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Gesünder leben?

Mit Pille – oder natürlich verhüten?

Verhüten ohne Hormone? Immer mehr junge Frauen sind pillenmüde. Es gibt Alternativen und natürliche Methoden. Eine Expertin klärt auf.

Natürliche Verhütungsmethoden

Natürlich verhüten heisst: Während der fruchtbaren Tage kein ungeschützter Geschlechtsverkehr. Eizellen leben lediglich 12 bis 18 Stunden, Spermien dagegen bis zu fünf Tagen. Eine Schwangerschaft kann demnach zwischen fünf Tagen vor dem Eisprung und einem Tag danach eintreten – maximal also während höchstens sieben Tagen des Zyklus.

Um die fruchtbaren Tage zu ermitteln, gibt es vier Hinweise:

  1. Morgentemperatur messen: Rund um den Eisprung steigt die Körpertemperatur um etwa ein halbes Grad an und bleibt danach auf diesem Niveau bis zum Einsetzen der nächsten Menstruation.
  2. Zervixschleim beobachten: In den fruchtbaren Tagen verflüssigt sich der Schleim, der aus der Vagina tritt. Er sieht glasig und durchsichtig aus, ein wenig wie rohes Eiweiss, und lässt sich zwischen den Fingern dehnen.
  3. Muttermund ertasten: Im Liegen kann man mit dem Mittelfinger die Veränderung des Muttermunds spüren. In den fruchtbaren Tagen fühlt er sich feucht, weich und offen an, in den unfruchtbaren hart, wie eine Nasenspitze.
  4. Ovulationstest: Mittels Teststreifen, der das Ansteigen des Ovulationshormons (LH) im Urin misst, kann man feststellen, ob der Eisprung bereits stattgefunden hat.

«Es braucht grundlegende Kenntnisse über den Zyklus»

Frage: Natürlich verhüten tönt sympathisch. Aber wie zuverlässig ist die Methode?

Bea Loosli*: Bei der zeitgemässen natürlichen Verhütung verlässt man sich nicht nur auf den Kalender, sondern ermittelt die fruchtbaren Tage anhand verschiedener Indizien wie etwa der Morgentemperatur und der Veränderung des Vaginalsekrets. Die Sicherheit hängt stark davon ab, wie konsequent ein Paar ist. Und es braucht grundlegende Kenntnisse über den Zyklus.

Während der fruchtbaren Tage haben viele Frauen am meisten Lust. Ausgerechnet dann liegt Sex nicht drin.

Stimmt nicht. Es darf dann einfach kein Sperma in die Vagina gelangen. Man kann aber ein Kondom benutzen oder mit anderen Praktiken kreativen, lustvollen Sex haben. Mit dem Zyklus zu gehen, statt gegen ihn anzukämpfen, kann das Sexualleben sogar bereichern und zu Gesprächen zwischen den Partnern anregen. Mit der Pille fehlt vielen Frauen die Lust ganz generell.

Wie ist die Akzeptanz bei den Männern?

Viele sind am Anfang skeptisch, weil sie die Methode kaum kennen. Sie fürchten sich vor einer ungewollten Vaterschaft und sind sich nicht gewohnt, dass ihre Partnerin nicht immer uneingeschränkt zur Verfügung steht. Doch die meisten Männer, die sich darauf einlassen, finden die Sache mit der Zeit spannend. Deshalb biete ich neben den Ladies Nights für Frauen nun auch Paarabende an.

Wie gross ist die Nachfrage nach Ihren Kursen?

Es läuft sehr gut. Denn viele Mädchen schlucken heute bereits ab der Pubertät die Pille – etwa weil die Eltern Angst vor einer Teenagerschwangerschaft haben oder wegen Menstruationsbeschwerden und Hautproblemen. So lernen sie ihren natürlichen Monatszyklus gar nie kennen. Nach einigen Jahren sind viele pillenmüde. Sie klagen über Nebenwirkungen wie Gewichtsprobleme, Übelkeit, Kopfschmerzen oder Stimmungsschwankungen. Nach dem Absetzen der Hormone braucht es etwas Geduld, bis sich wieder ein regelmässiger Zyklus einstellt. In dieser Phase sind die Frauen froh um Unterstützung.

*Zur Person: Bea Loosli gibt Kurse zur natürlichen Verhütung für Frauen und Paare. www.ladyplanet.ch

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Verhütungsmethoden – ein Überblick

Spirale

Das im Uterus eingesetzte Objekt hat eher die Form eines umgekehrten Ankers als einer Spirale. Es gibt grundsätzlich zwei Arten: Die Hormonspirale setzt Gestagene frei. Es handelt sich ebenfalls um eine hormonelle Verhütungsmethode. Anders bei der Kupferspirale oder -kette: Das Kupfer macht die Spermien befruchtungsunfähig. Zudem verändert die Spirale die Gebärmutterschleimhaut. Sollte es dennoch zur Befruchtung von Eizellen kommen, können sich diese nicht einnisten. Die Kupferspirale ist eine der sichersten Methoden, die nicht in den natürlichen Monatszyklus eingreift. Es kann allerdings zu stärkeren und schmerzhafteren Blutungen kommen.

Diaphragma

Es handelt sich um eine Art Kunststoffkappe, die den Muttermund verschliesst und vor dem Geschlechtsverkehr in die Vagina eingeführt wird. Dies braucht etwas Übung. Zusätzlichen Schutz gewährleistet ein spermientötendes Gel. Nach dem sexuellen Kontakt muss das Diaphragma rund acht Stunden in der Scheide bleiben. Schwimmen und Baden sollte man während dieser Zeit unterlassen. Für eine gute Sicherheit sollte das Diaphragma individuell angepasst werden.

Sterilisation

Die Unterbindung ist eine der wenigen Möglichkeiten, mit der Männer ihre Verantwortung übernehmen können. Denn trotz Forschung sind ihre Möglichkeiten bis heute begrenzt, Verhütung ist meist Frauensache. Im Vergleich zum Durchtrennen des Eileiters bei der Frau ist das Unterbrechen des Samenleiters beim Mann ein relativ harmloser Eingriff, der mit einem kleinen Schnitt am Hodensack erledigt ist. Die Massnahme ist zudem äusserst verlässlich und hat kaum unerwünschte Folgen. Sie kann allerdings meist nicht rückgängig gemacht werden. Man sollte sich deshalb gut überlegen, ob man sich tatsächlich keine Kinder mehr wünscht.

Das Kondom

Der gute alte Gummi verhindert neben Schwangerschaften auch zuverlässig die Übertragung von Geschlechtskrankheiten. Bei nicht gefestigten sexuellen Beziehungen ist das Kondom deshalb nach wie vor unverzichtbar. Weniger geläufig ist die Version für die Frau. Sie hat den Vorteil, dass beim Einführen keine Erektion nötig ist und erlaubt Frauen, sich selbstständig vor sexuell übertragbaren Infektionen zu schützen. Paare, die natürlich verhüten, können Kondome zudem an fruchtbaren Tagen verwenden.

Hormonelle Verhütung

Die Pille und andere hormonhaltige Mittel haben den Vorteil, dass sie eine hohe Sicherheit gewährleisten und einfach anzuwenden sind. Unter ärztlicher Kontrolle sind schwerwiegende Komplikationen selten. Es steht eine Vielzahl verschiedener Präparate zur Verfügung. Die Kombination der weiblichen Geschlechtshormone Östrogen und Gestagen verhindert das Heranreifen der Eizelle, während reine Gestagen-Pillen das Eindringen von Spermien in die Gebärmutter erschweren. Anstatt über Tabletten kann man sich die Hormone auf verschiedene andere Arten zuführen: Ein Pflaster auf die Haut kleben, ein Stäbchen im Oberarm implantieren, einen Vaginalring einführen, eine Dreimonatsspritze verabreichen oder eine Hormonspirale einlegen lassen.

von Andrea Söldi,

publiziert am 29.03.2019


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