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Gesünder leben?

Acht Wanderungen durch den Frühling

Jetzt können wir wieder durch die Natur wandern. Wo das in jedem Landesteil am schönsten ist, weiss unser Experte.

Einzelne Osterglocken gedeihen im heimischen Garten – am Mont Sujet in der Romandie tun sie das gleich felderweise. Das Tessin trumpft mit der Maggia und einer Wanderung, die alle Zutaten der Sonnenstube vereint. Und in der Deutschschweiz warten unbekannte Genusswanderungen auf die Entdeckernaturen. Los geht's!

Mont Sujet – Twannbachschlucht: ein Meer von Osterglocken und ein Mord

Osterglocken blühen auf einer Wiese mit Bäumen am Hang
Osterglocken blühen auf einer Wiese mit Bäumen am Hang
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Osterglocken gedeihen im heimischen Garten. Und am Mont Sujet – felderweise. So viele wilde Narzissen wie am Berg über dem Bielersee gibt es kaum woanders, Ende April leuchten die grossen Juraweiden goldgelb in der Sonne. Oben auf dem Gipfel dann geht der Blick in die Ferne, vom Schwarzwald über den Chasseral und das Seeland bis zu den Alpenspitzen, bevor man sich in die Tiefen der Twannbachschlucht begibt, wo Friedrich Dürrenmatt im Roman «Der Richter und sein Henker» morden liess.

Start: Les Prés-d'Orvin, Bellevue
Route: Mont Sujet – Lamboing – Twannbachschlucht – Twann
Länge: 13,5 km; 440 Hm Auf- und 980 Hm Abstieg; 4 Std.
Schwierigkeit: mittel
Besonderheit: Bergwirtschaft unterhalb des Mont Sujet

Maggia – Valle del Salto: unter der Tessiner Sonne die Wandersaison eröffnen

Alte Steinbrücke mit Weg
Alte Steinbrücke mit Weg
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Das Tessin ist reich an einsamen Tälern, die nur dem Wanderer zugänglich sind. Das Valle del Salto bei Maggia ist so ein Kleinod, weltabgeschieden und von rauer Schönheit. Die Rundtour zur kleinen Talschleuse bietet alles, was Bergwandern im Tessin ausmacht: steile Treppenwege, eine Schlucht mit tosendem Bach, knorrige Kastanienbäume, aussichtsreiche Alpen mit verträumten Rusticos, einen Wasserfall, viel Sonne und eine alte Steinbrücke, die in schwindelerregender Höhe zurückführt ins Dorf.

Start: Maggia, centro
Route: Puntit – Talschleuse bei Punkt 746 – Ceir – Braiaa – Maggia
Länge: 9 km; je 700 Hm Auf- und Abstieg; 4 Std.
Schwierigkeit: mittel
Besonderheit: unterwegs viele lauschige Rastplätze
(Lesen Sie unten weiter...)

Siblingen – Schleitheim: mit Fernsicht und Bärlauch über den Randen

Mann mit Strickmütze steht auf Aussichtsturm und schaut in die weite Ebene
Mann mit Strickmütze steht auf Aussichtsturm und schaut in die weite Ebene
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Der Eine ein filigranes, ausgesprochen luftiges Werk aus Holz und Stahl, der Andere eine solide, dem Eifelturm nachempfundene Metallkonstruktion. Gemeinsam sind dem Siblinger und Schleitheimer Randenturm die fantastische Sicht aufs Mittelland und die Alpen aus 20 Metern Höhe. Dazwischen wandert man im munteren Auf und Ab über den Schaffhauser Randen; durch Wälder, die im Frühling von Bärlauch überquellen.

Start: Siblingen Dorf
Route: Siblinger Randenturm – Zälgli – Schleitheimer Randenturm – Schleitheim
Länge: 11 km; 480 Hm Auf- und 520 Hm Abstieg; 3,5 Std.
Schwierigkeit: einfach
Besonderheit: In der Waldwirtschaft Schlossranden Schlaatemer Rickli probieren, ein kulinarisches Erbe der Schweiz. 

Nenzlingen – Dittingen: wo der Neuntöter seine Vorräte aufspiesst

Wanderer geht durch grüne Landschaft auf einen Hang zu
Wanderer geht durch grüne Landschaft auf einen Hang zu
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Der Neuntöter hat eine spezielle Angewohnheit: Er spiesst seine Beutetiere auf die Dornen von Rosenbüschen und legt sich so Vorräte an. Mit etwas Glück entdeckt man den scheuen Singvogel bei einer Wanderung über die Nenzlinger, Blauen und Dittinger Weide. Will es mit dem Neuntöter nicht klappen, erfreut man sich an der Blumenpracht. Mit über 500 Pflanzenarten gehören die drei Magerweiden zu den artenreichsten Lebensräumen im Baselländer Jura.

Start: Nenzlingen, Dorfplatz
Route: Hinderhärd – Stelli – unterhalb Blauepass – Rüti – uf Egg – Dittingen
Länge: 10 km; je 450 Hm Auf- und Abstieg; 3,5 Std.
Schwierigkeit: einfach
Besonderheit: Bei Nenzlingen wartet der Riccola Kräutergarten auf Entdecker.

Dent de Vaulion – Vallée de Joux: Bäume und Panorama ohne Grenzen

Wanderer geht im Wald einen Weg hinauf und auf eine Felsformation im Hintergrund zu
Wanderer geht im Wald einen Weg hinauf und auf eine Felsformation im Hintergrund zu
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Ein Aufenthalt im Wald stärkt Körper, Geist und Seele. Die Japaner haben dies wissenschaftlich untersucht und propagieren seither Waldbaden. Das Tal der Orbe im Waadtländer Jura gehört zu den baumreichsten Regionen der Schweiz, entsprechend gesund ist die Wanderung von Vallorbe über den Dent de Vaulion ins Vallée de Joux. Auf dem Gipfelplateau aber haben die stämmigen Gesellen Platz gemacht fürs Panorama, und das darf sich sehen lassen: Acht Seen, die Mont-Blanc-Kette und die Walliser 4000er geben sich die Ehre.

Start: Vallorbe
Route: Sur le Voué – Dent de Vaulion – La Dent – Le Pont
Länge: 11,5 km; 770 Hm Auf- und 550 Hm Abstieg; 4 Std.
Schwierigkeit: einfach
Besonderheit: Berggasthaus am Dent de Vaulion
(Lesen Sie unten weiter...)

Gut vorbereitet auf die Wanderung gehen

Alles zum Thema

Wittnau – Tiersteinberg: warum die Kelten und Römer das Fricktal liebten

Alte Steintreppe im Wald
Alte Steintreppe im Wald
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Hügel mit flachen Gipfelplateaus und steilen Hängen prägen den Tafeljura. Kelten und Römer wussten dies zu nutzen: Ihre Wohnanlagen auf dem Wittnauer Horn waren kaum einzunehmen. Im Mittelalter folgten die Grafen und kontrollierten vom Tiersteinberg aus ihre Untertanen. Geblieben sind viele Ruinen, die sich zu einer Wanderung verbinden lassen. Sie führt durch einen Wald, der tun darf, was er will, und vorbei an blühenden Kirschbäumen, die das Fricktal ganz in Weiss tauchen.

Start: Wittnau, Mitteldorf
Route: Horn – Buschberg – Tiersteinberg – Ruine Alt Tierstein – Frick
Länge: 11,5 km; 400 Hm Auf- und 450 Hm Abstieg; 3,5 Std.
Schwierigkeit: einfach
Besonderheit: unterwegs Rastplätze mit Feuerstellen

Wilkethöhi – Degersheim: durch das Landschaftsmosaik des Neckertals

Blick ins Neckertal, Berge im Hintergrund
Blick ins Neckertal, Berge im Hintergrund
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Toggenburg? Kennt man. Appenzellerland? Sowieso. Und das Neckertal? Nie gehört? Kein Wunder, die Region ist eine Perle, die noch entdeckt werden will. Ein Mosaik aus verwunschenen Mooren, blumenübersäten Wiesen, dunklen Hecken, stattlichen Höfen und kecken Höhen mit uralten Linden, unter denen sich die Zeit vergessen lässt. Und von ganz zuoberst, von der Wilkethöhi, kann man hinüberschauen zu den Toggenburgern und Appenzellern, mit einem Fernglas aus Grossvaters Zeiten.

Start: Brunnadern-Neckertal
Route: Wilkethöchi – Bergli – Fuchsacker – Degersheim
Länge: 11,5 km; 830 Hm Auf- und 680 Hm Abstieg; 4,5 Std.
Schwierigkeit: mittel
Besonderheit: unterwegs Einkehr im Berggasthaus Fuchsacker

Eriswil – Luthern Bad: eine Baumreihe als Bollwerk gegen die Reformation

Holzwirtschaft und grüner Hügel mit Wiese und Bäumen
Holzwirtschaft und grüner Hügel mit Wiese und Bäumen
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Als Bern reformiert wurde, wollten die katholischen Luzerner klare Verhältnisse. Sie pflanzten auf den Höhen des Napfberglandes eine Hagstelli, eine zwei Kilometer lange Baumreihe direkt auf der Grenze zu Bern. Die Feindseligkeiten sind Geschichte, die bis zu 400 Jahre alten Ahorne, Fichten und Buchen aber stehen noch; genauso wie die steilen Chrächen und wilden Grate, über die man mit bestem Alpenblick dem Pilgerort Luthern Bad entgegenwandert.

Start: Eriswil, Hinterdorf
Route: Ahorn – Ober Scheidegg – Hochänzi – Niederenzi – Luthern Bad
Länge: 14,5 km; 850 Hm und 750 Hm Abstieg; 4,3/4 Std.
Schwierigkeit: mittel
Besonderheit: Am Wochenende Bus zum Ahorn, spart 1,5 Std. Viele Einkehrmöglichkeiten.

von Daniel Fleuti,

publiziert am 30.04.2019


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