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Gesünder leben?

Wie ein gesunder Lifestyle Ihr Leben verlängert

Längeres Leben? Ja, das geht. Laut einer aktuellen Studie lässt sich dies bis zu zehn Jahre verlängern. Voraussetzung dafür ist eine gesunde Lebensweise. Wie das geht? Wir erklären es.

Tabak, Alkohol, einseitige Ernährung und Bewegungsmangel beeinflussen unsere Lebenserwartung – kein Zweifel. Aber wie sehr? Das haben nun Forscher der Universität Zürich in Zahlen gefasst. Die Medizinerin Eva Martin-Diener hat mit ihrem Team in Zahlen dargelegt, wie stark sich unsere Lebensweise und die Kombination gesundheitsgefährdender Verhalten auf die Lebenserwartung auswirken können.

Zehn Jahre länger leben

Dabei zeigte sich, dass ein gesunder Lebenswandel einen Menschen um zehn Jahre jünger halten kann. Wer dagegen raucht, viel trinkt, sich kaum bewegt und schlecht ernährt, hat deutlich geringere Chancen, ein hohes Alter zu erreichen. «Bisher wurden nur die einzelnen Faktoren und ihre Auswirkung auf die Sterblichkeit beobachtet. Wir haben die Faktoren kombiniert und beobachtet, wie sich diese Verhaltensweisen im Zusammenspiel auswirken können», erklärt Studienautorin Eva Martin-Diener.

Die Wissenschaftler analysierten Daten von 17 000 Menschen aus der Forschungsplattform «Swiss National Cohort». Sie enthält Daten aus Volkszählungen, Studien und Mortalitätsregistern. Abgefragt wurden Angaben zu Tabak- und Alkoholkonsum, Früchteverzehr und körperlicher Bewegung von Teilnehmern, die im Zeitraum 1977 bis 1993 zwischen 16 und 90 Jahre alt waren. Anschliessend glichen die Präventivmediziner diese Daten mit Herz-Kreislauf- und krebsbedingten Todesfällen bis 2008 ab.

Der Effekt der vier Verhaltensfaktoren blieb noch dann sichtbar, wenn biologische Risikokriterien wie Körpergewicht oder Blutdruck berücksichtigt wurden. Die Folgen der jeweiligen Faktoren machen sich jedoch erst in späteren Jahren bemerkbar.

Wandel zahlt sich aus

Ungesunde Verhaltensweisen zeigten bei 45- bis 55-Jährigen noch kaum Auswirkungen auf die Sterblichkeit. Es empfiehlt sich aber nicht, sich bis ins mittlere Alter gehen zu lassen. «Hätte man untersucht, wie sich der Lebensstil auf Krankheiten wie beispielsweise das metabolische Syndrom auswirkt, wären die Folgen schon deutlich früher zu erkennen gewesen», erklärt Eva Martin-Diener.

Gesundheitsbewusstsein in jüngeren Jahren zahlt sich im Alter aus: Die Studie zeigt, dass bei einem 75-jährigen Mann mit gesundem Lebenswandel die Wahrscheinlichkeit, die nächsten zehn Jahre zu erleben, bei 67 Prozent liegt. Würde der Mann rauchen, viel Alkohol trinken, sich zu wenig bewegen und sich dazu noch schlecht ernähren, läge sie bei nur 35 Prozent. Bei einer Frau fällt der Wert bei gleichen Annahmen von 74 auf 47 Prozent. (Lesen Sie unten weiter...)

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Tabakkonsum wiegt schwer

Die Auswirkungen der einzelnen Faktoren sind erheblich. Den grössten Einfluss auf das Altern hat jedoch das Rauchen. In den Studienergebnissen fällt auf, dass das Rauchen im Hinblick auf die Lebenserwartung viel relevanter ist als Bewegung oder Ernährung. Raucher alleine haben gemäss Studie ein um 57 Prozent höheres Risiko früher zu sterben. Bewegung, Alkohol und Ernährung haben mit jeweils rund 15 Prozent einen deutlich geringeren Effekt auf das Sterberisiko.

Rauchen ist genauer erfasst

Doch wie genau können die einzelnen Faktoren überhaupt erfasst werden? «Das Rauchen kann präziser gemessen werden. Es ist oft ein stabiles Verhalten, das über die Jahre bei vielen Menschen gleich bleibt» , erklärt die Gesundheitsexpertin von der Universität Zürich. Zusammenhänge zwischen Sterblichkeit und dem Laster Tabak zeigen sich also deutlicher.

Bei den anderen Faktoren ist es wesentlich schwieriger, diese verlässlich zu erfassen – gerade bei Ernährung und Bewegung. «Das führt dazu, dass die Zusammenhänge in der Regel verwässert werden», erläutert Martin-Diener die Studienergebnisse. In Wirklichkeit sind die Auswirkungen von Bewegung, Ernährung und Alkoholmissbrauch auf die Lebenserwartung wohl viel stärker, als sie es in ihrer Studie ermitteln konnte.

Es lohnt sich, gesündere Wege einzuschlagen

Die Forschungsergebnisse wurden grafisch aufbereitet, so kann man anhand des Entscheidungsbaums leicht die Konsequenzen seines Lebensstils abschätzen. «Es ging uns darum, die Daten so darzustellen, dass man auf einen Blick erkennen kann, wie sehr sich unsere Art zu leben auf die Sterblichkeit auswirken kann – damit es auch ein Publikum versteht, das nicht aus Fachpersonen besteht», sagt Martin-Diener.

von Christian Steinmüller,

publiziert am 20.10.2017


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