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Gesünder leben?

Macht uns weniger Hygiene widerstandfähiger gegen Infektionen?

Desinfizieren und Reinigen sei der falsche Ansatz, um Infektionen zu vermeiden – sagen drei Forscher, die sich mit Ökosystemen auskennen. Wir sollten uns Wiesen und Wälder als Vorbild nehmen.

Die Medizin ist auf dem Holzweg, jedenfalls, was die Vorstellungen von Hygiene betrifft. Das postulieren drei Biodiversitätsforscher im Wissenschaftsmagazin «Nature Ecology & Evolution».

Sie berufen sich auf «hunderte von Studien» in verschiedenen Ökosystemen wie Wäldern oder Wiesen. Biologische Vielfalt sei dort der Schlüssel zu mehr Widerstandsfähigkeit gegenüber invasiven Arten, gegenüber Klimaschwankungen und gegenüber krankmachenden Einflüssen.

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Bakterien auf die Babyhaut

Der menschliche Körper sei ebenfalls ein Ökosystem, besiedelt von ungezählten Bakterien, Viren und anderen Mikroben. Fördere man dort die Vielfalt, schütze dies vor Infektionen, postulieren Robert Dunn und seine Kollegen.

Sie untermauern ihre Hypothese unter anderem mit einem Experiment aus den 1960er-Jahren: Damals wurden Babys absichtlich nicht-krankmachende Bakterien der Art «Staphylococcus» auf die Haut gegeben.

Vor Infektionen geschützt

Der Effekt: Krankmachende «Staphylococcus»-Arten konnten diesen Babys nichts anhaben. Die vorherige Besiedlung mit den «guten» Staphylokokken schützte sie offenbar vor der Infektion mit den «bösen» Keimen.

Ein anderes Beispiel ist die gefürchtete Darminfektion mit dem Durchfallerreger «Clostridium difficile». Sie tritt praktisch nur auf, wenn die Mikroflora im Darm zuvor durch Antibiotika durcheinandergebracht wurde.

Dem Ökosystem im Darm helfen

Eine Stuhltransplantation mit einem Gemisch aus verschiedensten Darmbakterien kann dann helfen, das «Ökosystem Darm» wieder ins Lot zu bringen – ein weiteres Argument der Biodiversitätsforscher.

Sie warnen vor der täglichen Anwendung von Antitranspirantien. Diese würden die Biodiversität auf der Haut stark und nachhaltig stören. «Wir vermuten, dass solche täglichen Anwendungen oft zu unserem Schaden gereichen», schreiben Dunn und seine Kollegen und fordern mehr Forschung zu diesen Fragen.

Auch in Häusern anwendbar

Ähnliches gelte für das «Ökosystem Haus». Auch hier schütze grosse Vielfalt davor, dass sich krankmachende Keinstlebewesen breitmachen können. Regelmässige Desinfektion, das Beseitigen von Spinnen (die zum Beispiel Mücken vertilgen) und anderen Helfern sei deshalb kontraproduktiv.

Quelle: «Nature Ecology & Evolution»

von Dr. med. Martina Frei,

publiziert am 16.04.2019


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