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Gesünder leben?

Fünf Mythen über Rückenschmerzen

Rückenschmerzen sind ein weit verbreitetes Phänomen, nicht nur in der Schweiz. Viel wird geschrieben, empfohlen und gesagt, doch was stimmt wirklich? Was ist dran an den Mythen rund um den Rückenschmerz?

Statistisch betrachtet hat nahezu jede Schweizerin und jeder Schweizer innerhalb von zwei Jahresperioden einmal Schmerzen im unteren Rücken. Die meisten Schmerzen verschwinden innerhalb von vier bis sechs Wochen wieder, ein kleiner Teil erweist sich aber als hartnäckig und kann die Betroffenen für längere Zeit begleiten.

Doch was tun bei Rückenschmerzen? Mehr Krafttraining? Eine (vermeintlich) bessere Sitzposition einnehmen? Wer hat nicht schon einmal einen gut gemeinten Ratschlag bei Rückenproblemen bekommen? Die zahlreichen Tipps, Behandlungen und auch Meinungen zum Thema spiegeln dessen gesellschaftliche Relevanz wider.

Fakt ist aber: eine einfache und allgemeingültige Antwort gibt es nicht. Zeit also, um mit den fünf häufigsten Mythen rund um das Thema Rückenschmerz aufzuräumen und sie auf den wissenschaftlichen Prüfstand zu legen. (Lesen Sie unten weiter …)

So bleibt der Rücken gesund

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1. Bei Rückenschmerzen muss man röntgen oder in die Röhre

Bildgebende Verfahren wie ein Röntgenbild oder eine Magnetresonanztomographie (MRI) sind nur in den seltensten Fällen notwendig und auch hilfreich bei der Diagnose und Behandlung von Rückenschmerzen. Zahlreiche Studien konnten zeigen, dass Veränderungen auf einem Röntgen- oder MRI-Bild nur selten mit dem Ausmass der Schmerzen zusammenhängen. Im Gegenteil, Veränderungen der Bandscheibe beispielsweise treten zu einem hohen Prozentsatz auch bei Personen ohne Rückenschmerzen auf.

2. Den Rücken sollte man schonen und wenig belasten

Man könnte meinen, der Rücken sei besonders gefährdet für das Auftreten von Schmerzen und dadurch zu schonen und nicht zu viel zu belasten. Ein genauer Blick auf die Anatomie des Rückens hilft hier weiter: Der Rücken ist dafür ausgelegt sich zu bewegen, und zwar in alle Richtungen. Vermeidet man gewisse Bewegungen, namentlich das Bücken und Drehen, so verliert der Rücken seine Fähigkeit diese Bewegungen auszuführen. Kommt man doch mal in die Verlegenheit des Bückens oder Drehens, kann dies nun den Rücken situativ überfordern und er macht sich bemerkbar. Vergleichen Sie es mit dem Gefühl im Knie nach einer anstrengenden Wanderung! Beschwerden sind häufig eher muskulär – also nicht gefährlich!

3. Gerades Sitzen ist gut für den Rücken

Diese Aussage wird schnell gemacht: Schiefes und krummes Sitzen oder ein falscher Stuhl sind für den Rückenschmerz verantwortlich. Überraschenderweise muss man aber anerkennen, dass es wissenschaftlich betrachtet keinen Zusammenhang gibt zwischen der Sitzposition und dem Auftreten von Rückenschmerz. Die ideale Sitzposition oder der perfekte Stuhl existiert also nicht. Ein häufiges Wechseln der Sitzposition und Bewegen spielen eine grössere Rolle und sollten in den Alltag eingebaut werden.

4. Brustschwimmen und Joggen sind schlecht für den Rücken

Wer hat das nicht schon einmal gehört? Joggen sei aufgrund der Schläge schlecht für den Rücken? Oder Brustschwimmen durch die dominante Stellung im hohlen Kreuz? Fakt ist: Es gibt nicht die beste Sportart für den Rückenschmerz, sondern man muss den Einzelfall anschauen. Sportarten wie Joggen, Schwimmen, Yoga, Pilates oder vermeintlich spezifisches Training der Bauchmuskulatur zeigen in Studien alle einen vergleichbaren Effekt, was die Behandlung von Rückenschmerz anbelangt. Wichtig ist: es muss machbar sein und Spass bereiten!

5. Je mehr der Rücken schmerzt, desto schlimmer ist es

Dieser Vergleich klingt einleuchtend: je mehr etwas schmerzt, desto schlimmer ist die zugrundeliegende Verletzung. Was auf den ersten Blick Sinn macht, stimmt zum Glück nicht. Der Körper generiert Schmerzen, wenn er eine Situation als tatsächlich oder vermeintlich gefährlich empfindet. Dies lässt sich im akuten Fall gut nachvollziehen: ein verstauchter Knöchel tut sehr weh und muss im ersten Moment geschont werden. Bleiben Schmerzen über längere Zeit bestehen, wird Schmerz zum unangebrachten Begleiter. Seine Schutzfunktion verliert ihre Bedeutung, Schmerzen können vorhanden sein, obwohl keine Gewebeschädigung mehr vorliegt.

von Fabian Pfeiffer und Prof. Dr. Hannu Luomajoki,

publiziert am 13.07.2018

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