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Gesünder leben?

Wenn jede Hautunreinheit weg muss

Sie können nicht aufhören, ihre Haut zu malträtieren. Eine Verhaltenstherapie kann bei dieser Zwangsstörung Abhilfe schaffen.

Es muss sein. Die Unreinheit auf der Stirn. Die lässt sich sicher ausquetschen. Es klappt nicht beim ersten Mal. Also noch ein bisschen fester drücken. Die nächste Stelle wartet schon. Und so geht es weiter. Es wird gekratzt, gezupft, gedrückt. Am Ende bleibt ein malträtiertes Gesicht übrig – rot, geschwollen, mit aufgekratzten Stellen. Narben und Krusten werden zurückbleiben.

Ausdrücken ohne Ende

«Ich starre entgeistert auf die zerdrückten, blutenden, roten Hautstellen. Wut, Hass und Scham ergreifen mich», schreibt eine Betroffene auf der Internetseite einer Selbsthilfegruppe. Sie leidet an Skin Picking, auch Dermatillomanie genannt. Bei dieser Zwangserkrankungen müssen die Betroffenen dem Drang nachgeben, die Haut zu bearbeiten, obwohl es ihnen und ihrer Haut hinterher schlechter geht als vorher.

Jung und weiblich – besonders betroffen

Die Impulskontrollstörung wurde 1898 erstmals als „Acné excoriée des jeunes filles“ diagnostiziert, wie Alexander Navarini von der Dermatologische Klinik am Universitätsspital Zürich im Schweizerischen Medizin Forum erläutert. „Die Betroffenen sind fast immer Mädchen und junge Frauen, nur selten auch Männer“, erklärt er. Die Krankheit ist heute Teil der Skin-Picking-Störung. Sie entsteht oft in der Pubertät, wenn Pickel und Akne häufig sind – gleichzeitig aber das Aussehen besonders wichtig ist und oft sogar massgeblich den Selbstwert mitbestimmt. Nach dem Ausdrücken und Kratzen sinkt das Selbstwertgefühl erst recht. (lesen Sie unten weiter...)

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Kosmetika schadet

Skin Picker bearbeiten ihre Haut oft über Jahre und Jahrzehnte – nicht nur im Gesicht, sondern auch an Dekolleté, Armen, Schultern, Beinen, Füssen oder an den Händen. Sie wissen häufig gar nicht, dass sie an einer psychischen Störung leiden. Manche versuchen, ihre Wunden, Entzündungen und Narben mit Make-up zu vertuschen. Zu viele Kosmetika begünstigen aber wieder die Entstehung von Unreinheiten.

Tricks als erster Schritt

Einzelne Tricks können Abhilfe schaffen – indem man die Spiegel verhängt, alternative Beschäftigungen für die Hände sucht wie Babyspielzeug, Igelbälle, Knetsäckchen oder Luftpolsterfolie. Man kann sich auch angewöhnen, vor dem Fernseher auf die Hände zu sitzen.

Die Schönheit des Selbstwerts

Das ist ein Anfang, reicht aber in den allermeisten Fällen nicht. In einer Therapie kann man herausfinden, was hinter den Selbstverletzungen steckt. Warum mache ich das? Wie wichtig ist mir mein Aussehen? Warum ist es mir so wichtig? Warum glaube ich, dass andere mich nur schätzen, wenn ich schön bin? Was ist sonst noch liebenswert an mir?

Es sind viele dieser unbewusste Überzeugungen, die das Verhalten der Patienten steuern. Denn wahrscheinlich ist nicht Schönheit zentral. Man wird nämlich aus anderen Gründen geliebt und gemocht, etwa weil man lustig, zuverlässig, warmherzig oder inspirierend ist.

von Diana Engelmann,

publiziert am 25.07.2018


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