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Gesünder leben?

Die Kita stärkt die Abwehrkräfte

Wenn in der Kita Bakterien und Viren die Runde machen, ist das zwar mühsam, aber nicht schlimm. Ein Kinderarzt erklärt, wieso.

Eltern von Kleinkindern können ein Lied davon singen: Geht der Nachwuchs in die Kita, ist er andauernd krank. Irgendein Gspänli hustet immer und verbreitet «Schnudder» über die Spielsachen. Schon bald zeigt das eigene Kind dann ebenfalls Symptome und muss zuhause bleiben. Vater oder Mutter müssen frei nehmen, um es zu hüten. Abgesehen vom Stress, der dadurch verursacht wird, machen sich manche Eltern Sorgen, wenn ihr Kind so früh im Leben derart vielen verschiedenen Keimen ausgesetzt ist.

5 Infektionen pro Tag sind normal

Roland Kägi, Leiter der Praxis Kinderärzte am Rigiplatz in Zürich, gibt Entwarnung: «Infektionskrankheiten sind Teil der Kindheit», sagt er. «Die kleinen Körper müssen die vielen verschiedenen Keime erst kennenlernen. Dabei reift das Immunsystem heran». Jeden Tag mache ein Kleinkind etwa fünf verschiedene Infektionen durch, die meisten davon, ohne dass es die Eltern überhaupt bemerkten. Zudem kommen Krankheiten im Kleinkindalter oft so schnell, wie sie wieder verschwinden. Ein Kind kann abends plötzlich 39 Grad Fieber bekommen und bereits am anderen Morgen wieder fit sein. (Lesen Sie unten weiter …)

Ansteckend, bevor der Ausschlag kommt

Am ansteckendsten sind die meisten Infektionskrankheiten ganz am Anfang. Grippe- oder Erkältungsviren zum Beispiel überträgt man bereits, bevor man selber richtig hustet und die Nase läuft. Ist die Krankheit dann in vollem Gang, ist die Gefahr der Ansteckung bereits deutlich geringer.

Das Gleiche gilt für die Kinderkrankheit Windpocken – auch Wilde Blattern genannt. Infizierte Personen übertragen die Varizellen-Viren schon ein bis zwei Tage, bevor der Ausschlag auftritt. Sind die juckenden Punkte dann so richtig schön über den ganzen Körper verteilt, verfallen Eltern anderer Kita-Kinder schnell einmal in Panik. Doch sobald die Bläschen verkrustet sind, ist die Ansteckungsgefahr vorbei. Nachher ist man ein Leben lang immun. Will man die Beschwerden vermeiden, gibt es die Möglichkeit zu impfen. Wichtig ist ein Impfschutz aber vor allem bei schwerwiegenderen Kinderkrankheiten wie Masern, Mumps, Röteln, Polio und Keuchhusten.

Je jünger, desto besser

Krankheiten, gegen die es keine Impfung gibt, sollten Kinder möglichst früh im Leben durchmachen. «Je jünger man ist, desto besser steckt man die Symptome weg», sagt Roland Kägi. Das Pfeiffersche Drüsenfieber zum Beispiel legte Roger Federer 2008 für mehrere Wochen lahm. Bei kleinen Kindern dagegen verläuft die Krankheit häufig unbemerkt.

Regelmässig machen in Betreuungs-Institutionen auch Augenentzündungen die Runde. Die sogenannte Konjunktivitis oder Bindehautentzündung ist sehr ansteckend, aber harmlos und meist nach zwei bis drei Tagen wieder vorbei. Nach einer anfänglichen Rötung mit Juckreiz füllt sich das Auge mit gelbem Sekret.

Kein Ausschluss wegen entzündeten Augen

Viele Kitas schliessen erkrankte Kinder deswegen für mehrere Tage aus. Im Kanton Aargau ändert sich diese Praxis nun allmählich. Die Ärzte-Arbeitsgruppe Kibe Forum Aargau hat ein umfassendes Merkblatt für den Umgang mit kranken Kindern herausgegeben. Sie empfiehlt, Kinder mit Konjunktivitis weiterhin aufzunehmen, sofern es ihr Gesundheitszustand erlaube. Dabei sei aber auf eine gute Hygiene zu achten und darauf, andere Eltern aufzuklären. (Lesen Sie unten weiter …)

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Keine einheitlichen Richtlinien

Stark gegen Viren und Bakterien

Ein kleines Kind vor Krankheitskeimen zu schützen ist schwierig. Eltern können aber seine Abwehrkräfte mit einfachen Massnahmen stärken:

  • Für genügend Schlaf sorgen
  • Jeden Tag an die frische Luft gehen, auch bei Kälte oder Regen, dann aber gut eingepackt
  • Versuchen, dem Kind eine ausgewogene Ernährung schmackhaft zu machen. Dazu gehören viel Gemüse und Früchte, besonders in ungekochter Form
  • Dem Kind viel zu trinken geben, jedoch nur ungesüsste Getränke

Was den Ausschluss aus Schule oder Kita anbelangt, herrscht in der Schweiz Kantönligeist. Das Bundesamt für Gesundheit gibt nur für einige epidemiologische Krankheiten wie etwa Masern Richtlinien heraus. Ansonsten unterscheidet sich die Handhabung von Kanton zu Kanton und häufig auch von Kita zu Kita. Einigkeit herrscht einzig bei den Hygienemassnahmen. Da die meisten Keime über die Hände übertragen werden, sollten Personal und Kinder regelmässig die Hände waschen oder auch desinfizieren.

Im Kita-Alltag wird es jedoch nie möglich sein, kleine Kinder voneinander fernzuhalten. Wenn im Winter wieder Schnupfen und Husten grassieren, sind Ansteckungen wohl unvermeidlich. Babys können bis zu neunmal jährlich eine Erkältung erwischen. Weil dabei zahlreiche verschiedene Viren im Spiel sind, kann man sich bereits nach einigen Tagen wieder neu anstecken.

Mit zunehmendem Alter nimmt die Häufigkeit ab. «Das Immunsystem lernt immer besser, sich zu wehren», erklärt Roland Kägi, der in seiner Praxis seit 30 Jahren tagtäglich mit kranken Kindern in Kontakt kommt. Während seine jungen Mitarbeitenden sich in der Praxis häufig anstecken, ist er selber fast nie mehr krank.

von Andrea Söldi,

veröffentlicht am 05.02.2020


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