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Gesünder leben?

Mehr Männer als Frauen essen vegan

60 Prozent der Veganer in der Schweiz sind männlich. Es ist Teil ihres Lifestyles: Besonders junge Männer entscheiden sich für eine vegane Ernährung.

Fleischverzicht ist männlich: Drei Prozent der Schweizer Bevölkerung ernähren sich vegan. 60 Prozent davon sind Männer, wie eine Studie von Swissveg zeigt. Vor allem Menschen zwischen 15 und 34 verzichten ganz auf tierische Produkte.

Fleisch – ganz oder gar nicht

Männer sind aber auch grosse Fleischesser: Gemäss der ersten nationalen Ernährungserhebung des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) essen sie fast doppelt so viel Fleisch und Wurst wie Frauen, im Schnitt 980 Gramm pro Woche. Bei den Frauen sind es 570 Gramm.

Wie passen die beiden Studienresultate zusammen? Die Ernährungssoziologin Christine Brombach (54) vermutet, dass junge Männer mit Veganismus einen temporären Lifestyle ausdrücken. «Gründe sehe ich in den Jugendjahren, einer identitätsstiftende Phase», sagt die Lebensmittelsoziologin an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Wädenswil ZH. (Lesen Sie unten weiter …)

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Zahlen & Fakten
  • 17 Prozent der Menschen in der Schweiz sind Flexitarier, das heisst, sie essen Fleisch, aber wenig und bewusst.
  • 85 Prozent der 18- bis 34-Jährigen bereiten sich abends eine warme Mahlzeit zu. Bei den 65- bis 75-Jährigen sind es nur 65 Prozent.
  • 780 Gramm Fleisch- und Wurstwaren essen die Schweizer Konsumenten im Durchschnitt pro Woche. Empfohlen sind 240 Gramm.

In dieser Phase geht es darum, herauszufinden, welche Werte man vertritt. «Männer machen diese Fragen etwas stärker am Lebensstil und Essen fest, denn Essen und Kochen sind für sie noch etwas neuere Betätigungsfelder, als sie es für Frauen sind», sagt die Expertin. Zudem dauert bei ihnen die Adoleszenz etwas länger, die Wissenschaft dehnt sie bereits bis Ende 20 aus. Auch Vorbilder sind wichtig, wie etwa der ehemalige Berner NLA-Eishockeyspieler Andreas Hänni, der «Stark sein ohne Fleisch» propagiert.

Zurück zu den Wurzeln, zurück zum Fleisch

In der Adoleszenz beginnt man den Ernährungsstil des Elternhauses, der prägend ist, zu hinterfragen. Es geht dabei um Themen wie Tierwohl, Umwelt und das, was die Peers konsumieren. Sobald man selber Kinder hat, kehrt man aber häufig zur Ernährungsweise des Elternhauses zurück.«Wir essen nachweislich schichtspezifisch. So nehmen sich bildungsnähere Schichten etwa mehr Zeit, um ihre Mahlzeiten selber zuzubereiten, konsumieren mehr Früchte, Gemüse und Fisch und weniger gesüsste Getränke.» Wer aufs Geld achten muss, konsumiert tendenziell preisgünstigere Produkte, meist auch weniger Bio. Dass Ernährungsstile ein so grosses Thema sind, zeigt, dass es uns gut geht. Unsere Gesellschaft führt eine Luxusdebatte über Essen und Ernährung. «Anders als in Zeiten von Lebensmittelknappheit und in Ländern mit Nahrungsmangel können wir es uns leisten, über Ernährung zu sprechen.»

Publiziert am 27.02.2018

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