Der Knöchel ist ein Hochrisikogelenk

Auf unebenem Gelände beim Laufen oder Gehen, aber auch im Alltag passiert es schnell: Der Knöchel knickt auf die Seite, die Bänder sind gezerrt. Was tun?

Verletzungen am Sprunggelenk gehören zu den häufigsten Sportverletzungen überhaupt: 15 Prozent aller Sportverletzungen tangieren das Sprunggelenk. Die meisten Sportler, rund 85 Prozent, knicken dabei nach innen. Dadurch werden die äusseren Bänder gezerrt oder gerissen. Seltener sind Verletzungen an den inneren Bändern, an Knochen, Knorpel oder Sehnen. In vier von fünf Fällen kommt es nach einem Knick zu langfristigen Beschwerden. Dann hilft meist nur noch eine Operation.

Zuerst ruhig stellen

Lautet die Diagnose Bänderriss, ist die unmittelbare Therapie klar: Das Gelenk muss ruhig gestellt werden, meist indem der Verletzte eine Schiene trägt. Gehen Schmerzen und Schwellung zurück, kann der Bewegungsalltag wieder einkehren.

Noch vor 15 Jahren wurden kaputte Bänder in der Regel genäht. Bis man feststellte, dass auch nicht operierte Bänder meistens gut zusammenwachsen. «Allerdings haben nach dem natürlichen Zusammenwachsen 15 bis 20 Prozent der Betroffenen ein Schlottergelenk», sagt Alexandro Pellegrino, Leitender Arzt der Abteilung für Fuss- und Sprunggelenkschirurgie an der Etzelklinik in Pfäffikon SZ, «immer wieder knicken sie beim Laufen ein, weil die Bänder instabil sind.»

Folgebeschwerden

Das kann neue Beschwerden auslösen wie Knieschmerzen. Oft finden Spezialärzte, nachdem Monate seit einem Bänderriss verstrichen sind, keine Ursache für neu auftretende Schmerzen. Als Fussspezialist ist für Pellegrino in solchen Fällen jeweils klar, dass das instabile Sprunggelenk für die neuen Beschwerden verantwortlich ist. «Eine Operation ist dann zu empfehlen», sagt er.

Schonende minimal-invasive Methoden

Besonders schonend ist die minimal-invasive arthroskopische Operationsmethode, auch Schlüssellochtechnik genannt; sie hat sich in den vergangenen zehn Jahren in der Knie- und Schulterchirurgie etabliert, wird nun immer häufiger bei Sprunggelenkproblemen angewendet. Durch drei Löcher gelangen die Operationsinstrumente und eine winzige Kamera ins Gelenk, nähen die Bänder oder setzen Ersatzbänder ein. Die Resultate sind zufriedenstellend: Bei über 95 Prozent der Patienten ist die Stabilität im Knöchel wieder da.

Nach drei Monaten wieder im Schuss

Die minimal-invasive Methode ist noch nicht überall Standard und wird in Europa und den USA erst seit rund vier Jahren von spezialisierten Sprunggelenkschirurgen praktiziert. Pellegrino ist jedoch überzeugt, dass sich dies ändern wird. In der Regel braucht es sechs Wochen Heilungszeit und nochmals sechs Wochen, bis der Knöchel wieder stabil ist. Auf Gelenk strapazierende Sportarten oder High Heels soll während dieser Zeit verzichtet werden. «Beschleunigen kann man den Heilungsprozess nicht, auch nicht mit Physiotherapie», sagt Pellegrino. Geduld ist also angesagt.

von Veronica Bonilla Gurzeler


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