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Gesünder leben?

Oraltropfen sind nichts für die Ohren

Ärzte verwenden Fachausdrücke aus mehreren Sprachen. Und selbst allgemein gebräuchliche Begriffe können im medizinischen Kontext etwas völlig anderes bedeuten – Missverständnisse nicht ausgeschlossen. Eine kleine Orientierungshilfe für den Alltag.

In einem Punkt ergeht es Ärzten und Laien gleich: Sie haben ihre liebe Mühe mit den mittlerweile rund 265 000 Abkürzungen, die in der Medizin kursieren. Was bedeutet zum Beispiel «KS»? Dahinter kann sich Klopfschmerz verbergen, also der Schmerz beim Beklopftwerden. Oder auch Kreuzschmerz, Kreislaufstillstand, Kniescheibe, Kompressionsstrumpf, Kaiserschnitt, Kaltschweissigkeit ... Die Liste liesse sich endlos erweitern.

Lektion in Medizinjargon

Tipps
  • Haken Sie beim Arzt nach, wenn Sie etwas nicht verstehen.
  • Bleiben Sie hart­näckig. Fragen Sie nach, bis Ihnen alles klar ist.
  • Wiederholen Sie wichtige Dinge noch im Sprechzimmer in Ihren eigenen Worten. Beispiel: «Also, dann nehme ich diese Tabletten drei Mal am Tag ein.» Wenn Sie etwas missverstanden haben, wird der Arzt es merken und richtigstellen.
  • Bitten Sie den Arzt, auf der Medikamenten­liste auch zu ­vermerken, ­gegen welche Beschwerden er die Mittel verschrieben hat.
  • Worte, die auf «itis» enden, weisen auf eine Entzündung hin. Gelenk (Arthron) plus Entzündung heisst darum Arth­ritis, während bei einem entzündeten Nerv (Neuron) von Neu­ritis die Rede ist.
  • Begriffe für chro­nische Krankheiten enden oft auf «ose». Ein chronisch
  • krankes Gelenk hat deshalb Arthrose.
  • Was mit «Patho» beginnt oder mit «pathie» endet, etwa die «Arthro­pathie» (Gelenkkrankheit), besagt meist, dass irgendetwas krankhaft ist.
  • «Dys» am Wort­anfang heisst, dass etwas nicht so ist, wie es normalerweise wäre.
  • Wörter, die mit «insuffizienz» enden, zeigen irgendeine Schwäche an – Beispiel: Herzinsuffizienz.
  • Wenn ein Begriff für eine Untersuchung auf «skopie» endet, hat sie mit «Hineinschauen» zu tun. Bei der Arthros­kopie blickt der Arzt mittels Gerät ins Gelenk.

(Lesen Sie unten weiter ...)

Wie verstehen Sie sich mit Ihrem Arzt?

Sieben Begriffe, schnell erklärt

Unterstützung im Netz

Diverse Organisationen und Dienste bieten Infos und Hilfe rund um medizinische Begriffe:

  • befunddolmetscher.de: Übersetzung und Erklärungen zu über 10'000 Begriffen
  • medizinische-abkuerzungen.de: Lexikon mit über 265 000 begrifflichen Abkürzungen
  • washabich.ch: Medizinstudenten oder Ärzte über­setzen gratis einen maximal zweisei­tigen Befund oder Arztbrief; die Antwort erfolgt passwortgeschützt innert weniger Tage.
  • Weisse-Liste-App: Die App übersetzt automatisch Fachbegriffe in einem ärztlichen Befund.
  • amm Café Med: Im «amm Café Med» in der Akademie Menschenmedizin beantworten Fachpersonen Fragen, übersetzen Befunde und bieten Entscheidungshilfe in medizinischen Belangen. Regelmässig in Zürich, Luzern, Basel und Winter­thur, gratis und ohne Anmeldung:
  • med111.com: Einfache Informa­tion zum Medi­ka­mentenbeipackzettel, 14 Tage lang gratis, danach kostenpflichtig.
  1. Zur oralen Anwendung
    Das Kind hatte Ohrenweh, aber die Schmerztropfen halfen nicht. «Zur oralen Anwendung», hatte es geheissen. Also träufelten ihm die Eltern die Tropfen ins Ohr, nicht wissend, dass «oral» bedeutet: Den Mund betreffend.
  2. Suppositorium
    Andere Patienten würgten mehrmals täglich ein grässlich fettig schmeckendes Medikament hinunter – weil ihnen niemand gesagt hatte, dass dieses «Suppositorium» auf deutsch ein Zäpfchen ist, das «rektal» verabreicht wird, also ins Ende des Darms gehört.
  3. Idiopathisch
    Etwa 170’000 Begriffe gehören zum medizinischen Fachwortschatz, der eine Mischung aus lateinischen, griechischen und englischen Begriffen ist, plus ein paar arabische, französische, hebräische, persische. Manchmal teilen Mediziner damit aber nur verschlüsselt mit, was sie nicht wissen: Ist eine Krankheit «idiopathisch», «essentiell» oder «kryptogen» tönt das zwar beeindruckend, bedeutet jedoch nur: Keine Ahnung, was der Grund dafür ist.
  4. Prominente Prostata
    Ein Problem sind ­bekannte Worte, die für den Arzt aber etwas anderes bedeuten: Ein Patient mit «prominenter Pros­tata» etwa muss nicht befürchten, dass sein Organ berühmt ist. Der Arzt meint damit bloss, dass die Prostata deutlicher als üblich zu sehen oder zu ertasten ist.
  5. Negativ
    Schlimm sind Missverständnisse, die durch Sätze wie «Der HIV-Test war negativ» ­verursacht werden. Manchem Patienten fährt dabei der Schreck in die Glieder. Für den Arzt hingegen ist es eine frohe Botschaft – denn sie besagt, dass eben keine HIV-Infektion gefunden wurde.
  6. o. B.
    Das Kürzel «o.B.» hat in der Medizin nichts mit einem Tampon zu tun, es heisst nur «ohne Befund», also: nichts Krankhaftes gefunden. «AZ gut» be­deutet: Der Allgemeinzustand des Kranken ist gut, und der «EZ» meint den Ernährungszustand, besagt also, wie gut ernährt der Patient ist.
  7. Patientenbrief
    Eine Hilfe für Laien ist zum Beispiel der sogenannte Patientenbrief, der die Krankheit, Untersuchungen, Behandlung und Medi­kamente verständlich erklärt. In einem Pilotprojekt an einer deutschen Klinik verstanden die Patienten dank Patientenbrief besser, was die Arzneimittel bezweckten; sie fühlten sich rücksichtsvoller behandelt und gaben häufiger an, dass sie die Klinik weiterempfehlen würden.

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