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Gesünder leben?

Mag man sich, stimmt die Chemie

Das Gefühl der Freundschaft ist tierisch schön – der Botenstoff Oxytocin wird beim Gefühl der Verbundenheit sowohl bei Schimpansen als auch bei Menschen ausgeschüttet.

Freundschaften stehen nicht nur bei Menschen hoch im Kurs. Dies zeigt das Beispiel des Freundespaares Nyancuru und Uruhara in Afrika: Die beiden sind Schimpansen. Als beste Kumpel teilen sie alles, was sie haben: Zeit, Zuneigung, ihre Mahlzeiten. Kommt Uruhara um die Ecke, kann Nyancuru nicht weit sein. Hat Uruhara Ärger, bekommt sein Rivale es auch mit Nyancuru zu tun. Kracht es mal unter den Freunden, liegen sie sich bald wieder in den Armen, drücken sich – und alles ist gut.

Tierisches Vertrauen

«Die beiden haben extrem hohe Freundschaftswerte», erklärt Jan Engelmann vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig. Er erforscht das Verhalten von Menschenaffen und hat die Schimpansen während fünf Monaten in Kenia beobachtet. Für ihn steht fest: Auch unsere engsten tierischen Verwandten knüpfen innige Freundesbande.

Wie Engelmann in Verhaltenstests herausfand, beruhen diese auf Nähe, Zuneigung und Vertrauen. Doch eint die Tiere dasselbe Gefühl von Freundschaft wie Menschen? Die Affen kann man nicht danach fragen, doch aus Urinproben wilder Schimpansen wissen Forscher, dass sie Oxytocin ausschütten, wenn befreundete Tiere das Futter teilen oder sich das Fell beim Lausen kraulen. (lesen Sie unten weiter...)

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Oxytocin hemmt Stress und fördert Freundschaft

Wenn sich Menschen mit jemandem verbunden fühlen, fliesst ebenfalls Oxytocin durch den menschlichen Organismus. Markus Heinrichs vom Institut für Psychologie der Uni Freiburg (D) hat als einer der ersten die genaue Wirkung des Botenstoffs nachweisen können. Er fand heraus, wie und dass Oxytocin menschliches Verhalten steuert. Das Hormon verringert Stress und Angst. Zudem steigert es die Fähigkeit, die Gefühle des Gegenübers zu lesen. Gute Freunde können daher erspüren, wie es dem anderen geht.

Freunde statt Beruhigungsmittel

Um zu testen, wie das Hormon wirkt, setzte er Freiwillige unter anderem einem Stresstest aus, einer Mischung aus Bewerbungsgespräch und Kopfrechnen vor kritischem Publikum. Wer bei der Vorbereitung darauf einen Freund an der Seite hatte, wies weniger des Stresshormons Cortisol im Speichel auf. Erhielten die Versuchsteilnehmer zusätzlich Oxytocin als Nasenspray verabreicht, senkte das ihre Anspannung zusätzlich.

In der Regel sind Freunde also ein prima Beruhigungsmittel, doch es wirkt nicht bei jedem gleich gut. Bei seinen Tests fand der Forscher aber auch Menschen, bei denen soziale Unterstützung den Stress nicht senkte. Bei einigen Menschen entfaltet das Hormon Oxytocin im Körper aus genetischen Gründen weniger Wirkung. Sie sind wohl zum Eigenbrötler geboren. Daran könnten auch die besten Freunde nichts ändern.

Publiziert am 16.11.2017,

von Sonja Gibis


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