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Gesünder leben?

Trotz genügend Schlaf übermüdet

Unsere innere Uhr sagt uns, wann wir in und aus den Federn sollten. Befolgen wir dies nicht, droht ein sozialer Jetlag.

Wer kennt es nicht: Trotz genügend Schlaf fühlen wir uns übermüdet. Nachtmenschen sammeln die Übermüdung während der Arbeitswoche ein, Frühaufsteher mit dem späten nächtlichen Ausgang am Wochenende. Sie holen sich einen sozialen Jetlag, wenn Ihr persönlicher Schlafrhythmus nicht tickt wie das gesellschaftliche Leben, das Sie führen.

Auf Zellebene getaktet

«Wir haben alle eine innere Uhr, die körperliche und seelische Prozesse reguliert», erklärt Christian Cajochen, Leiter des Instituts für Chronobiologie an der Universität Basel. «Sie sagt uns etwa, wann unsere individuelle Zeit zum Einschlafen und Aufwachen ist.»

Dieser Rhythmus ist auf molekularer Ebene eingerichtet, wir finden ihn nicht nur beim Menschen, sondern auch bei Tieren und Pflanzen. Unsere DNA bestimmt also, wann abends Melatonin ausgeschüttet wird und wir müde werden, und wann uns am Morgen das körpereigene Cortisol wach macht. Leben wir neben diesem Rhythmus, fangen wir uns einen sozialen Jetlag ein. (lesen Sie unten weiter...)

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Jetlag schadet

«Wir haben eine biologische und eine gesellschaftliche Zeitzone – je näher die beieinander liegen, desto besser», sagt der Biologe. «Wenn der Unterschied aber grösser ist, kriegen wir Schwierigkeiten. Ist unser Schlafrhythmus durcheinandergebracht, kann das gesundheitliche Folgen haben: depressive Verstimmungen und vermehrter Suchtmittelkonsum. Bei Schülern stellte man fest, dass sie in der Schule schlechter abschneiden.

Unregelmässiges Schlafen steigert zudem das Risiko für Übergewicht, Bluthochdruck und Stoffwechselstörungen. Eine neue Studie am Brigham and Women's Hospital in Boston hat den Schlafrhythmus von Studenten beobachtet. Das Resultat: Wer regelmässig schlafen geht, schneidet in Prüfungen besser ab.

Behandlung schwierig

Den sozialen Jetlag kann man mit Lichttherapie und Melatoninabgaben behandeln. Die Therapie wirkt nicht bei allen gleich gut. «Manchmal ist es sehr schwierig. Es gibt Menschen, die brauchen zehn Wecker, um morgens aus dem Bett zu kommen», meint Christian Cajochen. Besonders in der Pubertät: Da verschiebt sich die innere Uhr jährlich um 20 Minuten nach hinten. Den biologischen Grund dafür kennt man nicht.

Soziale Zwänge

Wir haben uns zu einer Abendgesellschaft entwickelt. Die Arbeitszeiten sind jedoch gleich geblieben und frühes Zubettgehen beisst sich oft mit sozialen Freuden und Verpflichtungen. «Wir wissen, dass viele Menschen zu wenig und neben dem Rhythmus schlafen.» Wie viele – da hat man leider keine Zahlen.

Mit dem Ausschlafen am Wochenende kann man das Schlafdefizit nicht wettmachen. Aber man kann besser darauf achten, was unserem Körper und unserer Seele guttut.

von Claudia Langenegger,

publiziert am 20.04.2018


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