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Gesünder leben?

Die ungesunde Stunde

Am letzten Märzwochenende werden die Uhren wieder um eine Stunde vorgestellt. Was bedeutet das für die Gesundheit?

Als im Frühjahr 1916 erstmals im damaligen Deutschen Reich und in Grossbritannien an der Uhr gedreht wurde, brachten die Engländer die Neuerung auf einen einprägsamen Begriff: Die «Daylight Saving Time» (Tageslicht sparende Zeit) sollte dazu dienen, die tägliche Zeitspanne an Sonnenlicht zu verlängern.

1975, im Nachgang zur Ölkrise, beschlossen die meisten europäischen Länder eine gemeinsame Zeitumstellung. Das Ziel war dasselbe.

Veraltetes Argument

Heute, mehr als 40 Jahre später, ist längst klar: Das Argument, das Tageslicht besser zu nutzen, um Energie zu sparen, hat sich als nicht stichhaltig erwiesen. Es wird zwar an hellen Sommerabenden weniger Strom für Licht gebraucht, dafür aber mehr Energie bei der abendlichen Freizeitgestaltung.

Doch nicht nur deswegen wird der Ruf der Sommerzeit seit Jahren schlechter. Laut einer aktuellen Umfrage von Forsa (Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen) halten nur 27 Prozent die jährliche Zeitumstellung für sinnvoll. Fachleute wie der Chronobiologe Till Roenneberg erklären die wachsende Abneigung nicht nur mit dem Wunsch der Menschen, länger zu schlafen.

«Die Leute merken auch: Das Uhrendrehen schadet ihrer Gesundheit», ist der Professor am Institut für Medizinische Psychologie an der Universität München überzeugt.

Schlafmangel mit Folgen

Tatsächlich gibt in einer Umfrage fast jeder Vierte gesundheitliche Probleme an. Roenneberg hält solche Symptome nur für die Spitze des Eisbergs. «Durch Schlafmangel steigt das Risiko, krank zu werden. Das betrifft alle Krankheiten von Schnupfen bis Krebs», sagt der Mediziner.

So zeigten schwedische Forscher 2008 in einer Studie im Fachjournal New England Journal of Medicine, dass in der Woche nach der Umstellung auf Sommerzeit die Herzinfarkt-Rate enorm nach oben schnellt. Zudem sinke die Aufmerksamkeit, was Unfälle wahrscheinlicher mache, so Roenneberg.

von Michael Augst


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