gilt im Akutfall und maximal in den ersten beiden Tagen nach einer Verletzung. Danach wird das P zum Problem. «Viele Menschen belasten den verletzten Körperteil wochenlang nicht. Das ist kontraproduktiv! Nach ein, zwei Tagen Schonung darf man seine Muskeln wieder benutzen, denn das fördert den Abtransport der Schwellung und verhindert, dass die Muskeln schwächer werden», sagt Hannah Bröcker. Auch kühlen sollte man nicht länger als zwei Tage (siehe E wie Eis).

In Fachkreisen empfiehlt man deswegen schon länger die POLICE-Regel:

  • P wie Protection
    Schutz des betroffenen Körperteils.
  • OL wie Optimal Load
    Eine dem Zustand angepasste Belastung. «Alles, was nicht wehtut, ist erlaubt. Und mit fortschreitender Heilung kann man die Belastung steigern», so Hannah Bröcker.
  • I wie Ice
    Eis auflegen.
  • C wie Compression
    Druckverband anlegen.
  • E wie Elevation
    Verletzten Körperteil hochlagern.

Die Notfallapotheke für Hobbysportler

Wann muss man zum Arzt?

Bei manchen Verletzungen ist auf Anhieb klar, dass ärztliche Hilfe nötig ist. Zum Beispiel bei offensichtlichen Brüchen oder ausgekugelten Körperteilen. Bei manchen Blessuren tappt man als Laie aber im Dunkeln. «Nehmen Sie den Schmerz und das eigene Empfinden als Grenze!», rät Sibylle Matter, Leiterin Sportmedizin bei Medbase Bern Zentrum. Hat man derart Schmerzen, dass man sie nur mit Schmerzmitteln aushält, sollte man hellhörig werden. «Und wenn man nach zwei Tagen des Zuwartens noch immer nicht laufen kann, ist es ratsam, zum Arzt oder zur Ärztin zu gehen.» Klingen Beschwerden nach einem Tag ab, stehen die Chancen gut, dass man auf dem Weg der Besserung ist und keine zusätzlichen Massnahmen nötig sind.

Zu welchem Arzt soll man gehen?

Wenn es sich nicht gerade um einen Notfall handelt, der einen ins Spital führt, ist bei  Sportverletzungen der Hausarzt oder die Hausärztin die richtige Anlaufstelle. «Für sportlich Aktive ist es sinnvoll, einen Hausarzt zu haben, der gleichzeitig auch Sportarzt ist. Viele Sportärzte sind auch hausärztlich tätig», sagt Sibylle Matter. Von Vorteil ist, wenn man sich bereits vor einer Verletzung einen Hausarzt zulegt. Denn nicht alle können neue Patienten aufnehmen. Und mit Schmerzen möchte man nicht herumtelefonieren müssen. Sportärzte können einen auch im Bezug auf das Training beraten und helfen, Fehler zu vermeiden. Für Einsteiger kann es eventuell sinnvoll sein, ihre Leistungsfähigkeit abzuklären, bevor sie mit dem Training für eine Sportart einsteigen. Besteht Aufbaubedarf, können Kurse für Kondition und Fitness, angeleitetes Krafttraining oder eventuell auch ein Personal Training helfen.

Wie behandelt der Arzt Sportverletzungen?

Landet man mit einer Sportverletzung beim Arzt, versucht dieser zunächst, mit Fragen herauszufinden, was genau passiert ist und ob schon vorgängig Beschwerden bestanden. «Eine gute Anamnese ist wichtig, um die Situation einschätzen zu können», betont Sibylle Matter. Danach folgt eine manuelle Untersuchung, um etwa Schwellungen und Blutungen zu ertasten. Aufgrund des Befunds wird entschieden, ob ein Ultraschallbild nötig ist oder geröntgt werden muss. Ein Alarmzeichen ist, wenn im verletzten Teil die Durchblutung gestört ist oder nur noch wenig Gefühl vorhanden ist. «Das deutet auf einen Nervenschaden hin.» Auch wenn der Patient einen Muskel nicht mehr anspannen kann, liegt ein Notfall vor. Dann muss schnell gehandelt und allenfalls operiert werden. Je nach Verletzung wird der betroffene Körperteil mit einem Gips oder einer Schiene ruhiggestellt. Schmerzmittel können helfen, wenn die Schmerzen sehr stark sind oder eine Entzündung gemildert werden muss. «Am häufigsten verschreibe ich nach Sportverletzungen aber nicht Mittel, sondern eine gezielte Physiotherapie», sagt Sibylle Matter. In leichten Fällen, zum Beispiel bei Zerrungen und Verstauchungen, können Salben und Gels mithelfen, Beschwerden zu lindern.

Mehr zur Therapie von Sportverletzungen lesen Sie hier

Wie oft und wer darf tapen?

Grundsätzlich unterscheidet man zwei Arten des Tapens: Tapen als funktioneller Verband und Tapen mit Kinesiotape. Im ersten Fall werden besonders Gelenke nach Verletzungen oder als Vorbeugung dagegen mit unelastischem Pflasterband fixiert. «Zum Beispiel wird so verhindert, dass instabile Fussgelenke umknicken. Bei Ballsportarten sieht man Tape häufig an Fingern, denn auf diese Weise werden sie vor weiteren Verletzungen bewahrt», sagt Medbase Sportphysiotherapeutin Hannah Bröcker. 

Tapen dürfe grundsätzlich jeder, meint sie weiter. «Es muss einem einfach jemand zeigen, wie es geht, damit man die Grundlagen versteht. Und manchmal gibt es Stellen, die man allein nur schwer erreicht.» Physiotherapeuten beraten und helfen in beiden Fällen gerne weiter. Wichtig: Das Sporttape darf nicht einschnüren, sollte also fest, aber nicht zu fest sitzen. Und es darf niemals unangenehm oder schmerzhaft sein.

Beim Tapen mit Kinesiotape soll die Muskelfunktion unterstützt werden. Auch Schmerzen sollen gelindert werden. «Die Wirksamkeit ist aber wissenschaftlich nicht belegt, deshalb scheiden sich beim Kinesiotaping die Geister», sagt Hannah Bröcker. Auch hier darf grundsätzlich jeder Tapen.

Korrektes Taping lässt sich in Kursen erlernen.

Auf die Frage, wie oft man tapen darf, sagt die Expertin: «Limitierender Faktor ist die Haut. Sie leidet bei Dauergebrauch, und es kann in seltenen Fällen offene Stellen geben. Dies kann durch viel schwitzen oder starke mechanische Reize begünstigt werden.» Ihre Empfehlung: zwischen zwei Tapings immer einen Tag Pause machen.

Wie kann man Sportverletzungen vorbeugen?

Vor dem Sport aufzuwärmen, ist ein Muss. «Aktivieren Sie die Gelenke und die Muskulatur so, dass der Körper in einen Zustand versetzt wird, in dem er für Sport bereit ist», erklärt Medbase Sportärztin Sibylle Matter. Fundamental wichtig sei zudem, genügend Stabilität für die Sportart zu haben, die man ausüben will. «Trainieren Sie deshalb Kraft und Koordination, auch wenn es nicht das ist, was am meisten Spass macht.» Sie empfiehlt beispielsweise einbeinige Übungen, Gleichgewichtsübungen auf dem Balance-Trainer oder Planks für die Rumpfstabilität. «Wenn man zu Hause zweimal pro Woche 20 Minuten Rumpf, Becken und Schultern trainiert, hat man schon sehr viel gemacht. Allein schon mit Körpereigengewicht kann man einiges erreichen.» Wer sein Training intensivieren möchte, kann sich im Fitnesscenter ein Programm zusammenstellen lassen oder allenfalls ein Personal Training buchen. Die letzten Tipps von Sibylle Matter: «Planen Sie einen guten Einstieg, wenn Sie neu mit einer Sportart beginnen. Fragen Sie eine Fachperson um Rat, um eine Überforderung zu vermeiden.» Und: «Geben Sie nicht nach zwei Wochen wieder auf, sondern ziehen Sie das Training mal zwei oder drei Monate durch. Meist stellt sich erst dann ein gutes Gefühl ein.»

Mehr über die Prävention lesen Sie hier

Was tun bei Blasen an Füssen und Händen?

Sie gelten zwar nicht als Sportverletzungen. Aber Blasen treten vor allem dann auf, wenn man aktiv ist – und können einem Joggen, Wandern oder Tennisspielen zünftig vergällen. «Blasen entstehen durch eine Überbeanspruchung der Haut in Folge von Reibung und Schweiss – eine tödliche Mischung. Es kommt zu einer Entzündung, durch die sich Wasser unter der Haut sammelt», erklärt Barbara Hugelshofer, Apothekerin und Geschäftsführerin der Medbase Apotheke Winterthur Altstadt.

Sie rät davon ab, Blasen aufzustechen. «Blasen entsprechen eigentlich einer feuchten Wundversorgung. Solange sie zu sind, bleibt die Wunde feucht und steril und kann optimal heilen.» Muss man sie dennoch mal aufstechen, zum Beispiel weil sie im Schuh schlicht zu viel Raum einnehmen, sollte man ein Compeed-Pflaster zur Hand haben. «So ein Pflaster ist wie eine Blase: Es schützt die Wunde vor Druck und Reibung und ermöglicht, dass sie in Ruhe heilen kann.» 

Die weiteren Tipps von Barbara Hugelshofer:

  • Für sportliche Aktivitäten Socken verwenden, die das Blasen-Risiko minimieren. «Viele schwören auf Wollsocken. Ich bevorzuge synthetische Spezialsocken», sagt Barbara Hugelshofer. Falls Sie unsicher sind, wofür Sie sich entscheiden sollen, nutzen Sie die kostenlose Live-Videoberatung von SportXX. Die Experten helfen gerne weiter.
  • Wenn man weiss, dass man von einem Schuh immer an der gleichen Stelle am Fuss eine Blase bekommt, bereits präventiv ein Compeed-Pflaster anbringen. «Vor dem Aufkleben aber die Stelle gut mit Wundbenzin reinigen, damit Fett und Schweiss entfernt werden und das Pflaster gut haftet.» 
  • Auch Anti-Blasen-Sticks lassen sich vorbeugend einsetzen. «Sie sorgen für einen Silikonfilm auf der Haut, der vor Reibung schützt.»
  • Compeed-Pflaster kann man auch für die Hände verwenden – präventiv oder um geschlossene oder offene Blasen zu verarzten.

Mehr über Blasen erfahren Sie hier

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von Ringier Brand Studio / Cilgia Grass,

veröffentlicht am 20.07.2021, angepasst am 23.07.2021


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